Ihre Story, Ihre Informationen, Ihr Hinweis?
feedback@20minuten.ch 
Nach Massenprotesten
08. Dezember 2012 23:17; Akt: 09.12.2012 13:56 Print
Mursi nimmt Sondervollmachten zurück
Ägyptens Präsident Mohammed Mursi hat das umstrittene Dekret zurückgezogen, mit dem er sich im vergangenen Monat Sondervollmachten eingeräumt hatte. Die Opposition bleibt unnachgiebig.
Am Freitag protestierten die Massen in Kairo.
Nach tagelangen Massenprotesten gegen die Ausweitung seiner Befugnisse hat der ägyptische Präsident Mohammed Mursi teilweise eingelenkt. Der Staatschef setzte das umstrittene Dekret über seine Sondervollmachten ausser Kraft, wie der Islamgelehrte Selim al-Awa in Kairo mitteilte.
Infografik Die arabische Welt im UmbruchAm Samstag hatte Mursi laut Ministerpräsident Hischam Kandil sechs Persönlichkeiten in ein Gremium berufen, um das Dekret über seine Sondervollmachten zu überprüfen sowie um eine «juristische Lösung» für eine Verschiebung der Volksabstimmung über die neue Verfassung zu suchen.
Wie der Islam-Gelehrte Mohammed Selim al-Awa am Abend nach den Beratungen im Präsidentenpalast sagte, bestätigte Mursi aber den 15. Dezember als Datum für ein Referendum über den umstrittenen Verfassungsentwurf.
Verschiebung der Abstimmung nicht möglich
Die Opposition hatte neben der Annullierung des Dekretes auch die Verschiebung der Abstimmung gefordert. Diese sei rechtlich aber nicht möglich, sagte der Islam-Gelehrte nach den Beratungen.
Al-Awa, der die Ergebnisse der Beratungen bekanntgab, gehört selbst dem Gremium an. Mursi sei während der gesamten Sitzung anwesend gewesen, fügte al-Awa hinzu. Er habe gesagt, er akzeptiere alle dort getroffenen Entscheidungen und werde sich an sie halten.
Der Fernsehsender Al Dschasira berichtete auf seiner Internetseite, die Entscheidung sei ein grosser Schritt. Dennoch bleibe abzuwarten, wie die Opposition reagieren werde, denn damit sei nur ein Teil ihrer Forderungen erfüllt. Mursis Gegner wollen auch, dass das Referendum abgesagt wird. Oppositionelle hielten nach der Ankündigung einen Sitzstreik vor dem Präsidentenpalast in Kairo ab und riefen zu neuen Demonstrationen am Sonntag auf.
Abgeschwächtes Dekret
Mursi hatte mit einer Verfassungserklärung am 22. November bestimmt, dass die Justiz nicht das Recht habe, die Umsetzung seiner Dekrete zu verhindern. Er sprach den Richtern ausserdem das Recht ab, die von Islamisten dominierte Verfassungsgebende Versammlung aufzulösen.
Das nun ausser Kraft gesetzte Dekret soll nach Al-Awas Worten durch eine neue Verfassungserklärung ersetzt werden. Diese enthält nicht mehr den Satz, wonach die Entscheidungen des Präsidenten über allen juristischen Schritten stehen.
Im Falle einer Ablehnung der Verfassung an der Urne am kommenden Samstag sieht das neue Dekret die Wahl einer neuen Verfassungsgebenden Versammlung vor, die dann ein halbes Jahr Zeit erhalten soll, um ein neues Grundgesetz zu erarbeiten. Angesichts der Mehrheit der Muslimbrüder und radikaler Islamisten gilt eine Zustimmung zum Verfassungsentwurf jedoch als sicher.
Opposition kündigt weitere Proteste an
Ägyptens Opposition hat trotz der jüngsten Zugeständnisse von Präsident Mohammed Mursi die Fortsetzung ihrer Proteste angekündigt. Die Jugend-Revolutionsbewegung 6. April kritisierte, dass der Termin für das am 15. Dezember geplante Verfassungsreferendum nicht verschoben wurde.
