«Innocence of Muslims»

16. September 2012 18:28; Akt: 17.09.2012 12:01 Print

Porno-Regisseur hat das Video gedreht

Der Nebel um den islamfeindlichen Film «Unschuld der Muslime» lichtet sich langsam. Gefilmt hat das Werk ein Mann, der bislang in einem anderen Milieu drehte.

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Der Film (2012) stellt den Propheten Mohammed als Kinderschänder, blutrünstigen Feldherr, Homosexuellen und Feigling dar. Der Youtube-Trailer löst weltweite Proteste in muslimischen Ländern aus. Hinter dem Film sollen mehrere US-Amerikaner stecken. Als genannt. Am 15. September 2012 wird er von den US-Behörden vernommen. Nakoula ist vorbestraft und lebt in der Nähe von Los Angeles. Nakoula soll sich laut Gerichtsunterlagen auch schon Mark Basseley Youssef, Yousseff M. Basseley oder Nicola Bacily genannt haben. Das alles klingt auffällig ähnlich wie . Dieser Name wurde schnell als Verantwortlicher für den Fillm herumgereicht. Im Zusammenhang mit dem provozierenden Billigstreifen taucht ausserdem auch der Name auf. Klein will bei «Innocence of Muslim» als Berater fungiert haben. Er bezeichnet sich selbst als «aktiven Christen» und als Kritiker des radikalen Islams. Die Gewalt, die der Film in Nordafrika auslöste, findet Klein gut. «, um der Welt und auch der Mehrheit der Muslime zu zeigen, wie gefährlich diese Leute sind», sagte er gegenüber CBS News. Hat mit dem Macher des Film Kontakt: . Der radikale Christ gehört keiner etablierten Kirche an. 2010 veröffentlichte er die anti-islamistische Polemik «Islam is of the Devil». Im September 2010 hatte er weltweit Aufsehen durch seine Ankündigung erregt, eine durchzuführen. Er hatte die Aktion jedoch abgesagt. Die in einem Statement im US-Sender CNN explizit von der eigenen Arbeit. Ihnen war gesagt worden, dass sie am Film «Desert Warriors» arbeiteten. Der Prophet Mohammed sei im Drehbuch nie aufgetaucht. Der Film sei in der Postproduktion umgeschnitten und neu synchronisiert worden. Der Film «Innocence of Muslim» wurde am 23. Juni 2012 . Ein Trailer wurde im Juli 2012 auf Youtube hochgeladen. Film und Trailer fanden zunächst nur wenig Beachtung. Erst als im September 2012 eine arabisch synchronisierte Fassung auf Youtube geladen wurde, wurde er in muslimischen Ländern überhaupt wahrgenommen. In der Folge kam es zu . Den Auftakt machte eine Gruppe Bewaffneter, die am 11. September 2012 (dem 11. Jahrestag von 9/11) das überfiel und vier Mitarbeiter der diplomatischen Vertretung tötete. Ob es sich dabei um eine terroristische oder eine spontane Aktion handelte, ist umstritten. Unter den Opfern war auch der (hier in einer Aufnahme vom 11. April 2011). In der Folge wurden die US-Botschaften in muslimischen Ländern stärker bewacht. Trotzdem gelang es Bewaffneten und drei Menschen zu töten. Die Ausschreitungen wurden sowohl vom libyschen Übergangspräsidenten Mohamed Al-Magariaf (Bild) als auch vom ägyptischen Staatspräsidenten Mohammed Mursi scharf verurteilt. In mehreren muslimischen Ländern, darunter Ägypten und Libyen, sperrte Youtube den Zugang zum umstrittenen Trailer. .

Der Film «Innocence of Muslims» sorgt in zahlreichen islamischen Ländern für Ausschreitungen und Unruhen.

