Sex. Macht, Moral

16. November 2012 08:56; Akt: 16.11.2012 11:00 Print

«Vergewaltigungs-Epidemie» im US-Militär

Ausgelöst durch den Fall Petraeus wird einer der grössten Sex-Skandale in der Geschichte des US-Militärs wieder untersucht. Im Zentrum steht der Luftwaffenstützpunkt Lackland in Texas.

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Gen. Edward Rice Jr. and Maj. Gen. Margaret Woodward bei einer Medienkonferenz am 14. November 2012 bezüglich des Lackland-Skandal. (Bild: Keystone)

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Am vergangenen Mittwoch, mitten in den Wirren des Petraeus-Skandals, ging eine an sich brisante Nachricht etwas unter. Die US-Luftwaffe hat angesichts eines mutmasslichen Sexskandals in den eigenen Reihen ihr Auswahlverfahren für Ausbilder junger Rekruten geändert. Der Schritt sei eine Reaktion auf Berichte Dutzender Frauen, die nach eigenen Angaben sexuell belästigt oder vergewaltigt wurden, teilte die Air Force mit.

Einer Untersuchung zufolge sollen mindestens 25 Ausbilder am Luftwaffenstützpunkt Lackland im US-Staat Texas unangemessene oder erzwungene sexuelle Beziehungen zu 48 Rekrutinnen unterhalten haben. Fünf Personen wurden vor Militärgerichten bereits des Ehebruchs oder der Vergewaltigung für schuldig befunden. Zwei Kommandanten wurden versetzt und sechs müssen sich «disziplinarischen Massnahmen» unterziehen.

Vergewaltigungs-Epidemie

Weitere Anklagen könnten folgen. Das grösste Versagen bestehe darin, dass schlechte Ausbilder ein schwaches Überwachungssystem ausgenutzt hätten, sagte Generalmajorin Margaret Woodward über den Fall. Das habe zu krassem Machtmissbrauch im Luftwaffenstützpunkt geführt, sagte der Air Force General Edward A. Rice Jr.

Noch vor dem Fall Petraeus kam das Pentagon wegen Lackland in die Kritik. Anwälte, Opfer und Kongressabgeordnete, die sich mit dem Fall befassten, sprechen von einer «Kultur der Straffreiheit» und einer «Epidemie von Vergewaltigungen» im Militär. Jede dritte Soldatin wurde laut «Huffington Post» sexuell belästigt, in schlimmen Fällen sogar vergewaltigt. Das Pentagon schätzt, dass 2010 im US-Militär 19'000 Übergriffe gemeldet wurden.

Der Fall Sinclair

Ein wegen der Petraeus-Affäre etwas in den Hintergrund gerückter Fall ist derjenige von Sinclair. General Jeffrey Sinclair steht im Verdacht, bei Auslandseinsätzen im Irak und in Afghanistan ihm untergebene Frauen zu sexuellen Beziehungen genötigt zu haben. Noch nie stand ein Militär von so hohem Rang vor Militärgericht. Wenn die Vorwürfe sich als wahr erweisen, droht ihm sogar eine lebenslange Gefängnisstrafe. Eine Frau sagte aus, dass Sinclair, der verheiratet ist, drohte, sie umzubringen, wenn sie deren Beziehung öffentlich mache. Von weiteren Frauen verlangte er Oben-ohne-Fotos. Sinclair wurde im Mai aus Kandahar in Afghanistan nach Fort Bragg versetzt. Er wurde allerdings nicht verhaftet und das Militär weigerte sich, mehr Details zum Fall Sinclair bekannt zu geben.

In dieser Woche war der Vier-Sterne-General William «Kip» Ward degradiert worden, weil er öffentliche Gelder für Privatreisen verwendet hatte. Der frühere Chef des Afrikakommandos der US-Streitkräfte muss zudem 82'000 Dollar an das Pentagon zurückzahlen.
Inmitten der Petraeus-Affäre hat jetzt US-Verteidigungsminister Leon Panetta eine Überprüfung der ethischen Standards für die Führungsriege der Streitkräfte angeordnet. Eine Reihe von Skandalen drohe das «Vertrauen der Öffentlichkeit in unsere Führung» zu beeinträchtigen.