«Wir werden unsere Proteste so lange fortsetzen, bis die Abstimmung abgesagt wird», zitierte die ägyptische Tageszeitung «Al-Ahram» die Gruppe am Sonntag.
Auch Friedensnobelpreisträger Mohammed El Baradei wandte sich gegen das Referendum. Die Opposition werde den Verfassungsentwurf stoppen, «der unsere Rechte und Freiheiten unterdrückt», erklärte er über den Kurznachrichtendienst Twitter.
Mursi hatte am Samstag seine erst vor zwei Wochen beschlossenen Sondervollmachten wieder ausser Kraft gesetzt. An dem Verfassungsreferendum hielt er aber fest. Kritiker sehen in der Vorlage einen ersten Schritt in Richtung Gottesstaat.
(sda/dapd)
Fragen und Antworten rund um die Kommentar-Funktion
«Warum dauert es manchmal so lange, bis mein Kommentar sichtbar wird?»
Unsere Leser kommentieren fleissig - durchschnittlich gehen Tag für Tag 4000 Meinungen zu allen möglichen Themen ein. Da die Verantwortung für alle Inhalte auf der Website bei der Redaktion liegt, werden die Beiträge vorab gesichtet. Das dauert manchmal eben einige Zeit.
«Gibt es eine Möglichkeit, dass mein Beitrag schneller veröffentlicht wird?»
Wer sich auf 20 Minuten Online einen Account zulegt und als eingeloggter User einen Beitrag schreibt oder auf einen Kommentar antwortet, der wird vorrangig behandelt. Hat ein eingeloggter User bereits viele Kommentare verfasst, die freigegeben wurden, so werden seine neuen Beiträge mit oberster Priorität behandelt.
«Warum wurde mein Kommentar gelöscht?»
Womöglich wurde der Beitrag in Dialekt verfasst. Damit alle deutschsprachigen Leser den Kommentar verstehen, ist Hochdeutsch bei uns Pflicht. Sofort gelöscht werden Beiträge, die Beleidigungen, Verleumdungen oder Diffamierungen enthalten. Auch Kommentare, die aufgrund mangelnder Orthografie quasi unlesbar sind, werden das Licht der Öffentlichkeit nie erblicken. (oku)
Haben Sie allgemeine Fragen zur Kommentarfunktion?
Schreiben Sie an feedback@20minuten.ch
Hinweis: Wir beantworten keine Fragen, die sich auf einzelne Kommentare beziehen.
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Deshalb können Storys, die älter sind als 72 Stunden, nicht mehr kommentiert werden. Wir bitten um Verständnis.
-
Alle 33 Kommentare

Die Printausgabe von 20 Minuten gibts jetzt auch als ePaper.
Die 20 Minuten App Familie
Thank god it's Friday!
DIE Nightlife-Website für Partyverrückte aus aller Welt



















Durchsetzen Mursi
Ägypten braucht einen Mursi, begreifft es endlich. Das Volk braucht jemanden der ihnen täglich sagt, was, wann, wo zu erledigen ist. Sonst bleiben sie in den alten 50 igern stehen. Das hat nichts mit Diktatur zu tun, im Gegenteil, Mursi übernimmt Verantwortung und will das Land weiterentwickeln. Die Situation kann man mit einer Schulklasse vergleichen, bei der Mursi der Lehrer ist. Godwill braucht es jetzt und kein unfähiges Geplapper der Europäer. DAS Rezept für die Zukunft von Ägypten, in Hoffnung das die anderen Nord/Nordwestafrikanischen Staaten mitziehen.
@Nabil Al-Khelani
Genau so sehe ich das auch, aber so kurz und klar konnte ich es nie formulieren. Danke für diese sachliche und neutrale Darstellung.
Ein Schritt zurück!
Lieber einen korrupten Staatsapperat, als ein Land wo der Staat und die Religion nicht getrennt sind. Der Weg in den Fortschritt führt nur über die Säkularisierung. Stellt euch vor wie weit wir wären, wenn wir die Trennung von Staat und Kirche nicht vollzogen hätten.