Schwenkt Moskau um?

16. Dezember 2012 15:26; Akt: 16.12.2012 22:41 Print

Assad bangt um wichtigsten Verbündeten

Der syrische Präsident muss sich um seinen wichtigsten Verbündeten sorgen. Denn offenbar hat Moskau jetzt Gespräche mit der Exil-Opposition aufgenommen.

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Syrischen Oppositionskreisen zufolge gibt es Anzeichen dafür, dass Moskau seinem traditionellen syrischen Verbündeten den Rücken kehrt (Bild: Baschahr al-Assad und Waldimir Putin 2006 im Kreml). (Bild: Keystone/Mikhail Klimentyev)

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Nachdem sich die russische Regierung monatelang vehement gegen einen Regimewechsel in dem arabischen Land ausgesprochen hatte, soll sie jetzt erstmals direkt Kontakt zur Führung der syrischen Exil-Opposition aufgenommen haben.

Aus syrischen Oppositionskreisen verlautete am Sonntag, ein russischer Diplomat habe den Vorsitzenden der Syrischen Nationalen Koalition, Muas al-Chatib, angerufen, um mit ihm einen Termin zu vereinbaren. Dabei wolle er über die Bildung einer Übergangsregierung ohne Assad sprechen, wie die Nachrichtenagentur DPA berichtete.

Moskau hatte erst vor wenigen Tagen die Anerkennung der Allianz durch mehrere westliche und arabische Staaten kritisiert. Im UNO-Sicherheitsrat hatte Russland gemeinsam mit China mehrfach die Verabschiedung von Resolutionen verhindert, mit denen Assad unter Druck gesetzt worden wäre.

Am Freitag hatte Moskau Äusserungen eines hohen russischen Regierungsvertreters zu einem möglichen Sieg der Rebellen dementiert. Vizeaussenminister Michail Bogdanow hatte laut Medienberichten gesagt, man müsse «den Fakten ins Auge schauen», ein Sieg der syrischen Rebellen sei nicht auszuschliessen.

Dies war als erste Einschätzung dieser Art aus Russland gewertet worden, das bisher fest an der Seite von Machthaber Assad stand.

Luftangriff auf Palästinenserlager

Wie Aktivisten und lokale Medien berichteten, setzten syrische Regierungstruppen am Wochenende ihre Offensive gegen die Rebellen im Umland der Hauptstadt Damaskus fort.

Nach Angaben der Opposition hat die syrische Luftwaffe am Sonntag erstmals ein palästinensisches Flüchtlingslager im Süden der Hauptstadt angegriffen und dabei Dutzende Menschen getötet. Mindestens zwei Raketen seien auf das Jarmuk-Lager abgefeuert worden, eine davon habe eine Moschee getroffen.

Die Palästinenser seien gespalten zwischen Anhängern und Gegnern der Rebellion, erklärte die in London ansässige Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Sie meldete weitere Kämpfe auch in Aleppo, Homs, Idlib, Hama und Daraa. Wie die Aktivisten berichteten, wurden allein am Samstag landesweit mindestens 170 Menschen getötet.

Die Menschenrechts-Organisation beruft sich bei ihren Angaben auf ein grosses Netzwerk aus Aktivisten, Ärzten und Soldaten in ganz Syrien. Die Meldungen aus Syrien sind wegen der Medienblockade des Regimes von unabhängiger Seite jedoch nur schwer zu überprüfen.

Der Konflikt hat seit seinem Beginn im März 2011 insgesamt mehr als 40'000 Menschen das Leben gekostet.

(sda)