Schöner Wahlkampf-Zustupf

03. Dezember 2012 20:36; Akt: 03.12.2012 20:36 Print

Obama-Fashion brachte 40 Millionen ein

von Martin Suter - Zunächst wurden die Obama-Modeartikel belächelt. Inzwischen ist klar, dass die Designer-Stücke seiner Wiederwahlkampagne weit mehr Geld einbrachten als erwartet.

Die Republikaner fanden Obama Fashion lächerlich und teuer - der Konsument sah es offensichtlich anders. (Video: Youtube/rnc)
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Barack Obama ist in Mode. Wenn es dazu noch eines weiteren Beweises bedurft hätte, liefert ihn den eigens für den Wiederwahlkampf des US-Präsidenten kreierte Modeladen «Runway to Win» - Laufsteg zum Sieg. Wie «Business Week» berichtet, hat der Online-Laden sehr beachtliche 40 Millionen Dollar in Obamas Wahlkampfkasse gespült.

Die zuvor nicht veröffentlichte Zahl gab Jim Messina preis, Obamas Wahlkampfstratege. Der Idee zu der Aktion stammte allerdings von Anna Wintour, der in Modekreisen ebenso geachteten wie gefürchteten Chefredaktorin des «Vogue»-Magazins. Wintour unterstützte Obama nach Kräften und sammelte als «Bundler» - Beitragsbündlerin - Wahlkampfbeiträge in ihrer weiten Bekanntschaft. Im September fungierte Wintour auf der Rangliste von Obamas grössten Geldsammlern auf dem vierten Platz mit über 2,6 Millionen Dollar.

Teurer als Werbeartikel, günstiger als Designer-Mode

Für «Runway to Run» fragte die Modezarin Amerikas trendigste Designer an. Einer Wintour sagt man nicht ohne weiteres ab, weshalb die Linie von T-Shirts, Kleidern, Schals, Taschen und anderen Accessoires mit 23 Namen starten konnte. Thakoon Panichguls Seidenschal war für 95 Dollar zu haben, Tory Burchs Handtasche kostete 75 Dollar, und für die Yoga-Pants aus Hanf-Baumwolle verlangte Monique Pean 95 Dollar. Zu weiteren Designern zählten Vera Wang, Marc Jacobs, der von Michelle Obama portierte Jason Wu sowie das Mutter-Tochter-Gespann von Tina Knowles mit der Popdiva Beyoncé.

Die Preise für die Modeartikel waren tendenziell höher als bei sonst in US-Wahlkämpfen erhältlichen Accessoires. Doch «Runway to Win» erlaubte es Obama-Fans, Stücke bekannter Designer zu vergleichsweise erschwinglichen Preisen zu erwerben. Die Differenz zwischen «normalen» Preisen der Stardesigner und jenen im Obama-Laden war so hoch, dass Republikaner argwöhnten, das Mode-Dumping könnte verborgene Geldspenden maskieren und damit den Wahlkampfgesetzen zuwiderlaufen. Sie verzichteten dann aber darauf, dem Obama-Team Verletzungen der Finanzierungsvorschriften vorzuwerfen.

Republikaner verkennen Potenzial

Angefangen mit einem New Yorker Abend im Dezember 2011 veranstaltete die Obama-Kampagne im Zusammenhang mit «Runway to Win» mehrere Geldsammelanlässe. Anna Wintour lud schwerreiche Unterstützer zum Eintrittspreis von 30’000 Dollar in ihr Stadthaus ein. Weitere Glitzer-Anlässe organisierten die Schauspielerin Scarlett Johannson sowie das Ehepaar Beyoncé und Jay-Z. Die Vermarktung Obamas und die Stelldicheins der superreichen Stars stiessen anfänglich auf Hohn. Das liberale «Atlantic»-Magazin rügte ihren elitär-bourgeoisen Charakter und sah darin die Karikaturen der Gegner bestätigt.

Um sich über die Partys lustig zu machen, drehte die republikanische Partei darüber einen hämischen Videoclip (siehe oben). Doch während Wintour und die Designer Obamas Coolness-Faktor verstärkten, hatte die andere Seite nur Verstaubtes anzubieten. «Sie sind so total altmodisch», sagte Scarlett Johannson laut «Huffington Post» Anfang Jahr über die Strickwesten, die der damalige Kandidat Rick Santorum auf dem Internet verkaufte. «Ich meine, Strickwesten sind reizend für Familienfotos und Nachtessen mit den Grosseltern.»

Am besten, weil zuletzt, lacht jedenfalls Obama. «Runway to Win» spülte einen ansehnlichen Betrag in seine Kriegskasse von total einer Milliarde Dollar und verhalf dem Präsidenten zusammen mit anderen innovativen Aktionen zur Wiederwahl. Anna Wintour steht, sollte sie der Modewelt überdrüssig werden, ohne weiteres eine Karriere in der Politik offen.