Wie weiter?

15. August 2013 14:01; Akt: 15.08.2013 14:41 Print

Fragen und Antworten zur Krise in Ägypten

von Kim Gamel, AP - Das Blutbad von gestern, 14. August, wirft viele Fragen auf - auch, wie es nun weitergehen soll. Die Nachrichtenagentur AP liefert Fragen und Antworten.

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Reporter rennen über die brennenden Reste eines Pro-Mursi-Protestcamps auf der Suche nach Deckung am Ein Polizist tritt einen verwundeten Pro-Mursi-Demonstrant während der Räumung eines Protestcamps am 14. August. Pro-Mursi-Demonstranten tragen einen Verwundeten Kameraden aus der Gefahrenzone. Insgesamt starben an jenem tragischen Mittwoch, 14. August, mehrere Hundert Menschen - sowohl die Sicherheitskräfte als auch die Demonstranten schossen scharf. Es existieren neben den hier gezeigten auch zahlreiche Bilder von Toten, zu Dutzenden aufgereiht in blutbesudelten Hallen. Der sprach am 14. August zur Nation und dankte den Sicherheitskräften für ihre Zurückhaltung. trat am 14. August zurück. In einem Brief an Übergangspräsident Adli Mansur erklärte er, es habe gewaltlose Alternativen gegeben, um die politische Krise im Land zu beenden. «Es ist für mich schwierig geworden, weiter die Verantwortung für Entscheidungen zu treffen, mit denen ich nicht übereinstimme, und deren Auswirkungen mir Angst machen», erklärte er. «Ich kann nicht die Verantwortung für einen einzigen Tropfen Blut übernehmen.» Eine Frau stellt sich am 14. August einem Bulldozer in den Weg, der das Protestcamp der Mursi-Anhänger in Kairo räumen soll. Hinter der Frau liegt ein Verletzter am Boden. Mit Bulldozern gehen die Sicherhietskräfte gegen die Demonstranten vor. Eine Frau flüchtet in Panik vor dem schweren Geschütz, das die Armee auffährt. Unter den Toten des blutigen Dienstags ist auch ein Kameramann von Sky News: Mick Deane ist durch eine Kugel gestorben. Mursi-Anhänger haben ein Polizeifahrzeug von der Brücke des 6. Oktobers gestossen. Auf späteren Aufnahmen ist zu sehen, wie sie einen Beamten aus dem Wrack zerren und ihm seine Schutzausrüstung abnehmen. Ein Helikopter kreist über dem Protest-Lager der Mursi-Anhänger. Ein Mitglied der Sicherheitskräfte in Kairo küsst den Koran. Und auch Demonstrantinnen lesen aus dem Koran vor. Trotz der blutigen Unruhen findet ein junger Mann Zeit, seinen Spieltrieb auszuleben. Wild entschlossen zeigt sich dieser Mursi-Anhänger. Schweres Geschütz gegen die Mursi-Anhänger. Ägyptische Sicherheitskräfte haben am 14. August die Protestcamps der Anhänger von Ex-Präsident Mohammed Mursi gestürmt und mit Gewalt geräumt. Die Sicherheitskräfte waren mit gepanzerten Fahrzeugen und Bulldozern ausgerüstet. Sie setzten unter anderem Tränengas gegen die Protestierenden ein. Ein Ägypter hilft einem anderen Demonstranten in einem leeren Zelt. Lokale Medien berichten, dass ein Soldat und Dutzende Mursi-Anhänger ums Leben gekommen seien. Etwa 200 seien verhaftet worden. Ein Mann schützt sich mit einer Gasmaske gegen das Tränengas. Sein Hemd ist blutgetränkt. Über 5000 Menschen sollen bei der Räumung der Lager verletzt worden sein, wie lokale Medien berichten. Über 5000 Menschen sollen bei der Räumung der Protestcamps verletzt worden sein, berichten lokale Medien. Einer der beiden Sicherheitsleute wurde bei den Auseinandersetzungen mit den Demonstranten verletzt. Die Sicherheitskräfte versuchen mit Tränengas und womöglich mit scharfer Munition am Pro-Mursi-Protestcamps zu räumen. Unter anderem wurden die Zugverbindungen unterbrochen, um die Ausbreitung der Demonstrationen zu stoppen. Am frühen Morgen des . Zahlreiche Menschen sterben durch Gewehrkugeln. Auch auf Seiten der Sicherheitskräfte gibt es Tote und Verletzte. Das Blutvergiessen in Ägypten hält an. Gemäss Sicherheitskräften schiessen die gegnerischen Lager mit Schrotkugeln aufeinander. In der Nacht auf Mittwoch, , forderten die Proteste erneut mindestens ein Menschenleben. Die Regierung hielt ihren Druck auf die Anhänger des gestürzten Staatschefs Mohammed Mursi aufrecht und forderte diese weiterhin dazu auf auf, ihre Protestlager zu räumen. Die Proteste dauern seit Wochen an. In einem Park vor der Universität von Kairo haben sich am wieder Tausende Anhänger des gestürzten Präsidenten Mohammed Mursi versammelt, um für seine Wiedereinsetzung ins Amt zu demonstrieren. Die Muslimbruderschaft hat zu den Demonstrationen aufgerufen. Auch Kinder nehmen an den Protesten teil, wie hier in Giza im Südwesten Kairos. Ägyptens Militärchef General Abdel-Fattah al-Sisi sei ein Krimineller, steht auf dem Schild, das ein Demonstrant hochhält. Soldaten versperren mit Panzern den Weg zum Präsidentenpalast. Auf dem Tahrir-Platz haben sich wieder die Mursi-Gegner versammelt. Auch hier werden die Gebetszeiten eingehalten. Am Abend haben sich aber die Reihen der Mursi-Gegner gelichtet.

