Krise in Ägypten

11. Dezember 2012 14:31; Akt: 11.12.2012 14:31 Print

Tumulte beim Präsidentenpalast in Kairo

Die Gegner und die Anhänger von Präsident Mursi wollen heute gleichzeitig auf der Strasse demonstrieren. Zusammenstösse der beiden Fronten sollen vermieden werden. Rund 200 Demonstranten haben die Absperrungen vor dem Präsidentenpalast in Kairo durchbrochen.

Bildstrecke im Grossformat »
Demonstranten feiern den Durchbruch in die gesperrte Zone vor dem Präsidentenpalast. Sie überwanden die Stacheldrahtbarrikaden offenbar ohne Gewaltanwendung. Wieder hatten Zehntausende gegen Präsident Mohammed Mursi demonstriert und seinen Rücktritt gefordert. Mursis Gegner wollen vor allem, dass das Referendum über die islamistisch gefärbte Verfassung fallengelassen wird und der Präsident die Vollmachten, die er sich gegeben hat, wieder aufgibt. Da waren die Demonstranten noch hinter der durch Panzer gesicherten Absperrung vor dem Palast des Präsidenten. Doch bald rissen die Protestierenden die stacheldrahtgesicherten Schranken herunter. Nicht jedem scheint dabei wohl zu sein, doch ... ... die Demonstranten liessen sich nicht aufhalten und strömten zu den Mauern des Palastes von Präsident Mohammed Mursi. Einheiten der republikanischen Garde gingen am Haupttor des Komplexes in Stellung. Andere Demonstanten riefen «Friedlich, friedlich». Insgesamt hatten sich bis zu 10'000 Menschen vor dem Palast versammelt, um gegen Mursi und seine Dekrete zur Ausweitung seiner Macht sowie den von Islamisten geprägten Verfassungsentwurf zu demonstrieren. Bei den Protesten der vergangenen Tage sind sieben Menschen ums Leben gekommen. Nach dem Willen Mursis sollen die Ägypter am 15. Dezember über den Verfassungsentwurf abstimmen. Säkulare und christliche Ägypter laufen gegen den Entwurf Sturm. Auf dem Schild diese Demonstranten steht: «Nieder mit Adolf Mursi, nieder mit dem neuen Hitler!»

In Ägypten haben Demonstranten am Freitagabend, 7. Dezember, die Barrikaden um den Präsidentenpalast in Kairo durchbrochen. Die republikanische Garde ist in Stellung gegangen.

Zum Thema
Fehler gesehen?
Fehler beheben!
Senden

Rund 200 Demonstranten in Ägypten haben am Dienstag versucht, die Absperrungen vor dem Präsidentenpalast in Kairo zu durchbrechen. Soldaten hinderten sie daran, wie ein Korrespondent der Nachrichtenagentur AFP berichtete. Zum Einsatz von Gewalt kam es nicht.

Hunderte Soldaten sicherten am Dienstag die Metallabsperrungen und eine aus Betonblöcken gebildete Mauer vor dem Palast. Präsident Mohammed Mursi hatte die Armee am Montag per Dekret mit Polizeibefugnissen ausgestattet: Sie darf nun Zivilisten festnehmen und soll die Polizei unterstützen.

Im Laufe des Tages waren Grosskundgebungen der Gegner und Anhänger Mursis in der ägyptischen Hauptstadt geplant. Die Proteste richten sich gegen eine für Samstag geplante Volksabstimmung über einen Verfassungsentwurf. Die Opposition befürchtet eine Islamisierung durch den von den Islamisten durchgesetzten Entwurf.

«Das Volk will die Einführung der Scharia»

Die Demonstrationen werden an verschiedenen Orten stattfinden. Die Organisatoren der Opposition erklärten, sie hätten die Routen für ihre Protestmärsche so gewählt, dass Zusammenstösse mit den Mursi-Anhängern vermieden würden.

Anhänger des Präsidenten hatten am Montagabend bereits in Luxor demonstriert. Die Muslimbrüder riefen: «Das Volk will die Einführung der Scharia». Ausserdem forderten sie die Passanten auf, bei der Volksabstimmung am Samstag für die Verfassung zu stimmen.

Schiesserei mit Verletzten

Bei einer Schiesserei auf dem von Demonstranten besetzten Tahrir-Platz in Kairo wurden am frühen Morgen neun Menschen verletzt. Staatliche Medien berichteten, nach einem Streit zwischen Demonstranten und Strassenhändlern seien Schüsse gefallen.

Das Nachrichtenportal «youm7» meldete, ein Anhänger Mursis sei an den Folgen von Verletzungen gestorben, die er sich bei der Strassenschlacht zwischen Mursi-Gegnern und Muslimbrüdern vor dem Präsidentenpalast am Mittwoch vergangener Woche zugezogen hatte.

(sda)