Ante Gotovina

15. April 2011 14:21; Akt: 15.04.2011 14:48 Print

Kriegsverbrecher oder Volksheld?

Für viele Kroaten ist der Ex-General Ante Gotovina ein Held. Für andere war er bereits seit den 1980er-Jahren ein Verbrecher. Damals raubte er in Frankreich Juwelen.

storybild

Der kroatische General Ante Gotovina. (Bild: Keystone)

Zum Thema
Fehler gesehen?

An Ante Gotovina scheiden sich die Geister. Am Freitag verurteilte ihn das UNO-Tribunal für das ehemalige Jugoslawien zu 24 Jahren Haft wegen Kriegsverbrechen an serbischen Zivilisten und seiner Rolle während der «Operation Sturm», bei der kroatische Armeeeinheiten 1995 die von Serben kontrollierte Krajina eroberten.

Gotovina wurde 1955 auf der Insel Pasman unweit des Küstenortes Zadar im Süden Jugoslawiens geboren. Mit 16 Jahren verliess er seine Heimat, arbeitete zunächst als Matrose für eine internationale Transportgesellschaft und schloss sich wenig später der französischen Fremdenlegion an.

Trainer von Paramilitärs

Diese verliess er 1979 wieder, bekam aber die französische Staatsbürgerschaft. Als Mitarbeiter einer privaten Sicherheitsfirma trainierte er später Paramilitärs in Argentinien und in Guatemala. In Frankreich wurde in den 1980er-Jahren gegen ihn wegen krimineller Aktivitäten ermittelt. So soll er an einem Juwelenraub beteiligt gewesen sein. 1986 wurde er schliesslich zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt - ein Jahr später aber bereits wieder freigelassen.

Gotovina kehrte 1991 in die Heimat zurück, als Kroatien seine Unabhängigkeit erklärte und sich von Jugoslawien abspaltete. Mitglieder der serbischen Minderheit in Kroatien besetzten daraufhin mit militärischer Unterstützung der Führung in Belgrad mehrheitlich von Serben bewohnte Gebiete.

Die «Operation Sturm» besiegelte das Ende der selbst proklamierten Serbischen Republik Krajina, die zeitweise ein Drittel des kroatischen Staatsgebiets ausmachte.

Der schnell zum General aufgestiegene Gotovina war führend an der Eroberung der Krajina beteiligt. Viele meinen, dass er damit den Grundstein für das Ende des verlustreichen Kroatien-Kriegs (1992-95) legte.

Vertreibung zehntausender Serben

Der Sieg der Kroaten hatte für die Serben einen hohen Preis: Über 90 000 Serben wurden vertrieben, mehr als 320 serbische Zivilisten und kampfunfähige Soldaten wurden nach Erkenntnissen des UNO- Kriegsverbrechertribunals getötet. Dafür musste sich Gotovina jetzt verantworten.

Seit das Gericht Mitte 2001 die Anklageschrift gegen ihn veröffentlichte, war Gotovina auf der Flucht. Bis zu seiner Festnahme auf der spanischen Kanareninsel Teneriffa Ende 2005 tauchte er unter und meldete sich unregelmässig per Interview zu Wort, um seine Unschuld zu beteuern.

Verhandlungen über den Beitritt Kroatiens zur Europäischen Union kamen erst nach Gotovinas Festnahme in Gang. Gegen Gotovinas Festnahme und seine Auslieferung an das UNO-Tribunal protestierten damals in Kroatien Tausende Menschen. Und Stunden vor der Verkündung des Urteils in Den Haag hing an der Brücke von Zadar ein grosses Banner mit der Aufschrift: «General, wir warten auf Ihre Befehle».

(sda)