Möchtegern-Präsidenten

08. November 2012 09:23; Akt: 08.11.2012 18:56 Print

Ist Mitt Romney jetzt endgültig erledigt?

von S. Hehli - Adlai Stevenson scheiterte zweimal. Richard Nixon schaffte es im zweiten Anlauf. Al Gore verzichtete, setzte dafür als Umweltbotschafter zum Höhenflug an. Was wird aus Mitt Romney?

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Richard Nixon war nicht unterzukriegen. Obwohl er sich schon früh in seiner politischen Karriere mit Korruptionsvorwürfen konfrontiert sah und den Spitznamen «Tricky Dick» bekam, steckte er die Niederlage als republikanischer Präsidentschaftskandidat 1960 gegen den Demokraten John F. Kennedy weg: 1969 zog er dann doch ins Weisse Haus ein. Seit Beginn des 20. Jahrhunderts ist der Kalifornier der einzige, dem dieses Kunststück als vormals gescheitertem Kandidat gelang – ein schlechtes Omen für Mitt Romneys künftige politische Karriere.

Romney selber hat sich nach der Niederlage noch nicht zu seiner Zukunft geäussert. Er ist 65 – und damit eigentlich noch nicht zu alt für einen weiteren Anlauf. Obamas Herausforderer von 2008, John McCain, war damals 72. Ronald Reagan war fast 70, als er 1980 die Wahl gewann. Und doch spricht einiges gegen ein Comeback von Romney in vier Jahren.

Er ist nun zweimal gescheitert – 2008 bereits in der Vorausscheidung der Republikaner. In seiner Partei wird der wenig prinzipientreue Mormone eher geduldet als geliebt. Vor allem den evangelikalen Fundamentalisten ist er wegen seines Glaubens suspekt.

Eine dritte Chance wirds kaum geben

Entsprechend unwahrscheinlich ist, dass Romney in die Fussstapfen von Adlai Stevenson tritt: Der Demokrat war 1956 der letzte Präsidentschaftskandidat, der vier Jahre nach einer Niederlage nochmals antreten durfte – ohne Erfolg. Zu schwer lastet seither die Hypothek eines Verlierer-Images. Ein politisches Mandat, auf das er sich nun konzentrieren könnte, hat Romney im Gegensatz zu seinem Vizekandidaten, dem Abgeordneten Paul Ryan, nicht: Den Posten des Gouverneurs von Massachusetts gab er bereits 2007 ab. Dennoch glaubt sein Rivale aus den Vorwahlen, Newt Gingrich, dass Romney innerhalb der Partei eine wichtige Rolle spielen werde.

Eine solche hat der mittlerweile 76-jährige John McCain inne. Der Senator ist in Washington der führende Sicherheitspolitiker seiner Partei – und geisselt als Wortführer des gemässigten Flügels der Republikaner die konservative und staatsfeindliche Tea Party. McCain ist ein gutes Beispiel dafür, dass ein gescheiterter Kandidat nicht in der Bedeutungslosigkeit versinken muss. Ebenso John Kerry, der 2004 gegen George W. Bush verlor: Der Demokrat aus Massachusetts präsidiert den einflussreichen aussenpolitischen Ausschuss des Senats.

Gore ist der Präsenteste

Al Gore, der 2000 extrem knapp Bush Junior unterlag, strebte danach kein politisches Amt mehr an – obwohl er 2008 als Präsidentschaftsanwärter gehandelt wurde. Stattdessen profilierte er sich als Umweltschutz-Guru, gewann einen Oskar für den Dokumentarfilm «Eine unbequeme Wahrheit» und erhielt 2007 gar den Friedensnobelpreis.

Kaum mehr öffentlich präsent sind hingegen früher gescheiterte Kandidaten. Bob Dole ist bereits 89-jährig. Er arbeitete nach seiner Nichtwahl 1996 als Anwalt in Washington. Michael Dukakis (79) blieb nach dem Misserfolg 1988 noch zwei Jahre lang Gouverneur von Massachusetts – als einer der Vorgänger von Romney. Danach lehrte er Politikwissenschaft an einer Uni in Boston. Ein Spezialfall unter den Gescheiterten ist George Bush senior, der 1992 für eine zweite Amtszeit kandidierte, aber Bill Clinton den Vortritt lassen musste. Der damals 69-jährige Bush setzte sich danach zur Ruhe und ist mit 88 Jahren mittlerweile der älteste noch lebende Ex-Präsident der USA.

Wie weiter mit Ryan?

