Terroranschlag in Libyen

02. November 2012 17:21; Akt: 04.11.2012 10:51 Print

Bengasi-Konsulat war faktisch CIA-Station

Die US-Regierung gerät wegen des tödlichen Angriffs auf das US-Konsulat im libyschen Bengasi immer wieder unter Druck. Wenige Tage vor dem Wahltag bekommt sie Rückendeckung von der CIA.

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Beim Angriff auf das US-Konsulat im libyschen Bengasi sind Mitarbeiter des Geheimdienstes CIA den bedrängten Diplomaten in weniger als 25 Minuten nach Eingang des ersten Notrufs zu Hilfe geeilt. Dies erklärten Mitarbeiter der CIA am Donnerstag und legten zugleich einen detaillierten Ablauf der Vorgänge am 11. September vor, dem 11. Jahrestag der Terroranschläge in den USA. Sie reagierten damit auf Medienberichte, wonach die CIA ihre Mitarbeiter vor Ort angewiesen habe abzuwarten.

Der den Republikanern nahestehende Sender Fox News hatte berichtet, CIA-Mitarbeiter in dem gut einen Kilometer vom Konsulat entfernten Geheimdienstgebäude hätten ihre Vorgesetzten angerufen und ihnen mitgeteilt, dass die diplomatische Vertretung beschossen werde. Ihnen sei daraufhin zwei Mal gesagt worden, sie sollten abwarten. Die CIA hat diesen Bericht öffentlich zurückgewiesen.

Geheimgebäude neben dem Konsulat

Geheimdienstmitarbeiter erklärten am Donnerstag vor Reportern, nach dem Notruf habe etwa ein halbes Dutzend Mitglieder eines CIA-Sicherheitsteams versucht, von libyschen Stellen schwere Waffen und andere Unterstützung zu erhalten. Als die Libyer nicht reagiert hätten, habe sich das Sicherheitsteam allein auf den Weg gemacht. Das Team sei zu keinem Zeitpunkt angewiesen worden zu warten. Alle wichtigen Entscheidungen seien vor Ort getroffen worden, von Vorgesetzten an entfernten Orten seien diese Entscheidungen auch nicht angezweifelt worden.

Laut dem «Wall Street Journal» handelte es sich bei dem Konsulat faktisch um eine CIA-Station, die nach dem Fall des Gaddafi-Regimes errichtet worden war. Von den 30 evakuierten Amerikanern waren nur sieben Diplomaten, der Rest arbeitete für den US-Auslandgeheimdienst in einem geheimen Gebäude unweit des Konsulats. Hier hatten sich sämtliche Botschaftsmitarbeiter nach der ersten Angriffswelle verschanzt.

CIA-Direktor Petraeus war nicht dabei

Zunächst war offenbar versucht worden, das Ausmass der CIA-Präsenz in Bengasi geheim zu halten: Das «Wall Street Journal» weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass der US-Präsident, sein Vize sowie seine Aussenministerin und sein Verteidigungsminister zugegen waren, als die Särge der vier getöteten Amerikaner auf dem Luftwaffenstützpunkt Andrews ankamen. Nicht aber CIA-Direktor David Petraeus, um dessen Mitarbeiter es sich auch handelte.

Der Angriff auf das Konsulat hat sich in den vergangenen Wochen zum Politikum entwickelt. Die Republikaner um Präsidentschaftsbewerber Mitt Romney haben die Sicherheitsvorkehrungen am Konsulat in Bengasi in Zweifel gezogen und Präsident Barack Obama Führungsschwäche im Ausland vorgeworfen.

(kri/dapd)