Massenproteste in Kairo

05. Dezember 2012 13:31; Akt: 05.12.2012 14:12 Print

Mursi kehrt in den Präsidentenpalast zurück

Nachdem 10'000 Mursi-Gegner vor dem Präsidentenpalast in Kairo gegen dessen Macht demonstriert hatten, konnte der ägyptische Präsident an seinen Arbeitsplatz zurückkehren. Doch schon droht neues Ungemach.

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gegen Präsident Mohammed Mursi und die Übermacht der Islamisten im Land demonstriert. Kurzzeitig kam es zu Krawallen, als einige der Demonstranten auf dem Marsch zum Präsidentenpalast in Kairo eine Strassensperre zur Seite räumten. Mursi habe den Palast auf Anraten seiner Leibwächter über einen Hintereingang verlassen, als die Menge auf dem Weg zu seinem Palast anwuchs, sagen Zeugen. Die Richter in Ägypten gehen am Sonntag, 2. Dezember 2012, endgültig auf Konfrontationskurs mit Präsident Mohammed Mursi. Nachdem in den vergangenen Tagen schon die Richter an unteren Instanzen aus Protest gegen die Dekrete Mursis ihre Arbeit niedergelegt hatten, schloss sich nun auch das Verfassungsgericht dem Streik an. Als Reaktion auf die Grossdemonstrationen der Opposition gegen die neue Verfassung versammelten sich am 1. Dezember 2012 tausende Anhänger von Präsident Mohammed Mursi in Kairo. Vor der Universität in Kairo kamen mehr als 10'000 Demonstranten zusammen, schwenkten ägyptische Flaggen und reckten Fotos von Mursi in die Höhe. In der Nacht auf den 1.Dezember 2012 hatten zuvor Tausende Mursi-Gegner auf dem Kairoer Tahrir-Platz gegen die handstreichartige Verabschiedung einer islamistischen Verfassung protestiert. Die Verfassungsgebende Versammlung hatte den Text in einer Marathonsitzung in der Nacht auf Freitag verabschiedet. Danach trugen Tausende Ägypter ihre Wut auf die Strasse. Im Angebot dieses Strassenhändlers auf dem Tahrir-Platz sind ägyptische und syrische Revolutionsflaggen. Hamdeen Sabahi, einstiger Präsidentschaftskandidat und Gründer der Al-Karama-Partei, hält eine Rede auf dem Tahrir-Platz. Die Ägypter sind wieder in Ketten, sagt dieser Demonstrant. Es ist Mursi was Mubarak, ist die Meinung dieses Demo-Teilnehmers. Am 1. Dezember hielten in Kairos Altstadt jedoch auch Mursi-Anhänger Plakate in die Höhe ... ... oder schwenkten eine Fahne mit der Aufschrit:«Wir lieben Ägypten». Auf dem Schild steht: «Wir haben ihn gewählt, und wir vertrauen ihm».

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Einen Tag nach den Massenprotesten vor dem Kairoer Präsidentenpalast ist der ägyptische Präsident Mohammed Mursi am Mittwoch wieder in seinen Amtssitz zurückgekehrt. Auf Anraten seiner Leibwächter hatte er den Palast am Dienstagabend über einen Hintereingang verlassen, als Zehntausende aufgebrachte Demonstranten den Gebäudekomplex belagerten.

Gegner und Anhänger Mursis haben aber für Mittwoch zu erneuten Demonstrationen vor dem Präsidentenpalast in Kairo aufgerufen. Die auf Seiten des Präsidenten stehenden Muslimbrüder erklärten auf ihrer Facebook-Seite, die Proteste richteten sich gegen die Opposition.

Gegen die Scharia

Diese bilde sich ein, sie könne mit Gewalt ihre Ansichten durchsetzen. Unmittelbar nach der Protestankündigung forderte eine linksgerichtete Oppositionsgruppe ihre Anhänger auf, sich vor Mursis Amtssitz zu versammeln, um gegen den Präsidenten zu demonstrieren.

Bereits am Dienstagabend hatten rund 10'000 Menschen rund um den Präsidentenpalast gegen Mursi demonstriert. Dabei kam es zu Zusammenstössen mit der Polizei. Mursi hat sich umfangreiche Vollmachten gegeben und damit unter Liberalen und Christen einen Sturm der Entrüstung entfacht.

Die Gegner Mursis wollen verhindern, dass dieser den auf islamischem Recht basierenden Entwurf für eine neue Verfassung auf den Weg bringt. Das Volk soll in einem Referendum am 15. Dezember darüber abstimmen.

(sda/dapd)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Frank am 05.12.2012 16:48 Report Diesen Beitrag melden

    Naivität

    Ich erinnere mich noch wie die Medien und Regierungen auf der ganzen Welt frohlockt und gejauchzt haben, ja sich mit Lobeshymen überworfen haben ab dem arabischen Frühling. Wie konnte man nur so naiv sein? War doch jedem Normalbürger klar dass der Schuss nach hinten losgeht.

  • Georg am 05.12.2012 15:19 Report Diesen Beitrag melden

    Wann wohl?

    Wann beginnt der Europäische Frühling?

  • BANG am 05.12.2012 14:17 Report Diesen Beitrag melden

    Weiter So, 2 Revolution

    Weiter so mit den Protesten. Diese Gruppen Mursi ect. sind sehr, sehr gefährlich (gefährlich für die Region) Jordanien brodelt auch. Die sind nicht fürs Volk die vertreten strikt NUR ihr eigenes Interesse und stürzen das Volk ins elend. Wacht auf ch-die toleranz zeigen gegenüber diesen Gruppierungen, die sind gefährlich. Ihre Gesetzte kennt keine Demokratie, das ist Fakt.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Frank am 05.12.2012 16:48 Report Diesen Beitrag melden

    Naivität

    Ich erinnere mich noch wie die Medien und Regierungen auf der ganzen Welt frohlockt und gejauchzt haben, ja sich mit Lobeshymen überworfen haben ab dem arabischen Frühling. Wie konnte man nur so naiv sein? War doch jedem Normalbürger klar dass der Schuss nach hinten losgeht.

  • Georg am 05.12.2012 15:19 Report Diesen Beitrag melden

    Wann wohl?

    Wann beginnt der Europäische Frühling?

  • Walter R am 05.12.2012 15:08 Report Diesen Beitrag melden

    Arabischer Frühling?

    Das also ist der in den westlichen Ländern so vielgepriesene Arabische Frühling: Totales Chaos, Machtkämpfe, Krawalle, Aufweichung oder sogar Abschaffung der Demokratie, damit diese demokratisch gewählten Islamisten nicht mehr abgewählt werden können, Einführung von islamischen Recht (Scharia) usw. Wie wird das Enden mit diesen Islamisten als Wahlsieger, die mit Demokratie nach Westlichem Vorbild wenig am Hut haben.

  • BANG am 05.12.2012 14:17 Report Diesen Beitrag melden

    Weiter So, 2 Revolution

    Weiter so mit den Protesten. Diese Gruppen Mursi ect. sind sehr, sehr gefährlich (gefährlich für die Region) Jordanien brodelt auch. Die sind nicht fürs Volk die vertreten strikt NUR ihr eigenes Interesse und stürzen das Volk ins elend. Wacht auf ch-die toleranz zeigen gegenüber diesen Gruppierungen, die sind gefährlich. Ihre Gesetzte kennt keine Demokratie, das ist Fakt.