Um seine Zukunft muss Multimillionär Romney nicht bangen – zumindest nicht finanziell. Pascal-Emmanuel Gobry, ein Autor von Forbes.com, legt ihm nahe, eine Stiftung zu gründen und zu betreiben, die dem pragmatischen Flügel der Republikaner neues Leben einhauchen soll. Ein Laboratorium von Mitterechts-Ideen. «Romneys ideologische Geschmeidigkeit wäre in diesem Kontext ein Plus, keine Belastung», schreibt Gobry.

Welchen Weg auch immer Mitt Romney einschlagen wird – für seinen «running mate» Paul Ryan ist die politische Laufbahn noch lange nicht zu Ende. Der smarte 42-Jährige gilt als Hoffnungsträger des rechten Flügels der Republikaner: Er will den Staat kleinsparen, ist gegen Abtreibung und Homoehe und gilt auch als aussenpolitischer Falke.

Um aber selber irgendwann einmal Präsident werden zu können, müsste Ryan eine historische Kontinuität durchbrechen: Seit Franklin D. Roosevelt 1936 schaffte nie mehr ein Politiker, der als Vizekandidat gescheitert war, die Wahl zum mächtigsten Mann der Welt.


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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Hendrik M. am 08.11.2012 13:19 Report Diesen Beitrag melden

    Erledigt ?

    kann nur jemand sein, der nichts hat, ist und wird. Romney hat und ist viel mehr als der "Präsident" Zudem hat er auch viel mehr für dieses Lanfd gemacht. Somit muss man für Romney keine Angst haben. Der Präsident aber hat keinen Leistungsausweis, nimmt aber ein grosses Geld in die pers. Tasche.

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  • Bob Ter am 08.11.2012 10:44 Report Diesen Beitrag melden

    Mit 65 abtreten

    Auch Sesselkleber-Politiker müssten mit 65 abtreten und jüngeren Platz machen und nicht bis zur völligen Demenz Regieren.

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  • Philippe am 08.11.2012 11:49 Report Diesen Beitrag melden

    Ach schau doch mal...

    Ich bin ziemlich überrascht! Schaut mal beim Stimmenanteil der bereits ausgezählten Staaten: Romney 48%;Obama 50% ->Andere 2% ? Zum ersten mal kann ich indirekt in einer renomierten Zeitung lesen, dass sich die Amerikaner eben nicht auf Demokraten und Republikaner beschränken müssen! Schliesslich gab es diese Wahl 4 weitere Kandidaten, welche nie erwähnt wurden resp. vom Zirkus gezielt ausgeschlossen wurden. Warum? Wer hinter den Vorhang schaut kann sich vorstellen warum. Falls sich jemand interessiert, würde ich ihn gerne informieren.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Rafael am 08.11.2012 13:50 Report Diesen Beitrag melden

    Mitt Romney Familienfluch, 4 Niederlagen

    Mitt Romney haftet ein Familien Fluch an. Er hat ein Looser image. Sein Vater George wollte Präsident werden und konnte in den Vorwahlen gegen Nixon nicht bestehen. Seine Mutter Lenore wollte in den Senat, schaffte es auch nicht. Mitt wollte selber in den Senat, schaffte es gegen Edward Kennedy auch nicht und jetzt das Debakel als Präsidentschaftskandidat. Er ist ein hervorragender Businessmen. Aber als Präsidentschaftskandidat scheinte er immer distanziert und schaffte es nie aus den Herzen der Menschen zu reden, nie konnte er eine Nähe zu dem Menschen der Strasse aufbauen.

    • Paulo am 09.11.2012 14:54 Report Diesen Beitrag melden

      zum Glück

      zum Glück.....denn er kennt die Herzen der arbeitenden Bevölkerung nicht.

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  • Hendrik M. am 08.11.2012 13:19 Report Diesen Beitrag melden

    Erledigt ?

    kann nur jemand sein, der nichts hat, ist und wird. Romney hat und ist viel mehr als der "Präsident" Zudem hat er auch viel mehr für dieses Lanfd gemacht. Somit muss man für Romney keine Angst haben. Der Präsident aber hat keinen Leistungsausweis, nimmt aber ein grosses Geld in die pers. Tasche.

    • David Plouffe am 09.11.2012 02:14 Report Diesen Beitrag melden

      Romeny Familie nicht fürs White House

      Auch alles Geld der Welt lässt ihn nicht Präsident werden. Auf der Romney Familie haften ein Fluch. Sein Vater George wollte Republikanischer Präsidentschaftskandidant werden und konnte gegen Nixon nicht bestehen. Romneys Mutter Leonore wollte in den Senat, konnte sich auch nicht durchsetzen. Mitt versuchte selber in den Senat ist aber gegen Ted (the Lion) Kennedy kläglich gescheitert, und jetzt das Wahl Debakel. Romney's sind gute business leute und Kirchengänger, aber nicht fürs Weisse Haus bestimmt.

