Besuch in Bamako

02. Februar 2013 23:10; Akt: 02.02.2013 23:17 Print

Hollande will Maliern Racheakte ausredenHollande will Maliern Racheakte ausreden

François Hollande hat sich in einer kurzen Rede an die malische Bevölkerung gewandt. Er versprach Hilfe und bat, Plünderungen und Gewalakte zu unterlassen.

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Am 2. Februar 2013 besucht der französische Staatspräsident François Hollande Mali. Junge Männer feiern mit dem Trikolore-Flaggen am 29. Januar 2013 in der Nähe der Stadt Gao die Intervention der französischen Truppen. Viele Malier glauben, dass es ohne ein Eingreifen Frankreichs zu einem Bürgerkrieg zwischen den Bevölkerungsgruppen im Norden und Süden gekommen wäre. Auf den Strassen von Ansongo, südlich der Stadt Gao gelgen, bedanken sich die Menschen für die «Befreiung». Besonders Frankreichs Präsident Hollande erntet Lob und für sein beherztes Eingreifen. Die französische Flagge ist omnipräsent, doch gibt es im Land auch kritische Stimmen über den Militäreinsatz Frankreichs. Intellektuelle und Akademiker im Lande glauben, dass es Frankreich nicht bloss um humanitäre Hilfe und solidarischen Beistand geht. Sie vermuten, dass Frankreich wegen den hohen Vorkomnissen von Rohstoffen auch strategische Interessen in Westafrika verfolgt. Französische Truppen haben am 28. Januar 2013 den Flughafen von Timbuktu unter ihre Kontrolle gebracht. Ein junges Kind rennt in der Wüsten-Stadt Gao über eine Strasse. Neben Timbuktu eine der grossen Städte im Norden des Landes, die unter starken Einfluss der islamistischen Kämpfer gelangt sind. Die französisch-malischen Truppen stehen am 25.1.2013 vor den Toren Timbuktus. Die Islamisten hatten zuvor versucht, die Soldaten mit der Sprengung von Brücken aufzuhalten. Am Sonntag, 20. Januar erzielten die französischen Einsatzkräfte einen Etappenerfolg. Nach einer Serie von Luftangriffen auf Diabaly haben sich die Islamisten nach Militärangaben aus der strategisch wichtigen Ortschaft im Zentrum des Landes zurückgezogen. Französische Truppen patrouillieren in der Stadt Niono, 400 Kilometer nördlich der Hauptstadt Bamako. Mehrere Rebellen-Gruppen haben seit März 2012 die Kontrolle über den Norden Malis übernommen. Die säkulare («Nationale Bewegung für die Befreiung des Azawad») ist eine Tuareg-Gruppe. Sie kämpft seit Jahren für Autonomie im Norden des Landes und einen eigenständigen Staat Azawad in der Region. Die islamistische Tuareg-Gruppe kämpfte gemeinsam mit den Rebellen der MNLA. Die «Unterstützer des Glaubens» kontrollieren gemeinsam mit anderen Islamisten mittlerweile alle wichtigen Städte im Norden. Nach Schätzungen verfügt die Gruppe über rund 1000 Kämpfer. Der Anführer der Islamisten (Ansar Dine), Iyad Ag Ghaly. Daneben spielt auch die eine immer wichtigere Rolle. Die Terrororganisation hat etwa 450 Kämpfer in Mali, nach Einschätzung aus Sicherheitskreisen hat sie von der MNLA die Rolle als Wortführer in Nordmali übernommen. Bis zum Putsch im März 2012 war Amadou Toumani Touré (Bild) Präsident von Mali. Die Eroberung der Stadt am Donnerstag durch die Rebellen veranlasste Frankreich zum Handeln. Angesichts des Vormarsches der Islamisten haben französische Soldaten aktiv in die Kämpfe in dem westafrikanischen Land eingegriffen. Die Soldaten leisteten «Unterstützung für die malischen Truppen, um gegen diese terroristischen Elemente zu kämpfen», sagte Präsident François Hollande am 11. Januar 2013 in Paris. Malis Interimspräsident Dioncounda Traoré erklärte in einer Botschaft an die Nation, die Islamisten hätten die Regierung zum Krieg gezwungen. Die Armee werde nun «erdrückende und massive Vergeltung» üben. Die Situation an der Front sei im wesentlichen «unter Kontrolle», versicherte Traoré. Traoré hat den Notstand ausgerufen. Die Frauen haben genug vom Krieg und demonstrieren am 10. Januar 2013 in der Hauptstadt Bamako. UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon sagte am 11. Januar 2013 in New York, die Unterstützung der malischen Armee durch Frankreich und afrikanische Staaten sei «sehr, sehr wichtig» für das Land. Der UNO-Sicherheitsrat hatte im Dezember eine UN-Mission in Mali gutgeheissen. Der französische Militäreinsatz gegen Islamisten in Nordmali erfährt immer grösseren internationalen Rückhalt. Am Sonntag^, dem 13. Januar, weiteten die französischen Streitkräfte ihren Militäreinsatz auf die Bezirkshauptstadt Goa aus. Kampfjets hätten den Flughafen sowie von den Aufständischen genutzte Ausbildungszentren, Lagerhäuser und Gebäude in der Nähe der Ortschaft unter Beschuss genommen und zerstört, hiess es aus dem Verteidigungsministerium. Genaue Opferzahlen der Kämpfe waren zunächst nicht bekannt. Frankreich setzte seine Luftangriffe derweil unvermindert fort. Muslime in London haben gegen den Militäreinsatz der Franzosen in Mali protestiert. In Mali selber begrüssen viele die Intervention Frankreichs.

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Der französische Präsident François Hollande hat die Menschen in Mali ermahnt, nach der Vertreibung der Islamisten aus den Städten auf Racheakte zu verzichten. «Kein Leiden kann die Plünderungen oder die Gewalttaten entschuldigen», sagte Hollande am Samstagabend in einer Ansprache vor rund tausend Menschen in Malis Hauptstadt Bamako. «Die Terroristen müssen unter Respektierung der Menschenrechte gejagt werden», forderte der Staatschef in seiner 15-minütigen Ansprache vor den jubelnden Menschen auf dem Unabhängigkeitsplatz.

Hollande sagte, der Kampf gegen die Islamisten sei noch nicht zu Ende. «Der Terrorismus wurde zurückgeschlagen, gejagt, aber er wurde noch nicht besiegt.» Die frühere Kolonialmacht werde so lange in Mali bleiben, bis die Afrikaner die Aufgaben der französischen Soldaten übernehmen könnten. «Frankreich wird so lange wie nötig bei euch bleiben.»

Racheakte der Armee

Auch der malische Übergangspräsident Dioncounda Traoré hatte zuvor gemahnt, keine Racheakte an mutmasslichen Islamisten zu verüben. «Keine Exzesse», sagte Traoré, der vor Hollande zu der Menge sprach. «Seid das, was ihr immer wart: ein zivilisiertes Volk».

Menschenrechtsorganisationen hatten vor Hollandes Besuch Gewalttaten an Zivilisten angeprangert, die mit den Islamisten in Verbindung gebracht werden. Auch aus Gao und Timbuktu, das der französische Präsident am Vormittag besuchte, wurden solche Übergriffe gemeldet. In einigen Fällen waren malische Soldaten laut Augenzeugen die Täter.

(dapd)