Mehrheit tadellos

Dies schrieb Panetta, der sich am Donnerstag im thailändischen Bangkok befand, in einem Memo an US-Generalstabschef Martin Dempsey. Panetta lässt den Angaben zufolge unter anderem untersuchen, ob die Ausbildung von Führungskräften im US-Militär in Ethikfragen «angemessen» sei.

Bis Anfang Dezember wolle der Verteidigungsminister einen Bericht an Präsident Barack Obama übergeben. Panetta betonte allerdings, dass sich die überwiegende Mehrheit der ranghohen Offiziere tadellos verhalte.

Schon vor Petraeus-Affäre geplant

Der frühere Vier-Sterne-General und CIA-Chef David Petraeus war vergangenen Freitag wegen einer ausserehelichen Affäre mit seiner Biografin zurückgetreten. In den Skandal verwickelt wurde auch der Afghanistan-Oberbefehlshaber John Allen wegen «möglicherweise unangebrachter» E-Mails an eine andere Frau. Allen weist eine aussereheliche Beziehung vehement zurück.

Aus US-Verteidigungskreisen hiess es, dass die anstehende Überprüfung aber keine direkte Reaktion auf die Petraeus-Affäre sei. Panetta habe die Idee angesichts einer Reihe von Verfehlungen ranghoher Militärs schon länger gehabt.


Sex-Skandal Lackland (YouTube)

(kub/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Zum kotzen am 16.11.2012 20:02 Report Diesen Beitrag melden

    Ethik und Moral waren in keiner Armee

    je ein Thema. Die Schönsten Uniformen und auch goldgeschmückte Offiziere machen das pervertierte Kriegshandwerk nicht besser.

  • Ueli am 17.11.2012 12:09 Report Diesen Beitrag melden

    bitte macht

    Einen Unterschied zwischen Vergewaltigung und fremdgehen! Da ist riesiger Unterschied ob jemand zum Sex gewaltsam gezwungen wird, oder ob er/sie es aus freien stücken macht! Das ist eine Ohrfeige für alle Opfer!

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  • Eliane Widmer am 16.11.2012 12:18 Report Diesen Beitrag melden

    Das kann einfach nicht sein..

    Das kann einfach nicht sein, dass Uniformierte im US Militär soviel Macht und Einfluss auf Frauen haben - können. Oder herrscht dort absoluter Gehorsam? Das wäre ja schrecklich. Und wer überwacht die Ausbildung? Und weshalb schwiegen diese Frauen so lange? Da würde ich die nächst beste Gelegenheit nutzen, um die Vergehen bekannt zu machen, auch um damit diese Leute bloss zu stellen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Ueli am 17.11.2012 12:09 Report Diesen Beitrag melden

    bitte macht

    Einen Unterschied zwischen Vergewaltigung und fremdgehen! Da ist riesiger Unterschied ob jemand zum Sex gewaltsam gezwungen wird, oder ob er/sie es aus freien stücken macht! Das ist eine Ohrfeige für alle Opfer!

    • dina pro am 19.11.2012 01:29 Report Diesen Beitrag melden

      antwort an ueli

      stimme vollkommen zu!!!

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  • Casanova am 17.11.2012 10:50 Report Diesen Beitrag melden

    Häuchler

    Sie spielen die Weltpolizei und können nicht mal anstandsvoll mit dem weiblichen Geschlecht umgehen......

  • Zum kotzen am 16.11.2012 20:02 Report Diesen Beitrag melden

    Ethik und Moral waren in keiner Armee

    je ein Thema. Die Schönsten Uniformen und auch goldgeschmückte Offiziere machen das pervertierte Kriegshandwerk nicht besser.

  • g. bernasconi am 16.11.2012 18:59 Report Diesen Beitrag melden

    USA?

    Das ist USA Bashing: ein Land von Heiligen und Braven Patrioten. Wer etwas anderes behauptet, kennt das Land nicht....!

  • bruno am 16.11.2012 14:36 Report Diesen Beitrag melden

    Die wahre Vertuschung

    Auf der einen Seite macht man eine Riesengeschichte wegen einem Foto eines Mannes mit nacktem Oberkörper (bei uns im Sommer auf jeder Baustelle zu sehen) und vergisst ganz zu erwähnen, dass anderswo Frauen vergewaltigt wurden. Da werden die Massstäbe falsch angesetzt.