Abstimmung in Schottland

19. September 2014 07:05; Akt: 19.09.2014 13:53 Print

Endergebnis steht – 55 Prozent sagen Nein

Schottland hat sich klar gegen eine Abspaltung entschieden und bleibt damit Teil von Grossbritannien. Jetzt muss Premierminister Cameron sein Autonomie-Versprechen einlösen.

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Nach Auszählung aller Stimmbezirke in Schottland steht das Endergebnis des Referendums fest. Die Gegner einer Loslösung von Grossbritannien setzten sich mit einem deutlichen Vorsprung von mehr als zehn Prozentpunkten durch.

55,3 Prozent stimmten für den Verbleib des Landes im Vereinigten Königreich, wie die Wahlleitung am Freitag in Edinburgh mitteilte. Die Befürworter der Unabhängigkeit erzielten bei dem Referendum laut dem Endergebnis 44,7 Prozent der Stimmen.

2,0 Millionen Wähler sagten am Donnerstag «Nein» auf die Frage, ob Schottland unabhängig werden soll, 1,6 Millionen stimmten mit «Ja». Nötig waren zur Entscheidung 1,85 Millionen Stimmen.

Die Wahlbeteiligung lag mit 84,6 Prozent letztlich doch nicht ganz so hoch wie erwartet. Die Unabhängigkeitsbewegung konnte im grössten Stimmbezirk Glasgow eine Mehrheit von 53,5 Prozent gewinnen, lag aber insgesamt nur in vier von 32 Stimmbezirken vorn.

Ein Ja hätte Cameron vor Probleme gestellt

Die schottische Regionalregierung unter ihrem Chef Alex Salmond gestand ihre Niederlage ein. «Ich akzeptiere das Urteil des Volkes, dass es zu diesem Zeitpunkt keine Unabhängigkeit geben soll», sagte er am Freitagmorgen vor Anhängern. Der britische Premierminister David Cameron versprach allen Teilen Grossbritanniens mehr Autonomie. Der konservative britische Regierungschef hatte im Vorfeld erklärt, es würde ihm das Herz brechen, wenn sich die Schotten von der «erfolgreichsten Familie von Nationen», die die Welt je gesehen haben, verabschiedet hätten.

Spötter meinten, ein «Ja» hätte dem Premierminister wohl nicht nur das Herz gebrochen. Parteiintern stand Cameron am Pranger, weil er die Unabhängigkeitsbestrebungen im nördlichsten Teil seines Landes lange Zeit völlig unterschätzt hatte. Hätte Schottland mit «Ja» gestimmt, hätte vor allem der Rest Grossbritanniens vor erheblichen finanziellen und strukturellen Problemen gestanden.

USA und Europa erleichtert

Das «Nein» der Schotten zur Unabhängigkeit wird auch im Ausland gerne gehört. Damit ist Nachahmern in Europa erst einmal die Luft genommen.

Zwar war US-Präsident Barack Obama der einzige Staatsmann von Weltrang, der sich klar positionierte und sich ein «starkes und geeintes Grossbritannien» auf der Weltbühne wünschte.

Doch gilt es als gesichert, dass auch in Europa viele Regierungen ein schottisches «Nein» bevorzugen. Für die EU wurden Nachahmereffekte etwa in Spanien und Belgien, aber auch im italienischen Südtirol befürchtet. Sogar das Schreckgespenst eines Auseinanderbrechens der EU malten einige an die Wand.

Veränderungen nötig

Grossbritannien wird sich nach der Entscheidung in Schottland dennoch verändern. Immerhin 1,6 Mio. Schotten wollten sich aus der Gemeinschaft verabschieden. Cameron und die Chefs der anderen grossen Westminster-Parteien versprachen den bereits teilautonomen Schotten im Falle eines «Neins» zur Unabhängigkeit noch mehr Selbstbestimmung.

Dieser «Schwur» rief sofort Proteste in anderen Landesteilen herauf. Der Ministerpräsident von Wales wollte noch am Freitag in einer Pressekonferenz seinen Forderungskatalog vorstellen.

Druck kriegt Cameron auch aus der eigenen Fraktion. Die Abgeordneten in den vernachlässigten Regionen ausserhalb Londons, die sich im Mai zur Wiederwahl stellen, wollen auch ihren Wählern etwas anbieten können. Die Diskussionen begannen am Freitag schon, als die Ergebnisse noch nicht einmal richtig feststanden.

Die Details zum Referendum lesen Sie im Ticker

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(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • yoda am 18.09.2014 09:39 Report Diesen Beitrag melden

    Aye!

    Endlich wieder Souveräne Staaten in Europa!

  • Malcolm Meadowcroft am 18.09.2014 10:40 Report Diesen Beitrag melden

    Auch die EU wird sich auflösen

    Freiheit für Schottland.

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  • M. Meier am 18.09.2014 09:17 Report Diesen Beitrag melden

    Flagge

    Musste im Falle einer Abspaltung nicht auch das restliche Grossbritannien seine Union Jack ändern? Die schottische ist da ja integriert und würde somit wegfallen.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Peter am 19.09.2014 12:11 Report Diesen Beitrag melden

    Zusammen was zusammen gehört

    Grossbritannien gehört doch einfach zusammen in der heutigen Zeit. Genau wie Basel-Stadt und Basel-Land. Gemeinsam sind sie stark. Ein Basel!

  • r.f. am 19.09.2014 12:04 Report Diesen Beitrag melden

    jawohl

    was für ein glück, hatte heute nacht nach den ersten auszählungen noch bedenken, das sah wirklich nach einem yay aus. aber ich wusste doch dass die schotten sich richtig entscheiden, freue mich sehr für schottland und die ganze bevölkerung! lang may yer lum reek!

  • kaktus am 19.09.2014 11:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    jahrhunderte kämpften sie dafür,

    haben hohe preise gezahlt dafür aber nie haben sie es geschafft unabhängig zu werden und heute hätten sies so einfach bekommen können... schon interessant.

  • Peter am 19.09.2014 11:04 Report Diesen Beitrag melden

    Angsthasen

    Nun, klar ist dieser Sieg und ist aber auch ein ganz deutlicher Fingerzeig! Übertreibt es nicht, was das vermeintlich klare Ergebnis aussagt. Ich finde es sehr schade... die Angsthasen haben das Rennen gemacht.

  • m.b. am 19.09.2014 10:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    naja

    war ja klar das es so rauskommt....