Ihre Story, Ihre Informationen, Ihr Hinweis?
feedback@20minuten.ch 
Während Besuch Kandils
16. November 2012 04:17; Akt: 16.11.2012 11:01 Print
Hamas bricht Waffenruhe - Israel schiesst zurück
Die israelische Offensive gegen den Gazastreifen sollte während des Besuchs des ägyptischen Premiers für drei Stunden unterbrochen werden. Doch der gegenseitige Beschuss geht weiter.
Ägyptens Ministerpräsident Hischam Kandil ist am Freitag in den Gazastreifen gereist, um Druck auf Israel auszuüben. Trotz einer vorübergehend vereinbarten Waffenruhe während des Besuches feuerten radikale Palästinenser Raketen auf den Süden Israels ab. Israel antwortete mit einem Angriff aus der Luft.
«Die Hamas respektiert nicht den Besuch des ägyptischen Ministerpräsidenten im Gazastreifen und verletzt die vorübergehende Feuerpause, in die Israel vor dem Besuch eingewilligt hat», erklärte am Freitag ein Sprecher von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu über den Kurznachrichtendienst Twitter.
Bei dem jüngsten israelischen Bombenangriff auf eine Gruppe von Zivilisten in der Region Nasila seien zwei Palästinenser getötet worden, hiess es am Freitagmorgen aus palästinensischen Sicherheitskreisen und von Medizinern. Israel sprach von einem Angriff auf das Haus eines Hamas-Kommandanten.
Kandil im Gazastreifen
Inmitten der eskalierenden Gewalt war der ägyptische Ministerpräsident Hischam Kandil zuvor im Gazastreifen eingetroffen.
Während einer gemeinsamen Medienkonferenz mit Ismail Hanija, dem Regierungschef der radikal-islamischen Hamas-Bewegung, sagte er, Ägypten stehe unverbrüchlich auf der Seite der Palästinenser. Die Opfer der israelischen Angriffe bezeichnete er als «Märtyrer».
Hanija lobte die neue Politik des «revolutionären Ägyptens». Er sprach von einem «historischen Besuch» und forderte die anderen arabischen Führer auf, dem Beispiel der Ägypter zu folgen. «So Gott will, werden wir siegen», fügte er hinzu.
Während des etwa dreistündigen Aufenthalts der ägyptischen Delegation wollte die israelische Armee ihre Angriffe auf den Gazastreifen unterbrechen unter der Bedingung, dass auch die Hamas ihren Raketenbeschuss auf Israel stoppt.
Reservisten mobilisiert
Unterdessen hat die Armee damit begonnen, 16'000 Reservisten zu mobilisieren. «Die Aktion ist im Gang», bestätigt eine Sprecherin der Armee laut der Nachrichtenagentur AFP.
Die Rekrutierung der Reservisten sei Teil des Einsatzes «Pfeiler der Verteidigung», mit dem Israel seit Mittwoch gegen den Gazastreifen vorgeht. Israel schliesst dabei auch den Einsatz von Bodentruppen nicht aus. Am Donnerstag hatte Israels Regierung den Weg für die Einberufung von bis zu 30'000 Reservisten freigemacht.
Gebäude des Innenministeriums zerstört
Die Gewalt zwischen Israel und radikalen Palästinensern hat auch in der Nacht zum Freitag und am Morgen angehalten. Die israelische Luftwaffe flog nach eigenen Angaben seit Mittwochnachmittag 466 Luftangriffe auf den Gazastreifen. In der Nacht auf Freitag wurde dabei ein Gebäude des Innenministeriums der radikalislamischen Hamas zerstört.
Im selben Zeitraum hätten militante Palästinenser rund 280 Raketen auf israelisches Gebiet abgefeuert, von denen 131 abgefangen worden seien.
Noch kein Entscheid gefallen
Am späten Donnerstagabend transportierten mindestens zwölf Tieflader Panzer und gepanzerte Truppentransporter ins Grenzgebiet. Zahlreiche Soldaten wurden mit Bussen in die Region gebracht. Israelische Fernsehsender meldeten, die Invasion sei für den heutigen Freitag geplant. Die Streitkräfte dementierten die Berichte und erklärten, bislang sei noch keine Entscheidung über einen Einmarsch in den Gazastreifen gefallen.
