Alle gegen Mursi

14. Dezember 2012 15:24; Akt: 14.12.2012 15:45 Print

Gewalt eskaliert vor Schicksals-Abstimmung

Ägypten steht vor einem entscheidenden Wochenende mit der Abstimmung zur neuen Verfassung von Präsident Mohammed Mursi. Die Opposition versucht diese mit allen Mitteln zu verhindern.

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Vor dem Beginn des Referendums über den umstrittenen Verfassungsentwurf gehen am 14.12. sowohl Islamisten wie auch Oppositionelle auf die Strasse. Am 6. Dezember 2012, 15.00 Uhr Ortszeit, begann die Armee, den Platz vor Mursis Palast zu räumen. Viele Demonstranten hatten sich an das Ultimatum gehalten und den Bereich verlassen. Vereinzelte Aktivisten waren aber noch übrig geblieben. Vor dem Präsidentenpalast in Kairo erstellen ägyptische Soldaten Barrikaden. Die Demonstranten müssen den Platz bis 14 Uhr Schweizer Zeit räumen. Ein Demonstrant stellt sich gegen den Stacheldrahtzaun. Die Proteste in Ägypten eskalieren: In der Nacht auf den 6. Dezember brennt in der Stadt Ismailia, 100 Kilometer östlich von Kairo, das Büro der Muslimbrüder. Am Donnerstagmorgen (6.12) lässt Präsident Mohammed Mursi vor dem Palast Panzer auffahren. In der Nähe des Präsidentenpalastes in Kairo werden derweil Demonstranten von der Polizei vertrieben. In den Strassen von Kairo liegt ein ausgebranntes Polizeifahrzeug. Bei den heftigen Ausschreitungen kamen mindestens fünf Menschen ums Leben. Die Polizei marschierte mit einem Grossaufgebot auf. Die Ausschreitungen zwischen Oppositionellen und Anhängern der regierenden Islamisten-Parteien forderten gegen 400 Verletzte. Präsident Mohammed Mursi steht in der Kritik, seitdem er seine Machtbefugnisse massiv ausgeweitet hat. Ein junger Mann der Opposition wird von seinen Kollegen weggezerrt, während er sich vor dem Palast des Staatschefs in Kairo ein Wortgefecht mit einem Anhänger der Muslimbruderschaft liefert. ... schliesslich verjagten die Muslimbrüder die Demonstranten der Opposition. Im Mittelpunkt der Auseinandersetzung .. ... steht das umstrittene Verfassungsreferendum des Präsidenten, das die ägyptischen Islamisten um jeden Preis durchsetzen wollen. Im Bild: Oppositionelle rufen Slogans gegen die Muslimbruderschaft. Mehrere radikale Islamisten drohten den Oppositionellen mit einem «heiligen Krieg» (arabisch «Dschihad»), falls diese ihre Sabotagepolitik gegen Staatspräsident Mohammed Mursi fortsetzen sollten. Gegner des Präsidenten schreien Anti-Mursi-Slogans.. Anhänger von Präsident Mursi vor dem Palast des Staatschefs. Die Strassenschlachten begannen, als Muslimbrüder vor dem Palast mit einer Massenkundgebung ihre Solidarität bekunden wollten. Zuvor hatten dort zehntausende Gegner des Präsidenten demonstriert und zu einem kleineren Teil auch übernachtet. «Geh!» fordert dieser Demonstrant den ägyptischen Präsidenten auf. Ein Graffiti der Muslimbruderschaft in der Nähe Präsidentschaftspalastes: «Macht und Wohlstand dem Volk».

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Bei Zusammenstössen zwischen islamistischen Demonstranten und Anhängern der Opposition sind am Freitag in der ägyptischen Stadt Alexandria mehrere Menschen verletzt worden. Das berichtete der Nachrichtensender Al-Arabija.

Den Angaben zufolge blockierten die Oppositionellen die Uferstrasse. Die Polizei setzte Tränengas ein. Auch in der Hauptstadt Kairo versammelten sich einen Tag vor dem Beginn des Referendums über den umstrittenen Verfassungsentwurf sowohl Islamisten als auch Oppositionelle zu Kundgebungen.

