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Machtkampf in Ägypten
04. Dezember 2012 18:05; Akt: 05.12.2012 10:25 Print
Proteste eskalieren - Mursi verlässt Palast
In Kairo ist die Polizei gewaltsam gegen Demonstranten vorgegangen, die gegen Präsident Mursi demonstrierten. Vor dem Präsidentenpalast haben diese die Stacheldrahtabsperrungen durchschnitten.
Mehr als 100'000 Ägypter haben am Dienstagabend gegen Präsident Mohammed Mursi und die Übermacht der Islamisten im Land demonstriert. Kurzzeitig kam es zu Krawallen, als einige der Demonstranten auf dem Marsch zum Präsidentenpalast in Kairo eine Strassensperre zur Seite räumten. Die Polizei ging mit Tränengas gegen die Menge vor, mindestens 17 Menschen wurden laut einem Bericht der amtlichen Nachrichtenagentur MENA verletzt.
Bildstrecken Massendemos gegen «Pharao» Mursi Infografik Die arabische Welt im UmbruchDer grosse Zustrom bei der Kundgebung war ein weiteres Zeichen der Unterstützung für die Opposition bei ihren Protesten gegen den von den Islamisten durchgeboxten Verfassungsentwurf und die neuen, fast unbegrenzten Machtbefugnisse des Präsidenten. Bereits vor einer Woche hatten mehr als 200'000 Menschen auf dem Kairoer Tahrir-Platz demonstriert, vergangenen Freitag waren es ähnlich viele.
Nach den kurzen Zusammenstössen am Dienstag liessen die Sicherheitskräfte den Demonstrationszug passieren, dem sich in den Abendstunden immer mehr Menschen anschlossen. Mursi habe den Palast auf Anraten seiner Leibwächter über einen Hintereingang verlassen, als die Menge auf dem Weg zu seinem Palast anwuchs, sagte ein Mitarbeiter des Präsidenten. Mursis Sprecher betonte allerdings, dass der Präsident am Ende seines Arbeitstages den Palast durch die selbe Tür wie immer verlassen habe.
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(Quelle: Reuters)
Aufrufe zum Rücktritt
Mehr als 100'000 Menschen versammelten sich vor den Mauern des Gebäudekomplexes, Tausende weitere in der näheren Umgebung. Auch am Tahrir-Platz, mehrere Kilometer vom Palast entfernt, demonstrierten Zehntausende. Es gab aber zunächst keine Anstalten den Sitz Mursis zu stürmen, wie einige Demonstranten im Vorfeld angekündigt hatten. Viele von ihnen riefen «Geh, Geh» und schwenkten die ägyptische Flagge. In Alexandria sowie in weiteren ägyptischen Städten kam es ebenfalls zu Protesten.
Trotz des Widerstands schien Mursi nicht gewillt zu sein, einen Kompromiss einzugehen. Der Präsident habe sich am Dienstag mit einigen hochrangigen Mitglieder seiner Regierung getroffen, um die Vorbereitungen für das geplante - und von der Opposition abgelehnte - Referendum über die neue Verfassung zu diskutierten, teilte das Büro des Präsidenten mit.
Weitere Teile der ägyptischen Gesellschaft schlossen sich inzwischen auch den Streiks gegen Mursi und dessen Muslimbruderschaft an. Nach den Richtern gingen am Dienstag auch einige Medien in den Ausstand. Mindestens acht einflussreiche Tageszeitungen stellten aus Protest gegen den Verfassungsentwurf der Islamisten ihr Erscheinen ein. Die privaten Fernsehsender wollten sich der Aktion am Mittwoch ebenfalls anschliessen und ausschliesslich schwarze Bildschirme zeigen. Viele Journalisten befürchten Einschränkungen der Meinungsfreiheit, sollte der Entwurf in einer Volksabstimmung am 15. Dezember angenommen werden.
(dapd)

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