Israel beunruhigt

23. April 2013 16:36; Akt: 23.04.2013 16:36 Print

Syrische Führung setzt offenbar Chemiewaffen ein

Ein israelischer Brigadegeneral hat den syrischen Streitkräften vorgeworfen, im Kampf gegen die Rebellen auf chemische Waffen zurückzugreifen. Wahrscheinlich sei Sarin eingesetzt worden.

Zum Thema
Fehler gesehen?
Fehler beheben!
Senden

Der israelische Militärgeheimdienst beschuldigt die syrische Führung, im Kampf gegen die Rebellen chemische Waffen einzusetzen. Höchstwahrscheinlich sei Sarin zum Einsatz gekomen, sagte der israelische Brigadegeneral Itai Brun.

Auf einer Konferenz in Tel Aviv verwies Brun auf Symptome, die bei Opfern beobachtet worden sein sollen: «Die zusammengezogenen Pupillen, der Schaum, der aus dem Mund kommt, und andere Anzeichen, die wir gesehen haben, deuten darauf hin, dass tödliche chemische Waffen benutzt werden», sagte er in einer Rede, die in Ausschnitten im Radio zu hören war.

Demnach könnte Sarin eingesetzt worden sein. Sarin wurde in den 1930er-Jahren als Pflanzenschutzmittel entwickelt und später als Waffe eingesetzt. Es handelt sich um ein geruchs- und farbloses Nervengift, das die Atemmuskeln lähmt und zum Tod führen kann.

Spekulationen nicht neu

Über den Einsatz von Chemiewaffen im Syrien-Konflikt wurde bereits mehrfach spekuliert. Mitte April berichtete die britische Tageszeitung «Times», britische Militärexperten hätten in einer Bodenprobe aus Syrien Beweise für die Verwendung derartiger Kampfstoffe entdeckt.

Zuvor hatten UNO-Diplomaten erklärt, westliche Staaten hätten «harte Beweise» für den Einsatz von Chemiewaffen in Syrien. Details wurden nicht genannt.

Die NATO zeigte sich nach Worten ihres Generalsekretärs Anders Fogh Rasmussen «extrem besorgt» über den möglichen Einsatz von Chemiewaffen. Nach einem Treffen der NATO-Verteidigungsminister sagte Rasmussen, die NATO habe Notfallplanungen, um jederzeit ihr Bündnismitglied Türkei schützen zu können.

Bischöfe entführt

Im Norden von Syrien wurden am Montag zwei christliche Bischöfe von bewaffneten Angreifern verschleppt. Der syrisch-orthodoxe Erzbischof von Aleppo, Gregorios Johanna Ibrahim, und sein griechisch-orthodoxer Kollege Paul Jasigi seien bei einem humanitären Einsatz in der nördlichen Provinz Aleppo entführt worden.

Die griechische Regierung bestätigte am Dienstag einen entsprechenden Bericht der staatlichen syrischen Nachrichtenagentur Sana. «Terroristen haben das Auto der Bischöfe im Dorf Kafr Dael abgefangen», hiess es.

Christliche Bewohner von Aleppo sagten der Nachrichtenagentur AFP, Ibrahim sei im Auto unterwegs gewesen, um Jasigi vom Übergang Bab al-Hawa an der türkischen Grenze abzuholen, der von Aufständischen kontrolliert wird. Die Bewaffneten hätten das Auto gestoppt und den Fahrer getötet.

Entführungen nehmen zu

Der Sprecher der griechischen Regierung, Simos Kedikoglou, sagte am Dienstag, Aussenminister Dimitris Avramopoulos habe mit dem Interimschef der syrischen Opposition, George Sabra, telefoniert und dieser habe zugesichert, die Entführten ausfindig zu machen und zu befreien.

In Syrien begann im März 2011 der Aufstand gegen Staatschef Baschar al-Assad. In dem Konflikt starben nach UNO-Angaben bereits mehr als 70'000 Menschen. Angesichts der unsicheren Lage nehmen auch die Entführungen in dem Land zu. Minderheiten wie die Christen, die etwa fünf Prozent der syrischen Bevölkerung ausmachen, sind nach Angaben von Menschenrechtsgruppen besonders gefährdet.

(sda)