IS-Terroristen

14. August 2014 18:14; Akt: 14.08.2014 18:14 Print

«Wir werden Istanbul erobern»

Nachdem die Türkei einen Damm geschlossen hat und damit Pläne der IS-Terroristen durchkreuzte, gibt es scharfe Worte von deren Sprecher. Die Drohung ist ernst zu nehmen.

Die englischsprachige Version von «Der Vormarsch des Kalifats – Islamischer Staat» in voller Länge. (Quelle: YouTube/VICE News)
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«Wenn die türkische Regierung ihr Handeln nicht überdenkt, werden wir es für sie tun, indem wir Istanbul erobern», sagte Abu Mosa im eindrücklichen Videobericht * «Der Vormarsch des Kalifats – Islamischer Staat» vom «Vice Magazine». Der Mann ist Angehöriger der Terrororganisation IS (vormals Isis). Sein Ärger zielt auf die Schliessung des türkischen Atatürk-Damms. Diese hatte zur Folge, dass weniger Wasser durch den Euphrat in den Irak fliesst.

Dieser Entscheid macht den Terroristen laut «World Bulletin» einen Strich durch die Rechnung. Denn IS eroberte auf ihrem Vormarsch nicht nur Ölfelder und Weizenvorräte, sondern auch Dämme. Dadurch kann sie ganzen Städten die Wasserzufuhr kappen oder die Ortschaften überfluten.

IS-Mitglieder am Ramadanfest in Istanbul

Die Drohung, Istanbul erobern zu wollen, ist nicht leichtfertig vom Tisch zu wischen. Im Grenzgebiet zwischen der Türkei und dem Irak soll es laut dem «Deutsch-Türkischen Journal» (DTJ) ein gut funktionierendes Schmugglernetzwerk geben, durch das nicht nur Waren, sondern auch Menschen in beiden Richtungen die Grenze überqueren. Der Westen wirft Ankara schon länger vor, zu wenig gegen Dschihadisten aus Europa und den USA zu unternehmen, die durch die Türkei nach Syrien oder in den Irak reisen.

Doch auch in umgekehrter Richtung funktioniert der Menschenschmuggel. Extremisten mit Kampferfahrung reisen via die Türkei in den Westen zurück. Nicht alle verlassen das Land sofort: Anfang August sollen mehrere Hundert Personen in Istanbul an einem von der IS organisierten Ramadanfest teilgenommen haben, wie DTJ weiter schreibt.

Dilemma wegen türkischer Geiseln

Die türkische Regierung zögerte lange, sich dem internationalen Kampf gegen die Terroristen der IS anzuschliessen. Sie hoffte, dass es den Extremisten gelingen würde, zusammen mit den Rebellen, die Truppen des syrischen Machthabers Baschar al-Assad zu schlagen. Eine falsche Strategie, wie sich zeigte.

Anfang Juni rang sich die Türkei dazu durch, die IS, die sich damals noch als Isis bezeichnete, als Terrororganisation einzustufen. Kurz darauf stürmten IS-Kämpfer das türkische Konsulat in der irakischen Stadt Mossul und nahmen 49 Personen – darunter ein acht Monate altes Baby sowie weitere Kinder, Frauen und den Generalkonsul – als Geiseln.

Von ihnen fehlt seither jede Spur, Verhandlungen zwischen der türkischen Regierung und den Entführern verliefen im Sand. Die Terroristen benutzen das Konsulatsgebäude in Mossul mittlerweile als Hauptquartier, wie «Al Monitor» schreibt. Aus Rücksicht auf die Geiseln lehnte die Türkei bisher jede Beteiligung – sei es passiver oder aktiver Natur – an den US-Luftschlägen gegen IS-Stellungen im Irak ab.

*Auf Deutsch ist der Videobericht in fünf Teilen hier zu sehen. Oben ist der Videobericht in voller Länge und unten als einzelne Teile auf Englisch zusehen.

«Der Vormarsch des Kalifats – Islamischer Staat» (Teil 1)
(mit deutschen Untertiteln hier)

(Quelle: YouTube/VICE News)

«Der Vormarsch des Kalifats – Islamischer Staat» (Teil 2)
(mit deutschen Untertiteln hier)

(Quelle: YouTube/VICE News)

«Der Vormarsch des Kalifats – Islamischer Staat» (Teil 3)
(mit deutschen Untertiteln hier)

(Quelle: YouTube/VICE News)

«Der Vormarsch des Kalifats – Islamischer Staat» (Teil 4)
(mit deutschen Untertiteln hier)

(Quelle: YouTube/VICE News)

«Der Vormarsch des Kalifats – Islamischer Staat» (Teil 5)
(mit deutschen Untertiteln hier)

(Quelle: YouTube/VICE News)

(kmo)