Pannen-Mitt

19. September 2012 09:12; Akt: 19.09.2012 10:15 Print

Rechte Blogger reiten Romney ins Elend

von Peter Blunschi, New York - Mitt Romney beschimpft die Hälfte der Amerikaner als Schmarotzer. Der Wahnsinn hat Methode: Er plappert rechte Parolen nach und stolpert damit von Flop zu Flop.

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Mitschnitt von der Wahlveranstaltung von Mitt Romney. (Video: YouTube/WeAreTheSavageNation) Im Grossformat auf dem Videoportal Videoportal
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Derzeit vergeht keine Woche ohne peinliche Schlagzeilen für Mitt Romney. Am Montag veröffentlichte das linksgerichtete US-Magazin «Mother Jones» auf seiner Website ein Video, das im Mai heimlich während eines Nachtessens mit Spendern aufgenommen wurde. Der Präsidentschaftskandidat der US-Republikaner zieht darin über jene «47 Prozent» her, die im November ohnehin Barack Obama wählen würden. Diese fühlten sich als «Opfer», die Anspruch auf staatliche Leistungen erheben und keine Einkommenssteuern zahlen würden.

Als Kandidat für das Weisse Haus sei es nicht seine Aufgabe, sich «um diese Leute zu kümmern», sagte Romney: «Ich werde sie nie davon überzeugen, dass sie Verantwortung für sich und ihr Leben übernehmen müssen.» Der Autor des «Mother Jones»-Artikels sagte dem Fernsehsender MSNBC, das Dinner habe am 17. Mai im Haus des Finanzinvestors Marc Leder in Boca Raton (Florida) stattgefunden. Die reichen Geldgeber blätterten je 50 000 Dollar hin, um Romneys Ausführungen lauschen zu dürfen.

Romney-Wähler mitgemeint

Auszüge aus dem Video kursieren seit Wochen im Internet. Ausserhalb der linken Szene interessierte sich kaum jemand dafür. Mit dem neusten Clip änderte sich alles, denn Wählerbeschimpfung kommt in den USA gar nicht gut an. Entsprechend zerknirscht zeigte sich der republikanische Kandidat. Auf einer rasch einberufenen Pressekonferenz am Montagabend räumte Mitt Romney ein, seine Kommentare seien «nicht elegant» formuliert gewesen. Doch der Schaden war angerichtet, die Reaktionen waren entsprechend heftig.

US-Medien wiesen süffisant darauf hin, dass sich unter den «47 Prozent» wohl zahlreiche Romney-Wähler befinden. Etwa jene Senioren, die ausser der staatlichen Altersrente kaum ein Einkommen haben und deshalb keine Steuern zahlen. 60 Prozent der Nicht-Steuerzahler hätten zudem einen Job und würden über Lohnabzüge in die Rentenkasse einzahlen. Und «Washington Post»-Blogger Ezra Klein macht die von den republikanischen Präsidenten Ronald Reagan und George W. Bush durchgesetzten Steuersenkungen dafür verantwortlich, dass viele Amerikaner mit geringem Einkommen keine Steuern zahlen.

Schuld ist Obama

Mitt Romney versuchte sich am Dienstag auf dem ihm wohlgesinnten Sender Fox News zu verteidigen. Schuld an der Misere sei Präsident Obama, in seiner Amtszeit sei die Zahl der Armen stark angestiegen. «Die Leute würden gerne Steuern zahlen», meinte Romney. Rechtsausleger wie der Radiotalker Rush Limbaugh witterten zudem eine Chance für ihren Kandidaten: Er müsse den Leuten erklären, dass sie «nicht zu den 47 Prozent gehören müssen». Genau das aber hat Romney in Florida ausgeschlossen.

Für manche Analysten hat sich Mitt Romney einmal mehr als arroganter «Einprozenter» und kalter Zahlenmensch entlarvt, dem die Nöte einfacher Menschen fremd sind. Falsch ist der Befund nicht, doch das Magazin «The Atlantic» hat auf seiner Website einen weiteren interessanten Ansatz geschildert. Aus Angst, von den Konservativen als «moderat» betrachtet zu werden, plappere der ehemalige Gouverneur von Massachusetts die Parolen rechter Kommentatoren und Blogger nach und stolpere so von einem Fettnapf zum nächsten.

Obamas angebliche Entschuldigungen

Die «47 Prozent» etwa hat Eric Erickson, Betreiber der Website Red State, im letzten Herbst geprägt, als Reaktion auf die Occupy-Parole «Wir sind die 99 Prozent!». Er sei stolzer Teil jener 53 Prozent, die Steuern zahlen, meinte Erickson. Ebenfalls grosser Beliebtheit unter Amerikas Rechten erfreut sich die Behauptung, Barack Obama entschuldige sich in der Welt und besonders bei den Muslimen ständig für die USA. Faktenprüfer wie jene der «Washington Post» haben längst nachgewiesen, dass der Präsident sich nie entschuldigt hat.

Mitt Romney aber gab nicht nur seinem letzten Buch den Titel «No Apologies» (Keine Entschuldigungen). Obamas angebliche Kotaus waren auch Anlass für das Statement, das Romneys Wahlkampfteam nach den Angriffen auf die US-Vertretungen in Kairo und Bengasi am letzten Dienstag veröffentlicht hatte. Obwohl der Zeitpunkt als verfrüht kritisiert wurde, legte Romney tags darauf an einer Pressekonferenz nach – und musste sich vorwerfen lassen, mit dem Tod des US-Botschafters in Libyen Wahlkampf zu betreiben.

