Bomben in Damaskus

23. November 2012 16:55; Akt: 23.11.2012 16:56 Print

Vier Tote bei Anschlag auf Flüchtlingslager

Syrische Regierungstruppen bombardierten mehrere von Rebellen besetzte Viertel. Bei einem Anschlag in einem palästinensischen Flüchtlingslager kamen vier Menschen ums Leben.

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Der syrische Bürgerkrieg hat auch in der Hauptstadt Damaskus wieder Blutzoll gefordert: Bei einem Bombenanschlag in einem palästinensischen Flüchtlingslager kamen am Donnerstagabend vier Menschen ums Leben.

Das Lager liegt nahe den südlichen Stadtteilen Tadamon und Hadschar Aswad, wo sich Rebellen und Regierungstruppen seit Wochen Gefechte liefern.

Die in London ansässige Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtete, dass Regierungstruppen am Freitag die von Rebellen besetzten Viertel Tadamon und Hadschar Aswad bombardiert hätten.

Zudem hätten Soldaten des Regimes von Präsident Baschar al-Assad in dem zentral gelegenen Stadtteil Bab Sreidsche Razzien durchgeführt. Wie Aktivisten am Freitag berichteten, wurden in Damaskus mindestens 50 mutmassliche Regimegegner festgenommen.

«Regierungstruppen stürmen seit den frühen Morgenstunden Häuser und nehmen wahllos Menschen in Damaskus und den Vororten fest», sagte der Aktivist Hajtham al-Abudullah.

Moskau warnt vor Ausweitung des Konflikts

Russland warnte angesichts der geplanten Stationierung des NATO- Abwehrsystems Patriot an der türkisch-syrischen Grenze vor einem «ernsten bewaffneten Konflikt» in der Region. Niemand könne ein Interesse daran haben, dass die NATO in den Syrien-Konflikt hineingezogen werde, sagte Aussenminister Sergej Lawrow am Freitag.

Der türkische Aussenminister Ahmed Davutoglu betonte den defensiven Charakter des Patriot-Systems. Kein Land, «und besonders Russland» müsse sich angesichts der geplanten Stationierung beunruhigt zeigen, sagte er nach einem Treffen mit dem syrischen Oppositionschef Ahmed Moas al-Chatib in Ankara.

Die Türkei hatte am Mittwoch bei der NATO die Stationierung von Patriot-Raketen an der Grenze zu Syrien beantragt.

Assad spricht mit iranischem Vertreter

In Damaskus führte Assad am Freitag ein Gespräch mit dem iranischen Parlamentspräsidenten Ali Laridschani. Der Iran gilt als wichtigster Verbündeter Syriens in der Region und soll nach Angaben von Regimegegnern die Streitkräfte mit Waffen und Personal unterstützen.

Katar hingegen forderte die oppositionelle Nationalkoalition auf, einen Botschafter zu benennen, wie die Nachrichtenagentur Katari berichtete.

Vergangene Woche hatte Frankreich als erster westlicher Staat die Nationalkoalition als Vertreter des ganzen syrischen Volkes anerkannt und signalisiert, einen Botschafter des Bündnisses in Paris zu akzeptieren. Die USA sind nach den Worten von Präsident Barack Obama noch nicht bereit, die Nationalkoalition als «Exilregierung» anzuerkennen oder zu bewaffnen.

Kämpfe zwischen Kurden und Islamisten

In Syrien kam es nahe der Grenze zur Türkei am Freitag in der Stadt Ras al-Ajan zu Kämpfen zwischen kurdischen Schützen, die auf der Seite von Assad stehen, und islamistischen Extremisten, die Verbindungen zur Terrororganisation Al-Kaida haben sollen.

Die Opposition ist sich nicht einig, wie sie mit Extremisten umgehen soll. Die Kurden wiederum sind mit der PKK in der Türkei verbündet, die für ein autonomes Kurdistan kämpft.

Die Londoner Beobachtungsstelle meldete, dass am Donnerstagabend in der Stadt Deir al-Saur die Leiche des syrischen Autoren Mohammed Raschid Roweili entdeckt worden sei. Bei dem Toten fanden sich die Leichen vier weiterer Männer, die mit Roweili zusammen vor zwei Monaten entführt worden waren.

Das Staatsfernsehen machte «Terroristen», wie die Rebellen von der Regierung häufig genannt werden, für die Morde verantwortlich. Ein Mitarbeiter des Staatsfernsehens wurde nach Angaben der amtlichen Nachrichtenagentur SANA am Donnerstag vor seinem Haus in Damaskus erschossen.

(sda)