Tausende Dokumente

15. Juli 2013 05:21; Akt: 15.07.2013 09:27 Print

«USA sollen beten, dass Snowden nichts passiert»

Das Tauziehen um Edward Snowden geht weiter. Ein Journalist droht mit der Enthüllung weit brisanterer Informationen für den Fall, dass dem Ex-Geheimdienstler etwas zustösst.

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Glenn Greenwald am Sonntag beim Interview mit der Nachrichtenagentur AP. (Bild: Keystone/AP/Silvia Izquierdo)

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Das Schicksal von Edward Snowden hängt weiter in der Schwebe. Am Freitag erklärte der ehemalige US-Geheimdienstmitarbeiter bei seinem ersten Auftritt auf dem Moskauer Flughafen Scheremetjewo, er wolle in Russland Asyl beantragen. Die russische Regierung ist darüber nicht begeistert. Es ist alles andere als sicher, dass sie sein Asylgesuch gutheisst. Präsident Wladimir Putin hatte als Bedingung gestellt, dass Snowden aufhören müsse, weitere Dokumente zu verbreiten und damit den USA Schaden zuzufügen.

Genau damit droht jedoch ein Vertrauter des Whistleblowers. Dieser verfügt offenbar über weit mehr brisantes Material, als bislang bekannt wurde. «Snowden besitzt genügend Informationen, um der US-Regierung innerhalb einer Minute mehr Schaden zuzufügen, als es jede andere Person in der Geschichte der USA jemals getan hat», sagte der Journalist Glenn Greenwald der argentinischen Zeitung «La Nación» vom Samstag.

Auf verschiedene Orte verteilt

Greenwald hatte in der britischen Zeitung «Guardian» Snowdens Enthüllungen zum US-Programm «Prism» zur Überwachung der Telefon- und Internetkommunikation veröffentlicht. Snowden besitzt demnach eine gewaltige Menge an Dokumenten. Tausende habe er auf verschiedene Orte verteilt und so «sichergestellt, dass mehrere Personen weltweit sein Archiv komplett haben», sagte Greenwald weiter. Das sei eine Lebensversicherung für den Whistleblower. Sollte ihm etwas zustossen, würden diese Dokumente veröffentlicht.

«Die US-Regierung sollte jeden Tag hinknien und beten, dass Snowden nichts passiert», sagte Greenwald. Für die Vereinigten Staaten wäre dies «ihr schlimmster Albtraum». Es sei jedoch nicht Snowdens Ziel, diese Dokumente zu veröffentlichen, so Greenwald zu «La Nación». Sein Ziel sei es, die Risiken der Informatikprogramme aufzuzeigen, die Menschen weltweit benutzten, ohne «bewusst akzeptiert zu haben, ihr Recht auf den Schutz des Privatlebens aufzugeben», sagte der Journalist, der weiterhin in Kontakt mit Snowden steht.

Betriebsanleitung der NSA

Edward Snowden verfüge über sehr detaillierte Dokumente zu Arbeitsweise und Struktur des Geheimdienstes NSA sowie dessen umfangreichen Spähprogrammen im Internet und in der Telekommunikation, präzisierte Greenwald seine Angaben am Sonntag im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AP. Daraus ergebe sich «im Wesentlichen die Betriebsanleitung, wie die NSA strukturiert ist. Wer diese Dokumente lesen würde, würde sehr genau erfahren, was die NSA wie macht.

Nach seiner Auffassung würde eine Veröffentlichung dieser Dokumente nicht die Sicherheit der USA gefährden, relativierte Greenwald seine Drohung. Aber er vermute, sie könnten der US-Regierung schaden. «Ich denke, es wäre schädlich für die US-Regierung und ihre Interessen, wenn die Details dieser Programme enthüllt werden», sagte Greenwald in Rio de Janeiro, wo er wohnt. Er werde demnächst weitere Artikel über «andere inländische Spähprogramme» veröffentlichen. Details wollte Glenn Greenwald nicht nennen.

Snowden bereut nichts

Das Interview mit AP fand nach Angaben Greenwalds vier Stunden nach seiner letzten Interaktion mit Edward Snowden statt. Dieser sei trotz seiner schwierigen Lage ruhig und besonnen. «Ich habe bei ihm nicht ein Jota Reue oder Bedauern oder Angst über die Lage gespürt, in der er ist», sagte der 46-jährige frühere Verfassungs- und Bürgerrechtsanwalt. Er vermeide es, mit Snowden über dessen Asylpläne zu sprechen, um nicht selbst rechtliche Probleme zu bekommen. Snowden sei sich bewusst, dass sich seine Lage dramatisch verschlechtern könnte – «und er hat seinen Frieden damit gemacht».