    • Paulo am 09.11.2012 15:08 Report Diesen Beitrag melden

      er ist erledigt

      Doch Hendrik, als Präsidenten-Anwärter ist er erledigt und nur um das geht es hier. Es interessiert absolut niemand, was für einen Leistungsausweis er aus seinem Wirtschafts-u. Privatleben mitbringt.

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  • M. Mertens am 08.11.2012 12:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Highlight ist der Begriff:

    "Romneys ideologische Geschmeidigkeit" als Beschreibung für stets wechselnde Meinungen. :-)

    • Paulo am 09.11.2012 15:09 Report Diesen Beitrag melden

      Hammer :-)

      diesen Ausdruck fand ich auch Hammer. Bei uns heisst das ja "die Fahne in den Wind stellen" ;-)

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  • Philippe am 08.11.2012 11:49 Report Diesen Beitrag melden

    Ach schau doch mal...

    Ich bin ziemlich überrascht! Schaut mal beim Stimmenanteil der bereits ausgezählten Staaten: Romney 48%;Obama 50% ->Andere 2% ? Zum ersten mal kann ich indirekt in einer renomierten Zeitung lesen, dass sich die Amerikaner eben nicht auf Demokraten und Republikaner beschränken müssen! Schliesslich gab es diese Wahl 4 weitere Kandidaten, welche nie erwähnt wurden resp. vom Zirkus gezielt ausgeschlossen wurden. Warum? Wer hinter den Vorhang schaut kann sich vorstellen warum. Falls sich jemand interessiert, würde ich ihn gerne informieren.

    • Luzia am 08.11.2012 12:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Gerne

      Würde mich sehr interessieren!! Davon habe ich keine ahnung.......

    • tim am 08.11.2012 12:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      deiner meinung

      stimmt. alles big show. besser gesagt big betrug. der nach obama kommt ist auch schon bestimmt

    • arber am 08.11.2012 12:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Neue Weltordnung

      Meinst du etwa die Iluminati-Verschwörung? da würde ich dir vollkommen zustimmen.

    • iosrules am 08.11.2012 13:05 Report Diesen Beitrag melden

      welche?

      und wer sind den die 4 weiteren Kandidaten?

    • diens am 08.11.2012 13:14 Report Diesen Beitrag melden

      Schon immer so

      Das merken Sie erst jetzt? Das war schon immer so, dass es die sogenannten Independent gibt, dieses Jahr waren es übrigens 3 und nicht 4.. Aber danke für den klugen Hinweis und die wahrscheinlich folgenden Verschwörungstheorien.

    • Freddy Gubser am 08.11.2012 13:46 Report Diesen Beitrag melden

      Das war schon immer so

      Bei der ersten Wahl von Bush ging man ja davon aus, dass die Grünen um Ralph Nader dem Demokraten wahrscheinlich die nötigen Stimmen "wegschnappten" (ca. 3 Millionen). Es gibt durchaus politische Alternativen - aber die sind alle so minim, dass sich eine Berichterstattung eigentlich nicht lohnt, sie werden sowieso nicht gewählt. Es gilt wie immer, die Medien berichten über das, was das Volk sehen will... und nicht über das, was wirklich wichtig wäre. Und in den USA sind die meisten Leute, entgegen dem was man im TV sieht, politisch sehr desinteressiert.

    • Gewiso am 08.11.2012 14:31 Report Diesen Beitrag melden

      Grund?

      Was ist denn ihre Erklärung?

    • Peter Müller am 08.11.2012 15:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      nichts neues

      Dass weiss doch jeder dass es mehr Kandidaten gibt. Nur haben diese eben keine Parteimillionen für den Wahlkampf zur Verfügung somit ist das Thema erledigt. USA halt

    • Mitch Jasper am 08.11.2012 17:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Nur Unbedeutend

      Schau doch mal bei google elections nach... Dort steht genau, welche andere Kandidaten wieviel Stimmen erhalten haben!

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  • Jackmans am 08.11.2012 11:28 Report Diesen Beitrag melden

    Eher Rückzug

    Ein Republikaner, der in seiner Partei eher geduldet, als wirklich geliebt wird, dürfte auf dem politischen Parkett wenig Erfolgschancen haben. Ein Rep wie McCain, der gar den erzkonservativen Flügel geisselt hat wie bewiesen mehr politische Chancen gehabt u wäre auch als Präsident eine gute Wahl gewesen. Solange aber sich die Reps von erzkonservativen Kreisen so stark beeinflussen lassen, dürfte esfür diese Partei auch in Zukunft schwieriger erweisen, da die Zeiten sich geändert haben u sie den Zug des Konsens verpassten. M.R. wird sich wohl zurück ziehen, schätze ich mal.