Unter General-Verdacht

13. November 2012 12:25; Akt: 13.11.2012 15:06 Print

Wer ist Jill Kelley?

Im Skandal um den Rücktritt von CIA-Chef David Petraeus rückt eine Frau immer mehr ins Zentrum: Jill Kelley. Die Partylöwin aus Florida bringt nun auch General John Allen in Bedrängnis.

Bildstrecke im Grossformat »
CIA-Direktor David Petraeus hat wegen einer ausserehelichen Affäre überraschend seinen Rücktritt erklärt. Der Grund: Seine Co-Biographin Paula Broadwell, die ihn in Afghanistan besuchte, als er noch General war. Die Beziehung war eng zwischen den beiden. Broadwell, die auch Reserveoffizierin der US-Streikräfte ist, hat detailliert Petraeus' Leben unter die Lupe genommen. «Nach über 37 Ehejahren habe ich ein extrem schlechtes Urteilsvermögen gezeigt, indem ich eine aussereheliche Beziehung unterhielt», schrieb Petraeus in einem Brief an seine Mitarbeiter. Paula Broadwell, die ebenfalls eine militärische Ausbildung genossen hatte, gab Petraeus' Biographie «All In» heraus. Ihr Buch wurde als einseitig kritisiert. In «The Daily Show» fasste Jon Stewart Broadwells Buch mit den Worten zusammen (siehe Video unten): «Ich würde sagen, die echte Kontroverse in dem Buch ist: Ist er (Petraeus) grossartig oder unglaublich grossartig?» Das ist Petraeus Ehefrau Holly. Er lernte sie in der Militärakademie kennen. Mit ihr ist er seit 37 Jahren verheiratet und hat ... ... zwei Kinder (hier auf dem Bild). Und das ist Paula Broadwells Mann, Dr. Scott Broadwell, ein Radiologe. Das Ehepaar hat zwei Söhne. Paula beschreibt sich selber als richtig «soccer mom», eine leidenschaftliche Mutter. Hier wird Petraeus - in Anwesenheit von Holly und Vizepräsident Joe Biden 2011 CIA-Direktor. Die Hände des Ehepaars Petraeus auf der Bibel. Und hier sind alle vereint, doch da ahnte Holly (wahrscheinlich) noch nichts von einer Affäre ihres Mannes mit Paula Broadwell (die zweite von rechts in der vordersten Reihe). Der Anlass war ein Hearing zu seiner CIA-Nomination im Juni 2011. Kann dieser Blick ... ... lügen? Bei der CIA gibt es keinen klaren Verhaltenskodex, der für einen solchen Fall wie eine Affäre einen Rücktritt vorsieht. So wurde in Sicherheitskreisen darauf hingewiesen, dass vergleichbare Fälle in der Vergangenheit beim Geheimdienst meist diskret im Hintergrund geklärt worden seien. Licht ins Dunkel soll nun der Kongress bringen. Neben der ausserehelichen Liasion hat der Rücktritt von Petraeus wohl auch andere Gründe: Die Umstände des Skandals beim mächtigen US-Geheimdienst liegen weitgehend im Dunkeln. Drängende Fragen stellen sich vor allem zu den Zuständen an der Spitze der CIA. US-Medienberichten zufolge kam die Affäre durch die Analyse eines Computers von Petraeus ans Licht.Demnach begann die Bundespolizei FBI mit Untersuchungen, nachdem sich eine bislang unbekannte Frau - später stellte sich heraus, dass es sich um eine Aussenministerium-Mitarbeiterin namens Jill Kelley handelt - über E-Mails der mutmasslichen Geliebten von Petraeus, Paula Broadwell, beschwert hatte. Laut «New York Times» und «Washington Post» soll Broadwell die Frau in den E-Mails beschimpft haben, weil sie diese als Bedrohung für ihre Beziehung zu Petraeus empfunden habe. Alles begann offenbar mit einem Eifersuchtsdrama. So schickte Broadwell Droh-Mails an Jill Kelley, die angeblich eine freundschaftliche Beziehung zu Petraeus unterhielt (zweite von rechts, neben Holly Petraeus stehend). Die 37-jährige Kelley ist eine Mitarbeiterin des Aussenministeriums in Florida. Kelley arbeitet als Kontaktperson zwischen dem Ministerium und einer Kommando-Einrichtung der US-Streitkräfte. Von den Mails belästigt, informierte sie das FBI. Das FBI entdeckte auch, dass sich Broadwell anscheinend im Besitz von geheimen Dokumenten befand. Die an der Untersuchung beteiligten Beamten seien aber offenbar zu dem Schluss gekommen, dass die Papiere wahrscheinlich nicht von Petraeus stammten und die Sicherheit nicht gefährdet gewesen sei. Trotzdem hat das FBI am 12.11.12 Broadwells Haus in Charlotte in North Carolina durchsucht. Die amerikanische Bundespolizei suchte nach heiklen Dossiers, die in die Hände der Ex-Geliebten Broadwell hätten gelangen können. Unterdessen wird auch gegen Afghanistan-Kommandeur John Allen ermittelt. Er soll eine nicht «angemessene Kommunikation» mit Jill Kelley unterhalten haben, die im Zentrum der Petraeus-Affäre steht. Kelley gilt als Auslöser der Petraeus-Affäre. Sie war eine enge Freundin der Familie des Ex-CIA-Chefs und soll Droh-E-Mails von dessen Ex-Geliebter Paula Broadwell erhalten haben. Der Rücktritt des CIA-Chefs am 9.11.12 hatte Washington und die Nation geschockt. Der über Parteigrenzen hinweg als Kriegsheld gefeierte Petraeus galt als ein Mann der Disziplin und Geradlinigkeit. Er war auch ein Hauptakteur der Regierung im Anti- Terror-Kampf, bei dem die CIA eine zunehmend aktive Rolle übernommen hat.