Vor einer Moschee im Kairoer Stadtteil Nasr-City warben tausende Islamisten für den Entwurf. In Sprechchören riefen sie «Ja zur Verfassung», liessen den Präsidenten hochleben und priesen das islamische Recht der Scharia.

Nahezu zeitgleich versammelten sich Anhänger der säkularen Opposition vor dem Präsidentenpalast. Liberale, Linke und Christen lehnen die neue Verfassung ab, weil sie ihrer Ansicht nach einseitig islamistisch ausgerichtet ist und die Rechte von Minderheiten missachtet.

Vergangene Woche hatte es bei Protesten blutige Zusammenstösse zwischen Oppositionellen und Islamisten gegeben. Der Palast wird seitdem von Panzern der Präsidentengarde bewacht. Überdies erhielt die Armee Polizeibefugnisse und soll Wahllokale sowie Regierungsgebäude schützen.

Ablehnung unwahrscheinlich

Über den Verfassungsentwurf soll in Kairo und neun weiteren Provinzen an diesem Samstag abgestimmt werden. In den übrigen Provinzen ist das Referendum erst am kommenden Samstag geplant. Die Abstimmung gilt auch als Votum über Präsident Mohammed Mursi, der den Verfassungsentwurf massgeblich unterstützt hat.

Dass die Bevölkerung die neue Verfassung ablehnen wird, ist angesichts der Machtverhältnisse unwahrscheinlich. Die Muslimbrüder, die das Parlament dominieren, sind die am besten organisierte politische Kraft. Viele Ägypter sind zudem der Unruhen müde, die das Land seit der Erhebung gegen den langjährigen Präsidenten Hosni Mubarak 2011 erschüttert haben.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Fabienne B. am 14.12.2012 17:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Revolution-Demokratie

    Viele verurteilen die Araber als unfähig. Aber das sollten wir nicht vergessen. Auch bei uns in Europa brauchte es mehrere Anläufe um Demokratien zu errichten.

  • tim moergel am 14.12.2012 19:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ihr land

    das ist ihr land.. und wenn die mehrheit islamisches land will wieso nicht? nur weil 5% christen das nicht wollen soll es auch nicht geben? weiter so egypt, wenn mehrheit shariaa will, wieso nicht...

  • jamal am 14.12.2012 16:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Titel

    Dass die Bevölkerung die neue Verfassung ablehnen wird, ist angesichts der Machtverhältnisse unwahrscheinlich. Warum steht dann im Titel: alle gegen mursi?

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Ueli am 14.12.2012 19:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nun ja 

    Da rund 25% der Wahlbechtigten weder schreiben noch lesen können, nochmals rund 40% nicht abstimmen können haben die Muslim Brüder wohl wieder einmal mehr ein einfaches Spiel. D.h. 65% der Stimmbevölkerung kann nicht wählen, 30% Muslimbrüder = Die neue Verfassung wird mit rund 90% angenommen.

  • tim moergel am 14.12.2012 19:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ihr land

    das ist ihr land.. und wenn die mehrheit islamisches land will wieso nicht? nur weil 5% christen das nicht wollen soll es auch nicht geben? weiter so egypt, wenn mehrheit shariaa will, wieso nicht...

  • Fabienne B. am 14.12.2012 17:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Revolution-Demokratie

    Viele verurteilen die Araber als unfähig. Aber das sollten wir nicht vergessen. Auch bei uns in Europa brauchte es mehrere Anläufe um Demokratien zu errichten.

  • Omar bin Halleluya am 14.12.2012 16:54 Report Diesen Beitrag melden

    Gewalt eskaliert....

    Der "arabische Frühling " in Aegypten ist leider zu einer "islamistischen Eiszeit" geworden !

  • Pit Rorschach am 14.12.2012 16:46 Report Diesen Beitrag melden

    Alles bleibt beim Alten

    Vom Regen in die Traufe. Die Aegypter haben sichDemokratie bestimmt andersvorgestellt.