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Der Amateurfilm, der den Propheten Mohammed verunglimpft und die Muslime als unmoralisch und gewalttätig darstellt, wurde offenbar im vergangenen Jahr von einem koptischen Christen gemeinsam mit einer rechten evangelikalen Gruppe produziert. Laut US-Medien leitete ein Porno-Regisseur die Dreharbeiten in Duarte bei Los Angeles.

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Als Schlüsselfigur erscheint bisher Nakoula Basseley Nakoula. Der 55-jährige Kopte steckt nach Angaben von US-Medien hinter dem Pseudonym «Sam Bacile», der nach Beginn der Proteste vor knapp einer Woche im «Wall Street Journal» den Islam als «Krebs» beschimpfte.

Nakoula gab später zu, den 14-minütigen Trailer des Films ins Internet geladen zu haben. Zudem kündigte der in den USA lebende Ägypter an, den gesamten rund zweistündigen Film verbreiten zu wollen.

Vorübergehende Festnahme

Nakoula wurde am Samstag kurz von der US-Justiz vernommen. Ein Polizeisprecher sagte der Nachrichtenagentur AFP später, der 55- Jährige sei zu möglichen Verstössen gegen seine Bewährungsauflagen vernommen worden. Nakoula war 2010 wegen Bankenbetrugs verurteilt worden und darf fünf Jahre lang weder Computer noch das Internet benutzen.

Neben Nakoula soll auch die Organisation Media for Christ an der Produktion des Films beteiligt gewesen sein. Der Gruppe gehören islamfeindliche evangelikale Christen wie der Pastor Terry Jones in Florida an, der wegen der Verbrennung des Korans zu Bekanntheit gelangt war.

Nach Angaben des Klatsch-Magazins «Gawker» wurde der Film von dem 65-jährigen Regisseur Alan Roberts gedreht, der bisher vor allem Porno- und Actionfilme machte.

Nach Darstellung von Schauspielern des Low-Budget-Films, die «Gawker» interviewte, wussten sie nicht, dass der Streifen das Leben des Propheten Mohammed thematisiert. Demnach wurde der Film nach dem Dreh neu synchronisiert.

Radikale Christen

Laut Medienberichten arbeiteten neben Nakoula und Roberts auch die beiden radikalen Christen Steve Klein und Joseph Nassralla, der einer christlichen Hilfsorganisation in Duarte vorsteht, an dem Film mit.

Die «Los Angeles Times» berichtete am Sonntag, Nakoula, Klein und Nassralla seien alle von dem aus Ägypten stammenden koptischen Prediger Zakaria Botros Henein beeinflusst, der für seine Hetze gegen den Islam bekannt sei.

Demnach predigt Botros, dass der Prophet Mohammed ein Homosexueller und Kinderschänder gewesen sei. Alle drei Männer äusserten sich laut dem Bericht lobend über den Prediger, der im Süden Kaliforniens lebt.

Botros war am Sonntag zunächst nicht erreichbar, doch auf seinem Fernsehsender Alfady verteidigte er den Film. Laut der «Los Angeles Times» wurde Botros in Ägypten wegen der versuchten Missionierung von Muslimen mehrfach inhaftiert und schliesslich ins Exil gezwungen. Demnach lebte er zunächst in Australien, bevor er Anfang der 2000er nach Kalifornien kam.

Meinungsfreiheit

Auch wenn sich der Hintergrund des Films langsam klärt, bleibt es ein Rätsel, warum der Film erst Monate, nachdem er ins Netz gestellt wurde, für Proteste sorgte. Seit ihrem Beginn wurden in Libyen, Tunesien, dem Jemen, dem Sudan und anderen Ländern mindestens 15 Menschen getötet, darunter der US-Botschafter in Libyen und drei seiner Mitarbeiter.

Die US-Regierung hat den Film verurteilt, doch jedes Vorgehen dagegen ausgeschlossen. Laut der US-Verfassung fällt auch beleidigende Kritik unter Meinungsfreiheit.

(sda)