(pbl/sda)

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Ausgewählte Leser-Kommentare

Ohne solche Aktionen hätte uns der Terror ebenfalls schon längst überrollt. Es werden extrem viele Anschläge vereitelt und vorbeugend am Anfang erstickt. Wieso wohl? Genau weil der Geheimdienst genau hinsieht. Er hat dort gearbeitet und wusste genau was er tat. Was wollte er denn? Ruhm erlangen? Frieden stören? Auf jeden Fall ist und war das immer so und wer nichts zu verbergen hat, muss sich auch nicht fürchten sondern sich an den vereitelten Anschlägen erfreuen. Würde etwas Grosses passieren, ohne dass jemand davon gewusst hätte, würde der Geheimdienst auch angeprangert... – Adrian Bucher

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • tom am 15.07.2013 05:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wahrheit oder pflicht

    endlich kommts raus das das 9/11 ein fake war!

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  • J.B. am 15.07.2013 09:57 Report Diesen Beitrag melden

    007 war gestern

    Früher mussten Geheimdienste ihre Agenten noch in die jeweiligen Länder schicken. Heute mit Dronen, SmartPhones und Internet brauchen sie nur noch Cyberagenten und können nach getaner Arbeit gemütlich ihr BBQ-Fröhnen. Alle wissen davon aber keiner will zugesehen haben....

  • TomLG am 15.07.2013 07:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Es wird richtig schlimm

    Ich befürchte fast, daß hinsichtlich Überwachung, die schlimmsten Vorstellungen Realität sind. Ich bin mir auch ziemlich sicher, daß die anderen Geheimdienste Kenntnis davon hatten, mag sein nicht von allem, aber sie haben von der Überwachung gewußt. Das Echolon-Programm war ja vor Jahren schon in den Medien. Hinsichtlich der Kommunikation im Internet, wäre es ohne weiteres möglich Verschlüsselung einzusetzen. Welche Regierung will das aber für das Volk? So wie es ist, ist es doch so schön einfach.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • E.S. am 15.07.2013 18:39 Report Diesen Beitrag melden

    Wo sind sie denn, die vielen Terror-

    anschläge, welche durch das illegale Ausschnüffeln verhindert wurden? Ich wette, es sterben jährlich hundert mal mehr im Strassenverkehr als alle Leben, die durch Billionen Steuerdollar teure Massenspionage verhinderten Anschläge, gerettet wurden. (Während in den USA viele Senioren und sogar fleissige Familien mit Kleinkindern obdachlos sind!) Also ist die Terrorentschuldigung einfach mal eine Behauptung, die in die Medienlandschaft gepflanzt wird. Jedenfalls, bis echte Gegenbeweise kommen. Und kommt dann nicht, dort wurden 12 Menschenleben gerettet, das ist zuwenig. Es geht doch ums Business.

  • Erik am 15.07.2013 17:37 Report Diesen Beitrag melden

    "Besuch vom Staatsschutz wegen Facebook-Eintrag"

    Ein deutscher Facebookler bekam auf Anfrage und Betreiben des NSA Besuch von deutscher Polizei und deutschem Staatsschutz:

  • Chris S. am 15.07.2013 14:12 Report Diesen Beitrag melden

    Snowden kein Held

    Er wollte nur seine 15 Minuten Ruhm, sonst gar nichts! Hat er etwas aufgedeckt? Nein hat er nicht! Alles was bis jetzt aus dem Munde von Snowden kam, wusste jeder logisch denkender Mensch! Jedes Kind weiss, dass das Internet überwacht wird und jeder Staat weiss, dass er vom anderen ausgehorcht wird. Das ganze ist ein Sturm im Wasserglass.

  • m. andy am 15.07.2013 13:22 Report Diesen Beitrag melden

    WO IST EUER MENSCHENVERSTAND?

    seht mal genau hin! wieso mögen wir die amis eigentlich so? weil sie sich überall einmischen, jeden krieg führen für ein bisschen öl? nein, wir mögen sie, weil sie allgegenwärtig sind. seit jahren machen amis für ihre produkte werbung und dringen in unsere köpfe ein. McDonals, CocaCola und wie sie alle heissen... das ist manipulation. das produkt solcher infiltration könnt ihr hier bei den kommentaren lesen: man stellt snowden als sündenbock hin. hallo???? denkt doch mal scharf nach! das, was die amis tun, ist schlicht inakzeptabel und verstösst gegen jegliche gesetze.

    • Dave A. am 16.07.2013 08:25 Report Diesen Beitrag melden

      Verdrehte Ansicht.

      Ich nehme vielmehr einen AntiAmi-Trend wahr. Der gute Oncle Sam wirkt auf die Meisten spätestens seit der Jahrtausendwende nicht mehr positiv... Und das, was DIE GEHEIMDIENSTE der Amis (aber auch der Briten und weitern...) tun, ist ein Verstoss gegen die Menschenrecht mehrere Milliarden Menschen. Aber die Aufdeckung ist nun einige Wochen her, und es passierte NICHTS. Es wird wohl auch NICHTS passieren.

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  • nele am 15.07.2013 13:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    lol

    wenn ich ehrlich bin. ich weiss garnicht was snowden veröffentlicht hat.