Raketen auf Israel

21. November 2012 23:35; Akt: 22.11.2012 09:08 Print

«Angst, dass die Raketen unser Haus treffen»

von Janko Skorup - Der 33-jährige Zürcher Gal Buki lebt mit seiner Familie nur 40 Kilometer östlich des Gaza-Streifens, wo Raketen-Beschuss Alltag ist. Im Interview spricht er über die bangen Minuten.

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Gal Buki, Sie lebten mit Ihrer Frau Anya und ihrem Sohn in Beersheba nahe dem Gaza-Streifen. Wie haben Sie die Raketenbeschüsse erlebt?
Gal Buki:
Seit 2008 sind wir uns zwar regelmässige Beschüsse gewohnt, aber so schlimm war es noch nie. Während drei Tagen konnten wir unser Haus nicht verlassen. Eine Hamas-Rakete schlug in unmittelbarer Nähe ein. Wir hörten auch immer die Explosionen. Oft waren es ganze Salven von Raketen. Beinahe alle zehn Minuten gab es einen Raketenalarm – wir hatten dann eine Minute Zeit, um in unseren Schutzraum zu flüchten.

Hatten Sie Angst?
Klar, es war schrecklich. Wir hatten Angst, dass die Raketen unsere Wohnung treffen könnten. Und auch wenn wir im Schutzraum waren, waren wir nie sicher, ob die Metallplatten im Fenster einen Einschlag überstehen. Oder wenn wir dann doch einmal raus mussten, um Lebensmittel einzukaufen, fürchteten wir um unser Leben. Das Alarmsystem könnte ja auch ausfallen. Das gibt einem das Gefühl, russisches Roulette zu spielen.

Wie war die Stimmung in der Stadt?
Es war gespenstisch. Niemand ging mehr zur Arbeit, die Büros waren geschlossen – eine Geisterstadt. Nur einige Lebensmittelläden hatten noch geöffnet. Es war kein normales Leben mehr. Wer konnte, ist geflüchtet. Einige Bewohner wurden auch in die Armee eingezogen – so auch unser Nachbar, der seine Frau und drei Kinder zurücklassen musste.

Sie haben einen zweijährigen Sohn. Wie erlebte er die Angriffe?
Anfangs sagten wir ihm noch, bei den Sirenen handle es sich um Feuerwehrautos. Doch nach drei Tagen «Hausarrest» hatten wir Angst um Ron. Angst, dass er ein Trauma erleiden könnte. Da entschieden wir zu flüchten.

Wohin flüchteten Sie?
Wir packten das Nötigste – Kleider, Laptop und einige Spiele für Ron – ins Auto. Als wir losfuhren, gab es im Dorf nochmals einen Raketenalarm, weshalb wir uns mitten auf der Kreuzung zwischen den Autos auf den Boden legen mussten. Als wir das überstanden hatten, fuhren wir nach Tel Aviv zu Verwandten. Dort wurde es uns aber zu eng und nun haben wir in Tiberias, 200 Kilometer nördlich von Beersheba, bei anderen Verwandten Unterschlupf gefunden.

Fühlen Sie sich jetzt sicherer?
Momentan fühlen wir uns relativ sicher, der Krisenherd ist jetzt weit weg. Das Wichtigste für uns ist, dass unser kleiner Sohn in Sicherheit ist. Mehr wollen wir nicht. Sollte es auch hier gefährlich werden, fliehen wir in die Schweiz.

Was erhoffen Sie sich für die Zukunft der Region?
Mein Wunsch ist, dass die Hamas einen ersten Schritt unternimmt und die Raketenangriffe stoppt sowie Israel öffentlich und offiziell anerkennt. Dann kann es zu Gesprächen, einem Abbau der Blockaden von Seiten der Israeli und hoffentlich zu Frieden kommen.