Ihre Story, Ihre Informationen, Ihr Hinweis?
feedback@20minuten.ch 
Obamas zweite Amtszeit
08. November 2012 07:31; Akt: 08.11.2012 08:24 Print
Ein grosser Präsident – oder eine lahme Ente?
von Peter Blunschi, Chicago - Barack Obama steht in seiner zweiten Amtszeit vor enormen Herausforderungen. Bewältigen kann er sie nur, wenn er den Widerstand der Republikaner überwindet.

Barack Obama mit seinem grossen Gegenspieler John Boehner, dem Vorsitzenden des Repräsentantenhauses. (Bild: Keystone/AP/Carolyn Kaster)
Bereits am Tag nach seinem glorreichen Wahlsieg wurde US-Präsident Barack Obama mit der Realität konfrontiert: Die US-Börsen quittierten seinen Sieg mit kräftigen Kursverlusten. Zwar waren die Anleger erleichtert über den eindeutigen Wahlausgang. Gleichzeitig aber dominierte die Furcht vor der zu Jahresbeginn 2013 drohenden «Fiskalklippe», einer Kombination aus automatischen Einsparungen und Steuererhöhungen. Diese könnte den zaghaften Aufschwung abwürgen und die USA zurück in eine Rezession stürzen.
Bildstrecken Obamas WahlversprechenReaktionen auf Obamas SiegDer Wahltag in Bildern Infografik Alle US-PräsidentenDie US-Wahlen 2012Im Prinzip könnte ein US-Präsident in seiner zweiten Amtszeit befreit auftreten. Ohne Furcht um seine Wiederwahl kann er die grossen Würfe verwirklichen. Die Realität sieht oft anders aus, statt zum grossen Reformer wird ein solcher Präsident häufig zur «lahmen Ente». George W. Bush scheiterte mit seinem Plan für eine Reform der staatlichen Altersrente, wurde von Hurrikan Katrina zerzaust und konnte in seinen drei letzten Amtsjahren kaum mehr etwas bewegen. Bill Clinton flüchtete in die Aussenpolitik, nachdem er mit seinen Reformvorhaben gescheitert und von seinen privaten Eskapaden eingeholt worden war.
Blockade im Kongress
Barack Obama droht ein ähnliches Schicksal, denn die politischen Herausforderungen für den alten und neuen Präsidenten sind enorm. Entsprechend gross ist das Risiko des Scheiterns. Denn der Kongress bleibt gespalten. Im Repräsentantenhaus dominieren die Republikaner, während die Demokraten ihre Mehrheit im Senat ausbauen konnten. Diese Konstellation hatte zuletzt zu einer faktischen Totalblockade geführt. Obamas Siegesrede in Chicago war nicht umsonst ein einziger leidenschaftlicher Appell zur Zusammenarbeit.
John Boehner, der Vorsitzende des Repräsentantenhauses, zeigte ihm noch am Wahlabend die kalte Schulter. Steuererhöhungen kämen nicht in Frage, meinte er mit Blick auf die anstehenden Verhandlungen über eine Vermeidung der «Fiskalklippe». Am Mittwoch gab sich Boehner bereits versöhnlicher. Er könne sich Mehreinnahmen vorstellen, meinte er bei einem Auftritt vor den Medien. Nicht durch höhere Steuern, sondern durch das Schliessen von Schlupflöchern. Auch Harry Reid, der Führer der demokratischen Mehrheit im Senat, streckte die Hand zur Versöhnung aus: «Es ist besser zu tanzen als zu kämpfen.»
Hoffen auf den grossen Deal
Eine Gruppe von Geschäftsleuten forderte am Mittwoch laut der Website The Hill eine Übergangslösung, um die Fiskalklippe um ein Jahr hinauszuschieben. Entsprechende Spekulationen gibt es schon länger, denn eigentlich hoffen alle Seiten auf einen «grossen Deal», bestehend aus einer Steuerreform und einer Reform der vom Kollaps bedrohten Sozialwerke mit dem Ziel, die ausufernde Staatsverschuldung in den Griff zu bekommen. Wenn es um die Details geht, liegen beide Seiten allerdings weit auseinander. Präsident Obama wird mehr Verhandlungsgeschick beweisen müssen als in der Vergangenheit.
Einen möglichen Knüppel hat er allerdings, mit dem er die Republikaner unter Druck setzen kann. Er könnte zusammen mit den Demokraten im Senat eine umfassende Reform des Einwanderungsrechts vorschlagen, ein Wunschprojekt der wachsenden Latino-Gemeinschaft, die Obama zu mehr als 70 Prozent gewählt hat. Die Republikaner können es sich kaum leisten, die Latinos weiter zu brüskieren. Dem konservativen «Washington Post»-Kolumnisten George Will schwant Übles: Mit einer Einwanderungsreform könne Obama den Republikanern «ein Riff liefern, an dem sie sich selbst zerstören können».
Erste Priorität Iran
Aussenpolitisch heisst das brennendste Thema Iran: Da Teheran trotz massiver Sanktionen sein Atomprogramm weiter vorantreibt, droht Israel mit einem Militärschlag gegen die iranischen Atombunker. Die US-Regierung will deshalb laut «New York Times» in den nächsten Monaten direkte Gespräche mit dem Iran aufnehmen. Noch ist unklar, ob Teheran dazu bereit ist. Doch um einen Krieg zu vermeiden, dürfte ein solcher «hoch riskanter diplomatischer Effort» zu Obamas erster Priorität werden, so die «New York Times».
Heikel bleibt das Verhältnis zu Israel. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat unverhohlen durchblicken lassen, dass er einen Wahlsieg von Mitt Romney begrüsst hätte. Barack Obama könnte ihm dafür nun die Rechnung präsentieren, etwa mit der Forderung nach neuen Verhandlungen über einen Frieden mit den Palästinensern. Allerdings zögere Obama damit, sich in dieser Frage ernsthaft zu engagieren, meinte Martin Indyk, ein ehemaliger US-Botschafter in Israel unter der Clinton-Regierung, gegenüber der «New York Times».
Asien statt Europa
Weitere aussenpolitische Herausforderungen sind der geplante Abzug aus Afghanistan, die Umwälzungen in der arabischen Welt und die anhaltende Bedrohung durch das Terrornetz Al Kaida. In Syrien wird sich Obama trotz anhaltendem Blutvergiessen kaum stärker engagieren als bisher. Die US-Militärs wollen ein Eingreifen vermeiden, weil dies ein unkalkulierbares Risiko sei. Ein Schwerpunkt der Obama-Aussenpolitik bleibt zudem Asien und die wachsende Rivalität mit China. Die Bedeutung Europas dagegen dürfte noch weiter abnehmen. Barack Obama hat sich für diesen Kontinent nie besonders interessiert.
Es gebe noch andere drängende Themen, etwa den Klimawandel, den Obama in seiner Siegesrede wohl zum ersten Mal überhaupt in diesem Wahljahr erwähnt hat. Auch hier war er in den letzten vier Jahren am Widerstand der Republikaner gescheitert. Diesen zu überwinden ist die vielleicht grösste Herausforderung für den Präsidenten. Denn letztlich messen die Amerikaner ihren Staatschef an seiner innenpolitischen Bilanz. Sie wird darüber entscheiden, ob Barack Obama ein grosser Präsident wird – oder eine lahme Ente.
Fragen und Antworten rund um die Kommentar-Funktion
«Warum dauert es manchmal so lange, bis mein Kommentar sichtbar wird?»
Unsere Leser kommentieren fleissig - durchschnittlich gehen Tag für Tag 4000 Meinungen zu allen möglichen Themen ein. Da die Verantwortung für alle Inhalte auf der Website bei der Redaktion liegt, werden die Beiträge vorab gesichtet. Das dauert manchmal eben einige Zeit.
«Gibt es eine Möglichkeit, dass mein Beitrag schneller veröffentlicht wird?»
Wer sich auf 20 Minuten Online einen Account zulegt und als eingeloggter User einen Beitrag schreibt oder auf einen Kommentar antwortet, der wird vorrangig behandelt. Hat ein eingeloggter User bereits viele Kommentare verfasst, die freigegeben wurden, so werden seine neuen Beiträge mit oberster Priorität behandelt.
«Warum wurde mein Kommentar gelöscht?»
Womöglich wurde der Beitrag in Dialekt verfasst. Damit alle deutschsprachigen Leser den Kommentar verstehen, ist Hochdeutsch bei uns Pflicht. Sofort gelöscht werden Beiträge, die Beleidigungen, Verleumdungen oder Diffamierungen enthalten. Auch Kommentare, die aufgrund mangelnder Orthografie quasi unlesbar sind, werden das Licht der Öffentlichkeit nie erblicken. (oku)
Haben Sie allgemeine Fragen zur Kommentarfunktion?
Schreiben Sie an feedback@20minuten.ch
Hinweis: Wir beantworten keine Fragen, die sich auf einzelne Kommentare beziehen.
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Deshalb können Storys, die älter sind als 72 Stunden, nicht mehr kommentiert werden. Wir bitten um Verständnis.
-
Alle 121 Kommentare

