Mohammed-Schmähungen

22. September 2012 17:21; Akt: 22.09.2012 17:32 Print

Friedliche Demo in Bern - Gewalt im Ausland

In Bern haben rund 200 Muslime friedlich für einen besseren Schutz der religiösen Gefühle in der Schweiz demonstriert. Zu heftigen Auseinandersetzungen ist es in Nigeria und Bangladesch gekommen.

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Erstmals sind auch in der Schweiz die Muslime im Zug der weltweiten Proteste gegen den den umstrittenen Mohammed-Film aus den USA auf die Strasse gegangen. Rund 200 Muslime haben sich am Samstag auf dem Helvetiaplatz in Bern versammelt und forderten einen besseren Schutz der religiösen Gefühle in der Schweiz. Zur Kundgebung hatten der Islamische Zentralrat Schweiz (IZRS) und vier weitere muslimische Organisationen aufgerufen. Sie hätten ursprünglich einen Demonstrationszug zur US-Botschaft in Bern oder zum Bundesplatz durchführen wollen.

Die Stadt Bern erlaubte den Veranstaltern aber nur eine rund 90-minütige Platzkundgebung auf dem Helvetiaplatz. Der Bundesplatz war bereits mit einer Kundgebung der Gewerkschaften belegt.

Der Islamische Zentralrat sah die Kundgebung nicht in erster Linie als Protest gegen den islamfeindlichen Film. Man wolle vielmehr die Gesetzgeber in der Schweiz auffordern, rechtliche Normen zu erlassen, um religiöse Gefühle besser zu schützen, teilte der IZRS mit. Der Film war aber der Auslöser für die Kundgebung und wurde am Samstag immer wieder erwähnt.

Provokation und Beleidigung

Zu Beginn der Kundgebung versammelten sich zahlreiche Teilnehmer auf dem Helvetiaplatz zum Gebet. Danach gab es Reden auf Deutsch und Arabisch zu hören. IZRS-Präsident Nicolas Blancho sprach angesichts des Anti-Islam-Films von einer Provokation und Beleidigung für alle Muslime.

Er erinnerte an die umstrittenen Mohammed-Karikaturen, die im Jahr 2005 für Unruhe gesorgt hatten. Die Provokation sei die gleiche, nur habe sich der Ton verschärft, sagte Blancho. Eine Entschuldigung der US-Regierung reiche hier nicht aus, vielmehr seien Handlungen nötig, um solche Provokationen zu verbieten.

Blancho kritisierte auch die jüngsten Mohammed-Karikaturen des französischen Satire-Magazins «Charlie Hebdo». Indem Frankreich diese Karikaturen zugelassen habe, habe das Land ein paradoxes Verständnis von Meinungsäusserungsfreiheit deutlich gemacht.

Dem Regen getrotzt

Die Teilnehmer der Kundgebung trotzten dem Regen und schwenkten Fahnen oder trugen Transparente bei sich. Immer wieder riefen sie den Rednern Parolen zu. Die Veranstalter gingen von rund 300 Teilnehmenden aus.

Die Islamischen Nationalverbände der Schweiz, FIDS und KIOS, hatten sich im Vorfeld von der Kundgebung distanziert. Eine Demonstration in Bern sei zu diesem Zeitpunkt ein missverständliches Zeichen, teilten sie mit. Insgesamt vertreten FIDS und KIOS nach eigenen Angaben über 200 muslimische Zentren oder Vereine.

Gewalt bei Demonstrationen in Nigeria und Bangladesh

In Nigeria haben am Samstag zehntausende Menschen gegen den islamfeindlichen Film aus den USA demonstriert. Der Protestzug erstreckte sich über mehrere Kilometer durch die Stadt Kano, wie ein AFP-Reporter berichtete. «Tod Amerika, Tod Israel, Tod den Feinden des Islam», riefen die Demonstranten.

Die Organisatoren des Protests forderten die US-Regierung auf, Schmähungen des Islam zu unterbinden. Kano ist die zweitgrösste Stadt des Landes und liegt im Norden Nigerias, in dem vor allem Muslime leben.

Bei Protesten in Bangladesch gegen den Film «Die Unschuld der Muslime» wurden nach Augenzeugenberichten Dutzende Menschen verletzt. Nach Polizeiangaben kam es zu Zusammenstössen, als die Sicherheitskräfte in der Hauptstadt Dhaka versuchten, eine Demonstration zu beenden.

«Bestrafung für die, die unseren Propheten erniedrigt haben»

Auch in Pakistan haben am Samstag erneut tausende Menschen gegen den islamfeindlichen Film aus den USA demonstriert. In der pakistanischen Hauptstadt Islambad marschierten mehr als 5000 Menschen, darunter hunderte Frauen, auf das Parlament zu.

Sie riefen Parolen wie «Wir lieben unseren heiligen Propheten» und «Bestrafung für die, die unseren Propheten erniedrigt haben». In Lahore veranstaltete die islamistische Gruppe Jamaat-ut-Dadwa eine Protestkundgebung vor dem US-Konsulat. Auch in Karachi waren Proteste geplant.

In Pakistan waren am Freitag zehntausende Menschen auf die Strasse gegangen. Bei Ausschreitungen wurden nach jüngsten Angaben mindestens 23 Menschen getötet und mehr als 200 verletzt.