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Warum kam es zur aktuellen Eskalation?
Die ägyptische Übergangsregierung hat die Räumung der beiden Protestlager der Islamisten von langer Hand angekündigt. Immer wieder drohte sie mit der Beseitigung der Zeltcamps, weil sie den Verkehr behinderten, von dort Gewalt ausginge und Anwohner verängstigt seien. Bereits Ende Juli rief Militärchef und Verteidigungsminister Mohammed al-Sisi zu einer Massenkundgebung auf, um damit zu zeigen, wie gross die Unterstützung für ihn und die Regierung bei ihrem Vorgehen gegen die Demonstranten sei.

Millionen folgten dem Aufruf am 26. Juli, doch die Regierung wartete noch westliche Vermittlungsbesuche - die sie bald für gescheitert erklärte - und das Ende des Fastenmonats Ramadan ab, bevor sie tatsächlich gegen die Islamisten vorging. Zunächst war am Montag mit der Räumung gerechnet worden, schliesslich war es dann aber am Mittwoch soweit.

Wie kam es dazu?
Mursis jahrzehntelang unterdrückte und verbotene Muslimbruderschaft wurde durch die Erfolge bei den ersten freien Wahlen nach dem Sturz Hosni Mubaraks unerwartet an die Macht gespült. Doch gleichzeitig fühlten sich Säkulare und Liberale bei der Gestaltung der Zukunft des Landes übergangen. Sie warfen der Muslimbruderschaft eine Monopolisierung der Macht und eine mangelnde Umsetzung der so wichtigen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Reformen vor.

Mursi und seine Anhänger beschuldigten ihre Gegner wiederum, ihre Regierungsarbeit durch ständige Proteste zu untergraben. Anklagen gegen Aktivisten, Journalisten und andere bekannte Persönlichkeiten wegen Beleidigungen gegen Mursi - oder auch gegen den Islam - sorgten dafür, dass sich die Gräben zwischen dem islamitischen und dem säkularen Lager weiter vertieften.

Schliesslich rief die Aktivistengruppe Tamarod zum ersten Jahrestag des Amtsantritts Mursis Ende Juli zu Massenprotesten auf. Das mächtige Militär des Landes stellte sich hinter die Demonstranten und nahm Mursi am 3. Juli in Gewahrsam. Eine zivile Übergangsregierung kam an die Macht.

Woran scheitern die Verhandlungen zwischen den beiden Lagern?
Anhänger Mursis demonstrierten seit dessen Sturz für die Wiedereinsetzung des Präsidenten und lehnen den von der neuen Führung vorgelegten Übergangsplan zur Demokratie ab, der eine Änderung der islamistisch geprägten Verfassung und Neuwahlen Anfang kommenden Jahres vorsieht. Weiter erschwert wurde die Vertrauensbildung zwischen den beiden Seiten durch das Vorgehen gegen mehrere Führer der Muslimbruderschaft und die Gefangenhaltung Mursis an einem unbekannten Ort.

Hat die Gewalt gegen die Islamisten Mursis Anhängern Sympathien eingebracht?
Viele Ägypter haben sich gegen die gewaltsame Räumung der Protestlager ausgesprochen und auch moderate Kräfte wollen die Muslimbruderschaft in die politische Zukunft des Landes integriert sehen. Der Rücktritt von Vizepräsident Mohammed ElBaradei als Reaktion auf die Gewalt machte auch die Unstimmigkeiten innerhalb der Regierung deutlich.