Die Printausgabe von 20 Minuten gibts jetzt auch als ePaper.
Die 20 Minuten App Familie
Thank god it's Friday!
DIE Nightlife-Website für Partyverrückte aus aller Welt




















Mitt Romney!!!
Ich bin der Meinun mit "Schade" im unterem Verlauf der Kommentare. Nur muss ich hinzufügen was viele Wirtschaftler sagen. Romney wäre auf die länge hin die bessere Lösung gewesen. Wirklich Schade das Romney nicht gewählt wurde. Der Iran wird Atombomben bauen, Beziehung zu China wird nicht besser, Wirtschaft stagniert oder wird schlechter, Arbeitslosigkeit steigt, Truppen bleiben in Afghanistan...
Pro Obama
...und die Reichen wären dann noch reicher, die Armen noch ärmer, und das ganze Land wird von einem senilen Konservativen geführt.
Obama ist an allem schuld!
Das gewählte US-Parlament ist momentan so zusammengesetzt, dass nur Kompromisslösungen zwischen den Demokraten und den Republikanern möglich sind. Ein guter Kompromiss bedeutet aber immer, dass beide Parteien in etwa gleich zufrieden/unzufrieden mit dem Ergebnis sind. Wenn nun die Republikaner aber weiterhin, wie in den letzten zwei Jahren, jeden Kompromiss verweigern und sich die Partei durch ihre Tea Party in rechte Abseits zwängen lässt, kann doch nicht Präsident Obama dafür verantwortlich gemacht werden!
Kaum zu fassendes Theater
der Herr Boehner(Rep) hat bereits angekuendigt, dass er weiterhin Knueppel zwischen die Beine (der Dems) werfen wird. Keine sehr gute Haltung und Absicht fuer eine friedliche RepDem Koexistenz und eigentlich eine klare Offenbarung: wir wollen, dass Obama scheitert (dann werden wir wieder die Grossen)
keine mitte
leider gibts in diesem land keine mitte....ist das demokratie?