Frankreich verbietet Demos

Auch in Deutschland gingen die Muslime auf die Strassen. In Dortmund versammelten sich etwa 1500 Menschen zu einer Kundgebung. In Karlsruhe nahmen lediglich 200 Demonstranten teil - deutlich weniger als vom Veranstalter erwartet. Beide Kundgebungen verliefen friedlich.

Frankreich dagegen untersagte alle Demonstrationen gegen die Veröffentlichung von Mohammed-Karikaturen in einer französischen Tageszeitung und das Schmähvideo. Die Polizei in Paris kündigte an, alle für Samstag geplanten Versammlungen und Demonstrationen zu unterbinden.

Gegen den Film, in dem der Prophet Mohammed verunglimpft wird, gibt es seit mehr als anderthalb Wochen Proteste in der islamischen Welt. In Pakistan waren am Freitag zehntausende Menschen auf die Strasse gegangen, bei Ausschreitungen wurden dort mindestens 23 Menschen getötet und über 200 verletzt.

(sda/dapd)

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Ausgewählte Leser-Kommentare

Der Islam ist 500 Jahre jünger als das Christentum, kann es vielleicht daran liegen? Wie war das noch genau mit den Kreuzzügen? Dies soll keine Entschuldigung sein für irgendwelche Taten. Jedem Mensch sollte der gleiche Respekt entgegengebracht werden. Leider gibt es radikale Grupierungen welche nun die ganze Situation ausnützen und die Stimmung anheizen. Aber andererseits wäre da noch die Meinungsfreiheit. Sehr schwieriges Thema. – Menschlein

Worum geht es bei den Demos eigentlich? Um einen billigen Film? Oder geht es um Christentum vs Islam? Dann sollen sie aber zurück in ihre Länder gehen und dort demonstrieren. Die Schweiz hat nichts gegen Muslime noch hat sie was mit dem Film zu tun. Ausserdem ist der Film lächerlich und einfach nicht ernst zu nehmen. Wer dagegen demonstriert, der zeigt schon wie extrem er im Kern ist. – Natalie

Der Film ist so schlecht, dass man ihn nicht ernst nehmen kann. Die Reaktion darauf in muslimischen Ländern zeigt den Extremismus, der dahinter steckt. Es geht gar nicht um Religion. Es geht um Extremismus und darum, ein Feindbild zu haben. Mit einer Gottesbeziehung hat dies überhaupt nichts zu tun. Als gläubiger Christ käme ich nie auf die Idee, solch einen Tumult anzureissen, nur weil irgend ein Halbstarker einen beleidigenden Film über Jesus produzieren würde. – Paul

Die neusten Leser-Kommentare

  • Schweizer Eidgenosse am 22.09.2012 21:33 Report Diesen Beitrag melden

    Der Krug geht zum Brunnen bis er bricht.

    Wenn die fanatischen Islamisten im Westen das Fass zum überlaufen bringen, mit Terror, Demos, ausnützen unserer westlichen Kultur und Systems. Wir das mal ein Eigentor für diese Menschen und möglicherweise ein böses Ende nehmen. Die Geschichte hat uns gezeigt, dass der Glaube immer Auslöser von vergangenen Kriegen war.

  • Emini Abel am 22.09.2012 20:29 Report Diesen Beitrag melden

    Asiatische-Afrikanische Migranten

    wenn es diesen leuten in europa nicht gefällt, können sie sofort zurück.

  • Karma V. am 22.09.2012 19:05 Report Diesen Beitrag melden

    Verstehe ich nicht

    "Eine Entschuldigung der US-Regierung reiche hier nicht aus" - ich verstehe es irgendwie nicht, warum und wofür sich hier die US-Regierung entschuldigen muss? War der Urheber des Films nicht ägyptischer Staatsangehöriger? Und seit wann muss sich eine Regierung überhaupt für einen Film entschuldigen? Irgendwie kapier ich das alles nicht...

  • emerich am 22.09.2012 17:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    besserer schutz?

    habe noch nie gelesen dass wen moslems christen gesteinigt haben sie hier diskriminiert wurden obwohl sie in ein christliches land kamen. oder wenn sie kirchen abfakeln passiert ihnen auch nichts in der chtistlichen schweiz. ich kenne viele moslems und denen ist der film egal. ihre worte lieber witze machen über die religion als krieg durch die religion. und weis gott die religion hat zich millionen auf dem gewissen. an alle obergläubigen gott erschuf den mensch und nicht die bibel koran usw. ps. die bücher wurden ja sogar umgeschrieben. daher haben die bücher kein wert. es zählt der glaube. ich glaube es gibt gute und schlechte menschen.

  • muXXimuS am 22.09.2012 17:29 Report Diesen Beitrag melden

    Derselbe Feind

    Die einzige Figur , welche das Jesus vs Mohammed will , sollte eigentlich beiden Religionen bekannt sein . Allah oder Gottes Willen , sähe wahrscheinlich anders aus . Dieser Feind kann nicht von Christen oder Moslems bekämpft werden , das nährt ihn höchstens noch . Und Sieger , gibt es keine mehr .