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Neuer Krieg droht
14. November 2012 15:57; Akt: 14.11.2012 23:23 Print
Israel bombardiert Gaza
Die gezielte Tötung des Hamas-Militärchefs ist der Start einer neuen israelischen Offensive in Gaza. Man habe damit das «Tor zur Hölle» aufgestossen, so die Hamas.
Im Gazastreifen droht ein neuer Krieg. Zum Auftakt einer neuen Offensive namens «Säule der Verteidigung» tötete die israelische Luftwaffe gezielt den Militärchef der radikal-islamischen Hamas, Ahmed al-Dschabari, und seinen Assistenten. Die Hamas erklärte, mit der Tötung von Ahmed al-Dschabari habe der jüdische Staat das «Tor zur Hölle» aufgestossen.
Infografik Der Nahostkonflikt Gewalt in Nahost belastet US-BörseDie Schuldenkrisen in den USA und Europa sowie Sorgen vor einem Krieg im Nahen Osten haben die Wall Street am Mittwoch tief in die roten Zahlen gedrückt. Auch schwache Konjunkturdaten belasteten den Handel. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte verlor 1,5 Prozent auf knapp 12'571 Punkte. Der breiter gefasste S&P-500 gab 1,4 Prozent auf 1355 Zähler nach. Der Index der Technologiebörse Nasdaq fiel um 1,3 Prozent auf 2846 Stellen. (SDA)
Bei mehr als 20 Luftangriffen starben weitere sieben militante Palästinenser in dem Gebiet am Mittelmeer. 50 Menschen wurden zum Teil schwer verletzt.
Dschabari war in seinem Auto unterwegs, als eine Rakete ihn und seine Begleiter tötete. Nach palästinensischen Angaben kamen neun Menschen ums Leben, darunter ein siebenjähriges Mädchen. Israels Inlandgeheimdienst bestätigte den Angriff und rechtfertigte ihn mit «jahrzehntelangen terroristischen Aktivitäten».
Dschabari ist der ranghöchste Hamas-Funktionär, den Israel seit seiner Invasion des Gazastreifens vor vier Jahren gezielt getötet hat. Sein Name stand weit oben auf der Liste der Sicherheitsbehörden in Israel, die ihm eine ganze Reihe von Anschlägen vorwerfen.
Rache geschworen
Die Antwort liess nicht auf sich warten: Militante Palästinenser schworen Rache und feuerten israelischen Medienberichten Dutzende Raketen Richtung Israel ab. Dort suchten Hunderttausende Menschen Zuflucht in Schutzräumen. Autos in Beerscheva gingen in Flammen auf, mehrere Gebäude wurden getroffen.
Der militärische Hamas-Arm im Gazastreifen nannte die Tötung von Al-Dschabari eine «Kriegserklärung» und kündigte massive Rache an. Die israelischen Streitkräfte teilten mit, Bodentruppen stünden auch für einen Einmarsch bereit, sollte der Befehl gegeben werden.
Die israelische Armee bezeichnete Al-Dschabari als «Terroristen Nummer eins» im Gazastreifen. Er sei auch an der Entführung des vor gut einem Jahr freigelassenen israelischen Soldaten Gilad Schalit in den Gazastreifen beteiligt gewesen.
Bans Appell
Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu warnte vor einer längeren Offensive: «Sie wird nicht schnell beendet werden.» Ägypten berief aus Protest gegen Israels Angriffe seinen Botschafter aus Tel Aviv zurück.
Zudem werde Israels Botschafter einbestellt werden. Kairo werde auch eine Dringlichkeitssitzung des UNO-Sicherheitsrates beantragen, teilte Präsidentensprecher Jasser Ali im Fernsehen mit.
UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon rief Israelis und Palästinenser dringend zu Zurückhaltung auf. Er forderte eine sofortige Deeskalation, sagte sein Sprecher in New York und verwies auf eine Erklärung vom Montag.
Darin hatte Ban ein sofortiges Ende der palästinensischen Raketenangriffe verlangt und Israel zu höchstmöglicher Zurückhaltung bei Gegenmassnahmen aufgerufen.
Israel zerstören
Die radikal-islamische Hamas wurde 1987 gegründet. Die Palästinenser-Organisation herrscht seit 2007 im Gazastreifen. Sie fordert in ihrer Charta die Zerstörung des Staates Israel und die gewaltsame Errichtung eines islamischen Staates Palästina vom Jordan bis zum Mittelmeer.
Der militärische Arm der Hamas, die Kassam-Brigaden, verübte Dutzende tödliche Anschläge auf Israelis. Die Hamas wird mit ihren Milizen von der UNO als terroristische Vereinigung eingestuft. Nach Schätzungen gehören ihr bis zu 40'000 Kämpfer an.
Die Hamas änderte nach 2007 ihre Strategie und zeigte Bereitschaft zu einer langfristigen Waffenruhe mit Israel. Bis zu einer solchen Vereinbarung setzt die auch im Sozialbereich engagierte Organisation weiter auf den bewaffneten Widerstand, wie sie ihre Angriffe auf Israels bezeichnet.
Fatah im Westjordanland
Bei der Parlamentswahl 2006 hatte die Fatah-Organisation des Palästinenserpräsidenten Mahmud Abbas, die grösste Fraktion innerhalb der Palästinensischen Befreiungsorganisation PLO, ihre Mehrheit an die Hamas verloren. Das führte zur Spaltung der Autonomiegebiete.
Die Fatah kontrolliert seitdem nur noch das Westjordanland. Nach langer Feindschaft wurde im Februar 2012 eine gemeinsame Regierung der beiden rivalisierenden Gruppen vereinbart. Vereinbarte Wahlen fanden bislang aber nicht statt.
(sda)

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