Fall Kampusch

29. Juni 2012 19:32; Akt: 02.07.2012 10:47 Print

«Es geht nicht darum, Recht zu haben»

von Felix Burch - Er wehrte sich dagegen, dass die Akte Kampusch geschlossen wurde. Nun hat Johann Rzeszut, Ex-Präsident des Obersten Gerichtshofs in Wien, einen Erfolg erzielt. Euphorie kommt aber nicht auf.

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20 Minuten. Herr Rzeszut, was bedeutet der Entscheid des Unterausschusses?
Johann Rzeszut: Weil ich bei der Justizministerin mit meinen Anliegen (siehe Box) nicht weiter kam, gelangte ich mit meinen Schreiben ans Parlament. Dass der Ausschuss, der meines Schreibens wegen gebildet wurde - was meiner Meinung nach erstmalig geschah in Österreich - nun zum Schluss kommt, im Fall Kampusch sei nicht alles so gelaufen, wie es hätte laufen müssen, ist in einer gewissen Weise beruhigend.

Wie meinen Sie das genau?
Für mich ist der Bericht des Ausschusses eine Bestätigung, dass meine Anregung nicht grundlos war, dass es Anlass dazu gibt, die Causa Kampusch zu hinterfragen. Dabei geht es mir nicht darum, Recht haben zu wollen, auch ist es nicht so, dass ich das Ermittlungsresultat im Fall Kampusch nicht akzeptieren könnte.

Worum geht es ihnen denn?
Der Fall Kampusch hat aufgezeigt, dass in Österreich im Justizministerium, in Teilen der Staatsanwaltschaft, alarmierende Zustände herrschen. Es wurde nicht nachvollziehbar ermittelt, es gibt Seilschaften bis weit hinauf. Der Ausschuss kam zum Schluss, dass von aussen beeinflusst wurde, vieles im Fall nicht nachvollziehbar ist. So ist es zum Beispiel absolut unverständlich, dass der Tatzeugin Ischtar A., die immer sagte, sie habe bei Kampuschs Entführung mehr als nur einen Mann gesehen, kein Glaube geschenkt, der Mehrtäter-Theorie nie ernsthaft nachgegangen wurde. Auch wurde Priklopils Freund Ernst H. nicht von der Justiz vernommen. Dass der Ausschuss nun reagiert und gewisse atypischen Abläufe erkannt hat, ist aus staatsbürgerlicher Sicht positiv. Die letzte Kontrollmöglichkeit hat gegriffen.

Was bedeutet der Teilerfolg für Sie persönlich?
Für Gefühlsausbrüche gibt es keinen Platz. Mir ging es stets darum, auf gewisse Missstände hinzuweisen.

Wie geht es nun weiter?
Der Ball liegt beim Innenministerium. Zuerst dürften jetzt durch externe Kompetenzen wie FBI oder BKA zusätzliche Meinungen eingeholt werden. Danach gibt es einen weiteren Bericht des Innenministeriums und dieser ist dann die Grundlage für eine allfällige Empfehlung an das Justizministerium zur Wiederaufnahme der Ermittlungen in der Causa Kampusch. Ermittlungsansätze gäbe es genügend.

Wird Ernst H., für den die Unschuldsvermutung gilt, dann justiziell vernommen?
Das ist schwierig zu sagen. Je nachdem, was die externen Experten empfehlen, besteht eine Chance. Es gibt Hoffnung. Das Wichtigste aber ist, dass der österreichischen Öffentlichkeit aufgezeigt wurde, was für Zustände in gewissen Bereichen herrschen und dass das in Zukunft nicht mehr so sein soll. Die Österreicher müssen sich darauf verlassen können, dass immer im Sinne der Sache ermittelt wird. Der Bericht des Ausschusses hat ein bewusstseinbildes Zeichen gesetzt.

20 Minuten Online veröffentlichte Anfang Jahr eine Serie zum Fall Kampusch und publizierte bisher unveröffentlichtes Material. Es wurden Widersprüche, Fehler und Vertuschungen aufgezeigt. Pannen, die offenbar auch der Untersuchungsausschuss für unhaltbar hielt.


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Die neusten Leser-Kommentare

  • Fischer Andrea am 30.06.2012 23:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Waren wir dabei?

    Wir alle! Waren Gott sei dank nicht dabei! Wie also kann man "Menschenkenner" sein? Wie kann jemand behaupten dies und das muss Natascha erlebt oder nicht erlebt haben?! Bitte, lasst die Behörden ihre Arbeit machen! Und hoffentlich kann der Fall dann abgeschlossen werden. Ändern wird sich das Erlebte für Natascha und all die anderen gepeinigten Kinder nicht. Wir können unsere Augen und Ohren offen halten, das es in unserer Umgebung so etwas nicht gibt!

  • Peter2106 am 30.06.2012 12:14 Report Diesen Beitrag melden

    Es geht nur ums Geld.

    Leute, hier geht es doch nur um das Eine: Geld! Der fall ist durch das Buch von Frau Kampusch so interessant geworden, dass sich die Meute auf das Wild stürzt, lies, die sensationsgeilheit des Menschen wird hier voll und ganz ausgenutzt. Profitieren tun damit Viele, angefangen bei Frau K. selbst.

  • Phibu Bungi am 30.06.2012 10:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sherlock Holmes

    Wo ist Detektiv Conan wenn man ihn mal braucht ?

  • daniel duthaler am 30.06.2012 10:28 Report Diesen Beitrag melden

    Wer *A* sagt muss auch *B* sagen

    NK hat die Öffentlichkeit gesucht und jetzt wo es unangenehme Fragen oder Unstimmigkeiten gibt, will sie die Öffentlichkeit nicht mehr - hmm... da ist doch was faul. Sie hat sicher schlimmes durchgemacht, doch es ist ja auch bekannt, dass Opfer sich zu Tätern hingezogen fühlen können...

  • S.Z am 30.06.2012 08:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Opfer

    Ich habe ihr buch gelesen, ich denke nicht dass sie ein täter war, sondern opfer, ich denke auch dass sie etwas verschweigt, aber ich denke sie tut es um sich selbst zu schützen!!! Ich glaube diese frau weiss unglaublich viel, ich könnte mir sogar vorstellen, dass sie zum schweigen verdonnert wurde.. Wer weiss ob sie erpresst wird/wurde oder gekauft ist... Dazu glaube ich dass nicht nur die österreicher so sind, sondern die ganze welt ist käuflich, die frage ist nur zu welchem preis...