Die schwierige Politgeographie

Damit erhärtet sich der Eindruck, dass Mitt Romney unfähig ist, eigene Standpunkte zu formulieren und das sagt, was das jeweilige Publikum hören will. Die Abgesänge diverser US-Medien auf den Republikaner wirken trotzdem verfrüht. Vor vier Jahren leistete sich Barack Obama an einem Spendenanlass ebenfalls einen Ausrutscher, als er über «verbitterte» Provinzler sprach, die sich «an die Religion und Waffen klammern». Die Äusserung gelangte an die Öffentlichkeit, trotzdem gewann er die Wahl.

Im Oktober stehen noch drei TV-Debatten an, und der Frust im Land bleibt hoch. Mehr Flops aber kann sich Mitt Romney kaum leisten, denn die Herausforderung für ihn ist schon gross genug. Der «New York Times»-Statistiker Nate Silver hat Amerikas Politgeographie analysiert und die Chancen der Kandidaten in den «Swing States» wie Ohio, Florida und Wisconsin ausgelotet. Sein Befund ist eindeutig: «Obama dürfte genügend Wackelstaaten gewinnen, um die Wahl für sich zu entscheiden.»

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Swiss Chris am 19.09.2012 18:42 Report Diesen Beitrag melden

    Romney bediente sich statistiken

    Romney's Aussagen waren alle auf statistiken des Bundes gestuetzt und fuer jeden nachlesbar. Er hat es nicht selber erfunden wie hier geschrieben wird!

  • Z. am 19.09.2012 17:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Pro Obama, gegen Engstirnige

    Wer ernsthaft Republikaner wählt, glaubt auch noch an Magie! Es war nicht das erste, und nicht das letzze mal das die Republikaner (Zu Bushs Zeiten) die Wirtschaft gegen die Wand gefahren haben. Auch in Italien hat man wunderbar gesehen was die Rechten erreicht haben - einen Auffahrunfall mit der Wirtschaft inklusive Fahrerflucht. Retten durften anschliessend die Linken! Obama musste also den Dreck seines Vorgängers beseitigen und die Wirtschaft vor dem kollaps retten. In Meinen Augen (und auch laut Zahlen) hat er seinen Job richtig gemacht. Das er nicht zaubern kann ist nicht sein Problem!

  • James Finch am 19.09.2012 15:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    blabla

    Hört doch entlich auf die amerikanische Politik mit der in der Schweiz herrschende direkte Demokratie zu vergleichen. Ich persönlich bin Patriot und liebe mein Land wo ich geboren bin, (geboren in Dallas) trotzdem würde ich die Demokraten wählen. Rebublikanker sind Patrioten, Rebublikaner = SVP... ALLES QUATSCH, was manche hier behaupten!!

    • P. Buchegger am 19.09.2012 16:48 Report Diesen Beitrag melden

      @James Finch: Helfen Sie uns

      Ihr Land besser zu verstehen. Sagen Sie uns doch, mit welcher Partei in der Schweiz die Republikaner noch am ehesten vergleichbar sind, wenn man die Parteiprogramme vergleicht?

    • Z. am 19.09.2012 17:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Finch:

      Stimmt, sie haben recht damit das die Republikaner nicht wie die SVP sind, die Republikaner sind noch sehr viel weiter rechts! Vor allem was es den öffentlichen Rassismus gegen z.B. Latinos und Schwarze sowie die Todesstrafe angeht! Die Demokraten sind ihrerseits auch eher mit unseren Mitter(rechts)-Parteien zu vergleichen. Früher waren die Republikaner noch nicht so extrem, aber das war vor der (Ice)Tea-Party.

    • Pat Hill am 19.09.2012 20:47 Report Diesen Beitrag melden

      @James Finch

      Wow, was fuer ein Texaner bist du den? Du haengst wahscheinlich an Obamas Tropf, sonst wuerdest du nicht so reden. Die Texaner die ich kennen lieben die Freiheit und Unabhaengigkeit vom Staat und den Feds und die wuerden niemals Dems (Sozis) waehlen.

    • Swiss Chris am 19.09.2012 22:09 Report Diesen Beitrag melden

      Go Pat!

      Ich stimme Pat Hill absolut zu!

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  • wesley clark am 19.09.2012 13:48 Report Diesen Beitrag melden

    hampelmänner

    In den USA sind seit Jahrzehnten die Präsidenten die Hampelmänner der Finanzwelt. Der einzige der versucht hat sich gegen diese Macht zu wehren, war J.F. Kennedy...

  • compaq am 19.09.2012 12:17 Report Diesen Beitrag melden

    Wahlen 2012

    für die Amerikaner wird es bei dieser Wahl nich um einen guten oder einen schlechten Kandidaten gehen sondern eher um das kleinere Übel.

    • Übel Ahner am 19.09.2012 17:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Leider

      @compac, da muss ich dich ein klein wenig korrigeren. Das ist leider schon länger fast tradition in den staaten! Leider!!!

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