Doppelanschlag in Syrien

12. Mai 2012 19:47; Akt: 12.05.2012 19:51 Print

Zweifel an der Echtheit des Bekenntnisses

Die militante Gruppierung «Al-Nusra-Front» hat sich zu den schweren Anschlägen in Damaskus mit 55 Toten bekannt. Doch jetzt kommen erste Zweifel über die Authentizität der Botschaft auf.

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Zum Doppelanschlag in der syrischen Hauptstadt Damaskus vom Donnerstag hat sich eine Islamistengruppe bekannt. Die radikale «Al-Nusra-Front» erklärte am Samstag in einem im Internet veröffentlichten Video, sie habe die Anschläge verübt.

Nach offiziellen Angaben wurden durch die Autobomben 55 Menschen getötet und fast 400 weitere verletzt. Die von Selbstmordattentätern ausgeführten Anschläge seien eine Reaktion auf Angriffe der Regierungstruppen auf Wohngebiete der Bevölkerung in Syrien, schreibt die «Al-Nusra Front zum Schutz des Volkes der Levante» zur Begründung ihrer Bluttat.

Einige Formulierungen in der Botschaft lassen allerdings Zweifel daran aufkommen, dass dieses Schreiben authentisch ist. Ausserdem wurde es nicht in den Foren radikaler Islamisten veröffentlicht, die sonst derartige Botschaften publizieren.

Die «Al-Nusra Front zum Schutz des Volkes der Levante» war bis zum Beginn des Aufstands gegen Staatspräsident Baschar al-Assad zudem unbekannt. Sie hatte sich in der Vergangenheit zu Anschlägen unter anderem in Damaskus und Aleppo bekannt.

Am Samstag fand in Damaskus ein Staatsbegräbnis für die Opfer des Anschlages statt. Das Staatsfernsehen zeigte in Schwarz gehüllte Frauen, die Rosenblätter auf die mit der Nationalfahne bedeckten Särge warfen. Männer sangen: «Gott segne Syrien unter der Führerschaft von Baschar.»

Wer steckt hinter den Anschlägen?

International wächst seit Monaten die Sorge, dass die syrische Protestbewegung vom Terrornetzwerk Al-Kaida unterwandert werden könnte. Das Assad-Regime schürt diese Ängste gezielt und sieht hinter dem syrischen Aufstand militante sunnitische Kräfte. Diese seien für die Selbstmordanschläge verantwortlich, heisst es jeweils seitens des Assad-Regimes.

Die Opposition beschuldigt hingegen das Regime, die Anschläge selbst zu inszenieren, und fordert eine internationale Untersuchung. Es sei ein Versuch des Assad-Regimes, den Widerstand zu diskreditieren.

Der Assad-Clan, der in Syrien seit 1970 den Ton angibt, gehört der Minderheit der alawitischen Muslime an. Etwa elf Prozent der Syrer sind Alawiten. In den führenden Positionen von Polizei, Geheimdienst und Armee sind sie stark vertreten. Schätzungsweise 74 Prozent der Syrer sind sunnitische Muslime.

Darstellung und Gegendarstellung

Am Freitag haben die syrischen Sicherheitskräfte nach offizieller Darstellung in der Stadt Aleppo einen schweren Selbstmordanschlag vereitelt. Ein Kleinbus mit mehr als einer Tonne Sprengstoff sei abgefangen worden. Der Selbstmordattentäter sei von den Sicherheitskräften am Steuer erschossen worden, meldeten die Staatsmedien.

Ein Regimekritiker aus der Stadt stellte den Vorfall ganz anders dar. Er sagte, zwei Ingenieure aus den Reihen der Sicherheitskräfte hätten auf dem Gelände des lokalen Hauptquartiers der regierenden Baath-Partei ein Fahrzeug mit Sprengstoff präpariert, um es an einer Kreuzung in der Stadt in die Luft zu jagen. Der Sprengstoff sei jedoch bereits auf dem Weg dorthin detoniert. Die beiden Ingenieure, ein Passant und drei Wächter seien ums Leben gekommen.

Angriffe trotz Waffenruhe

Am Samstag beschossen die syrischen Streitkräfte nach Angaben der Opposition erneut die Stadt Homs. Am Freitag seien 18 Oppositionelle von den Sicherheitskräften getötet worden; am Samstag habe es bis zum Mittag sechs weitere Opfer gegeben.

Seit dem 12. April gilt eigentlich in Syrien eine international vermittelte Waffenruhe. Angaben der Regierung wie der Opposition sind in Syrien wegen der Einschränkung der Pressefreiheit nur schwer nachprüfbar.

(sda/dapd)