Die radikalislamische Hamas kündigte unterdessen an, Raketen vom Typ Fadschr 5 aus iranischer Produktion auf Israel abzufeuern. Die Geschosse verfügen über eine Reichweite von 75 Kilometern und könnten somit die Metropole Tel Aviv treffen.
Dort musste am Donnerstag auch das Verteidigungsministerium evakuiert werden, als innerhalb und ausserhalb des Gebäudes die Alarmsirenen losgingen. Zu dieser Zeit hat sich gemäss cnn.com Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu in dem Gebäude aufgehalten. Die Angestellten konnten zurück in ihre Büros, nachdem der Alarm aufgehört hatte. In der Entfernung sei eine Explosion zu hören gewesen. Raketen aus Gaza erreichten die Gegend südlich der Wirtschaftsmetropole Tel Aviv, richteten aber keinen Schaden an.
Medizinische Versorgung wird ein Problem
Die israelischen Sicherheitskräfte gehen davon aus, dass die Hamas seit der bislang letzten Bodenoffensive im Gazastreifen vor vier Jahren massiv aufgerüstet hat und über etwa 12'000 Raketen verfügt. «Innerhalb von vier Jahren sind wir stärker geworden, wir verfügen über eine Strategie und haben uns mit allen militanten Kräften im Gazastreifen zusammengetan», sagte Hamas-Sprecher Fausi Barhum.
Bislang kamen bei den Kämpfen 19 Palästinenser und drei Israelis ums Leben. Am Donnerstag wurde in der südisraelischen Ortschaft Kirjat Malachi ein vierstöckiges Gebäude von einer palästinensischen Rakete getroffen. Dabei wurden zwei Männer und eine schwangere Frau getötet sowie drei Kinder verletzt. Daneben forderte die Operation «Säulen der Verteidigung» bisher auch mindestens 200 Verletzte.
Gemäss einem Bericht des Senders Al-Jazeera sind viele Kinder unter den Verwundeten, die in den Spitälern in Gaza versorgt werden. Ein Mädchen, das von Granatsplittern getroffen wurde, verlor mehrere Finger einer Hand. Die Ärzte und Pflegepersonen in den Krankenhäusern arbeiten seit Mittwoch durch, und wenn der Beschuss noch lange anhält, werden sie ihren Job nicht mehr machen können.
Mursi in schwieriger Situation
Inmitten der zunehmenden Spannung bezog Ägypten eindeutig Position. Präsident Mohammed Mursi hatte angekündigt, er werde sich darum bemühen, die israelische Offensive gegen die Hamas zu stoppen. Er sprach dabei von einer inakzeptablen Aktion Israels. Mursi beorderte Ministerpräsident Hescham Kandil in den Gazastreifen. Er sollte dort am Freitag der radikalen Palästinenserorganisation Hamas die Unterstützung Ägyptens bekunden.
Anderseits hat Ägypten einen Friedensvertrag mit Israel. Zu Zeiten der Diktatoren in Kairo war dessen Einhaltung kein grosses Problem, da die Meinung der Bevölkerung in deren Augen unwichtig war, doch nach dem arabischen Frühling ist Ägypten zur grossen Unbekannten auf dem Dauerkampfplatz Nahost geworden, wie der BBC-Korrespondent Kevin Connolly schreibt.
In den USA haben etliche Senatoren eine Resolution unterschrieben, in der Israel das Recht zugestanden wird, sich mit allen Mitteln zu verteidigen. Anders als in der Stellungnahme des Weissen Hauses wird darin kein Bedauern über die Opfer auf palästinensischer Seite geäussert. Und die Vereinigung jüdischer Verbände in Nordamerika (JFNA) hat angesichts der Gaza-Krise einen neuen Fonds über fünf Millionen Dollar zur Unterstützung der Bevölkerung in Israel und speziell im Süden des Landes eingerichtet.
(bem/jam/sda/dapd)

Die Printausgabe von 20 Minuten gibts jetzt auch als ePaper.
Die 20 Minuten App Familie
Thank god it's Friday!
DIE Nightlife-Website für Partyverrückte aus aller Welt