Was passiert in Ägypten als Nächstes?
Schwer zu sagen. Viele mächtige Führer der Muslimbruderschaft wurden verhaftet. Die Gruppe könnte nun daher Schwierigkeiten haben, sich nach der Räumung ihrer Lager neu zu formieren. Die Regierung verhängte zudem den Ausnahmezustand und eine nächtliche Ausgangssperre, wodurch neue Proteste leichter niedergeschlagen werden können.

Besonders genau dürfte das Militär auch die Lage auf der Halbinsel Sinai beobachten, wo seit dem Sturz Mursis islamistische Extremisten ohnehin aktiver sind. Sie könnten die Verärgerung über den Tod Hunderter Zivilisten nutzen, um ihre Terrorkampagne voranzutreiben.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Beobachter am 15.08.2013 15:13 Report Diesen Beitrag melden

    Waffenlager

    Warum gab es automatische Waffen in den Camps? Und anscheinend ziemlich viele!

    einklappen einklappen
  • El-Kufr am 15.08.2013 15:37 Report Diesen Beitrag melden

    Religionsvorschriften abschaffen

    Religion als Staatsaufgabe abschaffen. Das ist das einzige, was international gemacht werden solle. Egal welche Religion, sie gehört nach Hause.

  • in egypt lebende am 15.08.2013 15:09 Report Diesen Beitrag melden

    Muslim Brotherhood

    in den westlichen medien werden die anhänger morsis und der MB als opfer dargestellt. dass dem nicht so ist, belegen unzählige videos. abgesehen von der gewalttätigen geschichte der MB wurden die camps illegal erstellt, mit waffen ausgerüstet, bezahlte anhänger und kinder aus den armenvierteln angekarrt, eigene leute gefoltert und getötet. welcher staat hätte eine solche lage so lange toleriert? was jetzt passiert wurde von den MB führern angekündigt, anzünden von kirchen und öffentlichen gebäuden. friedlich? mitnichten! obwohl klar definiert werden muss zwischen manipulierten und extremisten

Die neusten Leser-Kommentare

  • Beobachter am 15.08.2013 16:46 Report Diesen Beitrag melden

    Der Geist der Muslimbrüder

    Der Geist der Muslimbrüder zeigt sich ja an der Tatsache, dass sie offensichtlich an verschiedenen Orten Kirchen zerstört haben. Sie rächen sich also an den Schwächsten und nutzen die Situation aus, um die Christen definitiv zu vernichten. Und dann jammern die Muslimbrüder, sie werden schlecht behandelt.

  • El-Kufr am 15.08.2013 15:37 Report Diesen Beitrag melden

    Religionsvorschriften abschaffen

    Religion als Staatsaufgabe abschaffen. Das ist das einzige, was international gemacht werden solle. Egal welche Religion, sie gehört nach Hause.

  • Beobachter am 15.08.2013 15:13 Report Diesen Beitrag melden

    Waffenlager

    Warum gab es automatische Waffen in den Camps? Und anscheinend ziemlich viele!

    • HalbÄgypter am 16.08.2013 18:58 Report Diesen Beitrag melden

      Traut den Muslimbrüdern nicht!

      die Muslimbrüder sind gut vernetzt mit terroristischen Grupierungen im nahen Osten und habe gute Beziehung zu El Kaida! Viele Waffen wurden aus Lybien geholt! Diess Gruppe ist brandgefährlich!

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  • in egypt lebende am 15.08.2013 15:09 Report Diesen Beitrag melden

    Muslim Brotherhood

    in den westlichen medien werden die anhänger morsis und der MB als opfer dargestellt. dass dem nicht so ist, belegen unzählige videos. abgesehen von der gewalttätigen geschichte der MB wurden die camps illegal erstellt, mit waffen ausgerüstet, bezahlte anhänger und kinder aus den armenvierteln angekarrt, eigene leute gefoltert und getötet. welcher staat hätte eine solche lage so lange toleriert? was jetzt passiert wurde von den MB führern angekündigt, anzünden von kirchen und öffentlichen gebäuden. friedlich? mitnichten! obwohl klar definiert werden muss zwischen manipulierten und extremisten

  • R.S. am 15.08.2013 15:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alles picobello

    In Sharm-E-Sheik ist alles friedlich und super Hotelservice. Man muss halt nicht in eine Moschee oder Kirche gehen und sollte lieber im Ferienkomplex bleiben. Man kommt ja nicht hierher in die Ferien um Demonstranten oder Terroristen zu sehen.

    • in egypt lebende am 17.08.2013 10:53 Report Diesen Beitrag melden

      hallo....

      hier geht's mal nicht um hotelservice! schön wenn's noch einen super hotelservice gibt trotz all den widrigkeiten, denen das äyptische volk ausgesetzt ist. viel spass noch!

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