Ihre Story, Ihre Informationen, Ihr Hinweis?
feedback@20minuten.ch 
«Costa Concordia»
15. Oktober 2012 12:40; Akt: 17.10.2012 15:05 Print
Jetzt gilt es ernst für Schettino
Seit neun Monaten liegt das Wrack des Kreuzfahrtschiffes «Costa Concordia» vor der toskanischen Küste. Nun ist die Beweisaufnahme fortgesetzt worden - ein Prozess dürfte erst 2013 beginnen.
Der Unglückskapitän kam durch die Hintertür, erwartet von Hunderten Überlebenden und Hinterbliebenen von Todesopfern. Nach mehrmonatiger Pause hat die italienische Justiz am Montag die Beweisaufnahme zur Havarie des Kreuzfahrtschiffs «Costa Concordia» fortgesetzt. Der Andrang war so gross, dass die Anhörung in einem Theater der toskanischen Stadt Grosseto stattfand, um allen interessierten Betroffenen Platz zu bieten.
Bildstrecken Costa Concordia in Seenot Infografik Rettungsplan für das Wrack der «Costa Concordia»Die Havarie der «Costa Concordia» Video
«Ich bin stolz auf Schettino»
Die «Costa Concordia» mit 4200 Passagieren und Besatzungsmitgliedern an Bord war am 13. Januar zu nah an die kleine Insel Giglio herangefahren, hatte einen Felsen gerammt und war gekentert. 32 Menschen kamen ums Leben, darunter auch zwölf deutsche Passagiere.
Grosser Andrang
Über 1000 Menschen kamen, um dem beschuldigten Kapitän Francesco Schettino ins Gesicht zu sehen. «Wir wollen ihm in die Augen schauen und sehen, wie er auf die Beschuldigungen reagiert», sagte der deutsche Überlebende Michael Liessen, der mit seiner Frau an der nicht öffentlichen Anhörung teilnahm.
Schettino, im Anzug und mit Sonnenbrille, schlüpfte ohne ein Wort zu den wartenden Medien durch einen Hintereingang in das Gebäude. Anwälte berichteten, der 51-Jährige habe die Anhörung konzentriert verfolgt. Seine Verteidiger hätten einige Einsprüche gegen Beweismittel eingelegt. Die Beratungen in dieser Woche spielen eine Rolle bei der Entscheidung, ob ihm der Prozess gemacht wird.
Prozess wohl nicht mehr dieses Jahr
Der damalige Kapitän wird der fahrlässigen Tötung verdächtigt; er soll das Unglück verursacht und vor Passagieren und Mannschaft von Bord gegangen sein. Er weist die Vorwürfe zurück und hält dagegen, er habe das Schiff noch in flacheres Wasser gesteuert und so sogar Leben gerettet. In Grosseto soll nun die Beweislage gegen Schettino und acht weitere Beschuldigte erörtert werden, darunter Schiffspersonal und Mitarbeiter des Kreuzfahrtunternehmens Costa Crociere. Ein Prozess würde wohl nicht mehr in diesem Jahr beginnen.
Bei der Anhörung soll erstmals auch die vollständige Auswertung des Bordschreibers öffentlich gemacht werden. Der Termin war bereits für Juli vorgesehen gewesen, aber dann vertagt worden, weil die Experten vor allem zur Auswertung der Black Box mehr Zeit benötigten.
«Das absolute Chaos»
Eine entscheidende Frage ist, in welchem Mass Schettino beziehungsweise die Crew und die Reederei für das Unglück verantwortlich sind. Ein Bericht von Experten vorigen Monat gab Schettino die Hauptschuld an der Kollision und der schiefgelaufenen Evakuierungsaktion. Sie wiesen aber auch darauf hin, dass nicht alle Besatzungsmitglieder Italienisch verstanden, nicht alle in Sicherheitsmassnahmen auf dem neuesten Stand waren und nicht alle Passagiere an Notfallübungen hatten teilnehmen können.