Zum Thema
Fehler gesehen?
Fehler beheben!
Senden

Die Affäre um den zurückgetretenen CIA-Chef David Petraeus zieht weitere Kreise. Wie das US-Verteidigungsministerium bekanntgab, wird wegen «unangemessener Kommunikation» gegen den US-Oberkommandierenden in Afghanistan, General John Allen, ermittelt. Es geht um Mails, die der General an Jill Kelley, eine Freundin von David Petraeus, geschickt hat. Wie früher bereits bekannt wurde, hat Kelley auch Drohmails von Petraeus' Ex-Geliebten und Biografin Paula Broadwell erhalten. Doch wer ist Jill Kelley? Ist sie Nebenbuhlerin, Vertraute, Animierdame? Laufen bei ihr alle Fäden der dubiosen Geschichte zusammen?

Jill Kelley war die Partylöwin von South Tampa, Florida. Als sie mit ihrem Ehemann Scott, einem erfolgreichen Onkologen, von Pennsylvania nach South Tampa umzog, gab sie alles, um Teil der High Society zu werden. Sie organisierte Partys, Galas und Fashionshows, deren Erlöse sie dem amerikanischen Roten Kreuz oder Tampas Kunstmuseum spendete. Jill arbeitete unentgeltlich, sie war eine sogenannte Volunteer. Doch irgendwie fasste sie dennoch nie richtig Fuss in diesen elitären Kreisen, schreibt die «Tampa Bay Times».

«Grossartige Mutter, unglaubliche Hausfrau»

Deshalb wandte sie sich der Militärszene zu. Vielleicht liessen sich dort eher gesellschaftliche Meriten abholen, vielleicht würde sie, die schöne dunkle Brünette bei wilden Marines besser ankommen als in der ehrbaren Society. Nur wenige Meilen von ihrem Zuhause befindet sich der Luftwaffenstützpunkt MacDill, auf dem das US-Zentralkommando und das Kommando der US-Spezialkräfte (Joint Special Operatios command JSOC) stationiert sind. Das JSOC ist eine mysteriöse Einheit, die geheime Aktionen gegen den Terrorismus durchführt, wie «The Daily Beast» festhält. Auf der Liste steht auch die Operation im libyschen Bengasi vom vergangenen August.

Jill wurde zur ehrenamtlichen sozialen Vertrauensperson. Die Soldaten und Offiziere gingen regelmässig bei den Kelleys ein und aus – auch David Petraeus, der damalige Führer der Einheit US Central Command in MacDill, dessen Familie bald zum engen Freundeskreis der Kelleys gehörte. «Jill war eine umwerfende Klientin», sagt Linda Baldwin im «Tampa Bay Times». Baldwin ist die Besitzerin der Catering-Firma «Events by Amore», die für das Buffet bei den Militärpartys der Kelleys verantwortlich war. «Sie machte so viel für das Militär, war eine grossartige Mutter und unglaubliche Hausfrau», so Baldwin weiter. «Sie gab alles fürs Militär.»

Auf zu grossem Fuss gelebt

Wenn man Bekannten glaubt, vergöttert Jill ihren Ehemann Scott, von dem sie oft als Dr. Kelley spricht. Die beiden haben drei Kinder. Jill wiederum hat eine Zwillingsschwester und wuchs mit zwei weiteren Geschwistern in Philadelphia auf. Ihre Eltern wanderten Mitte der 70er Jahre aus dem Libanon aus und eröffneten in Philadelphia ein orientalisches Restaurant.

Einzig ein Gerichtsfall scheint die Freuden der Kelleys 2011 etwas getrübt zu haben. Sie schuldeten der Central Bank 2,2 Millionen Dollar. In der Folge mussten sie ein Büro in der Madson Street in Tampa verkaufen. Dabei stellte sich heraus, dass dies nicht der erste Gerichtsfall der Kelleys war – sie hatten sich mit Landkäufen und Catering-Aufträgen arg ins Minus geritten. Anders gesagt: Die Kelleys lebten in Florida auf zu grossem Fuss.

30 000 Seiten Dokumente ausgetauscht

Im vergangenen Sommer erhielt die 37-jährige Partylöwin anonyme E-Mails. Jill Kelley gab die Mails an einen Freund weiter, der beim FBI arbeitet. Als Absender entpuppte sich Paula Broadwell, die Ex-Geliebte des zurückgetretenen CIA-Chefs Petraeus. Der FBI-Freund wurde von den weiteren Ermittlungen ausgeschlossen – angeblich weil er zu besessen von den Mails war, wie das «Wall Street Journal» zu berichten weiss. So habe er selber einmal Jill ein Foto von sich halbnackt geschickt.

Was genau US-General John Allen mit der Geliebten von David Petraeus verbindet, muss abgeklärt werden. Allen dementierte, dass Sex im Spiel sei. Fakt ist, dass die beiden zwischen 2010 und 2012 bis 30 000 Seiten Dokumente, hauptsächlich E-Mails ausgetauscht haben.

PR-Managerin als schlechtes Omen

Die Kelleys feierten gerade den Geburtstag ihrer Tochter, als sie die Nachricht von Petraeus’ Rücktritt erreichte. Sie haben einen Anwalt genommen und die auf Krisen spezialisierte PR-Managerin Judy Smith angeheuert. Smith war einst für Monica Lewinsky beauftragt worden. Wenn das kein schlechtes Omen ist.

(kub)