Nach Schlaganfall

19. Juni 2012 23:11; Akt: 20.06.2012 22:07 Print

Mubarak liegt im Koma

Der ehemalige ägyptische Präsident Hosni Mubarak hat einen Schlaganfall erlitten. Berichte, sein Herz habe bereits aufgehört zu schlagen, wurden später korrigiert.

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Während 30 Jahren hat Hosni Mubarak ein autoritäres Regime in Ägypten angeführt. Am 11. Februar 2011 trat er angesichts der Massenproteste gegen sein Regime im Zuge des Arabischen Frühlings zurück. Am 2. Juni 2012 ist der Ex-Präsident, der gesundheitlich angeschlagen ist, wegen seiner Rolle bei der blutigen Niederschlagung der Proteste zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Am 29. November 2014 wurde er in einem Berufungsprozess freigesprochen. Mubarak (links) (rechts), der am 6. Oktober 1981 ermordet wurde. Das Bild zeigt die beiden kurz vor dem tödlichen Anschlag. Am 14. Oktober 1981 wurde Hosni Mubarak im ägyptischen Parlament in Kairo Mubarak war ein der USA (Präsident Bill Clinton im Zentrum) und Israels (Jitzhak Rabin, links) für den Frieden im Nahen Osten. Mubarak (rechts) schüttelt die Hand von Palästinenserführer Yassir Arafat nach der Unterzeichnung eines Abkommens im Weissen Haus in Washington, 28. September 1995. Gleichzeitig reparierte er die nach dem Camp-David-Friedensvertrag schwer gestörten hier bei einem Treffen mit dem libyschen Revolutionsführer Muammar al Gaddafi im Oktober 1989. Treffen mit dem irakischen Diktator Mubarak hat viele gesehen. Im Bild mit Ronald Reagan beim Weissen Haus am 4. Februar 1982. Mubarak zu Besuch bei George H. W. Bush am 4. April 1989. US-Präsident George W. Bush zu Besuch bei Mubarak in Scharm el Scheich am 3. Juni 2003. Treffen mit Barack Obama am 1. September 2010. Mubarak mit Ehefrau Suzanne und den Söhnen Gamal (r.) und Alaa sowie dessen Ehefrau Heidi al Sakher. Besonders verhasst ist Gamal Mubarak, den der Präsident angeblich als Nachfolger installieren wollte.

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Ägyptens Langzeitmachthaber Hosni Mubarak ringt mit dem Tod: Nach Angaben von Medien und Ärzten liegt der 84-jährige Ex-Präsident im Koma. Mubarak wurde in der Nacht zum Mittwoch nach einem Hirnschlag von der Krankenstation des Gefängnisses Tora in ein Militärspital in Kairo verlegt.

Dort habe er einen Herzstillstand erlitten, sei ins Koma gefallen und habe an lebenserhaltende Geräte angeschlossen werden müssen, hiess es. Seine Ehefrau Suzanne Mubarak und eine Schwiegertochter trafen noch in der Nacht im Spital im Kairoer Aussenbezirk Maadi ein. Der Patient sei nicht ansprechbar und habe die Augen geschlossen, sagten am Mittwoch Ärzte des Militärspitals.

Staatsmedien hatten in der Nacht zum Mittwoch gemeldet, Mubarak sei bereits klinisch tot. Mamduh Schahin, ein Mitglied des in Ägypten herrschenden Obersten Militärrates, wies diese Darstellung aber zurück. «Er ist nicht klinisch tot wie berichtet wurde», sagte der General dem US-Sender CNN. «Sein Gesundheitszustand verschlechtert sich, und er ist in kritischem Zustand», fügte er hinzu.

Mubarak hatte fast 30 Jahre lang autokratisch über sein Land geherrscht. Massenproteste zwangen ihn im Februar 2011 zum Rücktritt. Anfang Juni wurde er wegen Mitschuld am Tod von mehr als 800 Demonstranten zu lebenslanger Haft verurteilt. Danach wurde Mubarak gegen seinen Willen in die Krankenstation des Gefängnisses Tora bei Kairo verlegt.

Anti-Mubarak-Bewegung freut sich

Auf dem Kairoer Tahrir-Platz, wo in der Nacht Tausende Anhänger der Muslimbruderschaft und der Anti-Mubarak-Bewegung gegen die Militärführung protestierten, wurden die Nachrichten über den sich dramatisch verschlechternden Gesundheitszustand Mubaraks bejubelt. Der Salafistenprediger Hasim Abu Ismail forderte daraufhin die Menge auf, sich zu beruhigen.

Die Berichte seien eine Lüge, um von einer Machtübernahme durch die Armeeführung abzulenken. Das Drama um den vor 16 Monaten gestürzten Präsidenten fällt mitten in eine Zeit, in welcher der Machtkampf in Ägypten voll entbrannt ist.

Wahlresultat vorerst nicht veröffentlicht

Die Bekanntgabe des Siegers der Präsidentschaftswahl wurde am Mittwoch offiziell verschoben. Einen Termin nannte die amtliche Wahlkommission in ihrer Mitteilung nicht. Der eigentlich für Donnerstag angesetzte Termin sei hinfällig, weil nun Beschwerden beider Kandidaten der Stichwahl geprüft würden, hiess es lediglich.

Unterstützer des ehemaligen ägyptischen Ministerpräsidenten Ahmed Schafik hatten zuvor mitgeteilt, dieser habe 51,5 Prozent der Stimmen erhalten. Das gegnerische Lager des Kandidaten der Muslimbruderschaft hingegen veröffentlichte Zahlen, denen zufolge Mohammed Mursi 52 Prozent der Stimmen erhielt.

Militärputsch in Raten

Der Oberste Militärrat hatte aber in den letzten Tagen Schritte eingeleitet, um im Nilland auch künftig an den Hebeln der Macht zu bleiben. Vor knapp einer Woche wurde das neue Parlament vom noch aus der Mubarak-Ära stammenden Verfassungsgericht aufgelöst - wegen angeblicher Unregelmässigkeiten bei der Wahl eines Drittels der Abgeordneten.

Dann sicherten sich die Militärs umfangreiche Machtbefugnisse auch in Zukunft zu und schränkten gleichzeitig die Kompetenzen des Präsidenten ein. Ende des Monats wollen sie dem neuen Staatschef die ihm zustehenden wenigen Befugnisse übertragen. Der Militärrat hatte nach dem Sturz Mubaraks die Regierungsgeschäfte übernommen und zunächst angekündigt, sie nach freien und demokratischen Wahlen an zivile Politiker zu übergeben.

(sda/ap)