Schettinos Anwälte hatten vergebens beantragt, den indonesischen Steuermann zu der Anhörung zu laden. Dennoch zeigte sich einer der Verteidiger während einer Pause zuversichtlich und sagte, es träten Verantwortlichkeiten zutage, die nicht allein Schettinos seien.
Einige Überlebende und Hinterbliebene machen die Reederei verantwortlich und halten ihr Nachlässigkeit vor. Dazu zählt auch Peter Ronai, Anwalt der Angehörigen eines ungarischen Geigers, der seine Rettungsweste einem Kind überlassen hatte und selbst ums Leben gekommen war. «Niemand hätte sterben müssen», sagte Ronai. «Das Schiff war so gross wie ein Einkaufszentrum, es war dunkel, es war das absolute Chaos.»
(dapd)
Fragen und Antworten rund um die Kommentar-Funktion
«Warum dauert es manchmal so lange, bis mein Kommentar sichtbar wird?»
Unsere Leser kommentieren fleissig - durchschnittlich gehen Tag für Tag 4000 Meinungen zu allen möglichen Themen ein. Da die Verantwortung für alle Inhalte auf der Website bei der Redaktion liegt, werden die Beiträge vorab gesichtet. Das dauert manchmal eben einige Zeit.
«Gibt es eine Möglichkeit, dass mein Beitrag schneller veröffentlicht wird?»
Wer sich auf 20 Minuten Online einen Account zulegt und als eingeloggter User einen Beitrag schreibt oder auf einen Kommentar antwortet, der wird vorrangig behandelt. Hat ein eingeloggter User bereits viele Kommentare verfasst, die freigegeben wurden, so werden seine neuen Beiträge mit oberster Priorität behandelt.
«Warum wurde mein Kommentar gelöscht?»
Womöglich wurde der Beitrag in Dialekt verfasst. Damit alle deutschsprachigen Leser den Kommentar verstehen, ist Hochdeutsch bei uns Pflicht. Sofort gelöscht werden Beiträge, die Beleidigungen, Verleumdungen oder Diffamierungen enthalten. Auch Kommentare, die aufgrund mangelnder Orthografie quasi unlesbar sind, werden das Licht der Öffentlichkeit nie erblicken. (oku)
Haben Sie allgemeine Fragen zur Kommentarfunktion?
Schreiben Sie an feedback@20minuten.ch
Hinweis: Wir beantworten keine Fragen, die sich auf einzelne Kommentare beziehen.
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Deshalb können Storys, die älter sind als 2 Tage, nicht mehr kommentiert werden. Wir bitten um Verständnis.
-
Alle 9 Kommentare

Die Printausgabe von 20 Minuten gibts jetzt auch als ePaper.
Die 20 Minuten App Familie
Thank god it's Friday!
DIE Nightlife-Website für Partyverrückte aus aller Welt




















Kein Vertrauen
Ich glaube, Herr Schettino wird mit einem Freispruch oder einer Bewährungsstrafe aus der Affäre kommen - egal ob er schuldig ist oder nicht. Denn so ist unsere Zeit.
Es gilt ernst für Alle!!
Diese Angelegenheit ist unseriös von A bis Z. Der super Kapitän Schettino gehört für lange Zeit ins Gefängnis. Diese Reederei ist bis in Amerika zurück unglaubwürdig und gehört geschlossen. Solche Fälle passieren wieder!
Verantortung
Nun ja, er trägt als Kapitän die Verantwortung. Bei solche inem Verhalten würde man ja auch beim Autofahrer nicht dem Beifahrer die Schuld geben oder dem Garagisten, der meinte, mit dem Auto könne man eben dies und das. Ob die Reederei auch zur Verantwortung gezogen wird, mag sich zeigen. Vielleicht gibt es da Anhaltspunkte für, keine Ahnung, doch letztendlich ist wie auf jedem Schiff, der Kaptiän der Träger der Verantwortung. Und wenn alles bisher so stimmt, war er sich seiner Kaptitänsehre nicht würdig.