Gegen Auflagen verstossen

20. Juni 2012 12:49; Akt: 20.06.2012 15:37 Print

Scotland Yard droht Assange mit Festnahme

Der Wikileaks-Gründer hat die Nacht in der ecuadorianischen Botschaft in London verbracht, wo er politisches Asyl beantragt hat. Nun droht ihm neues Ungemach.

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Der Fall Assange in der Übersicht

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Die britische Polizei will Wikileaks-Gründer Julian Assange verhaften, sobald er die ecuadorianische Botschaft verlässt. Sie sagt, Assange habe gegen die Arrestauflagen verstossen. Assange hatte die Nacht auf Mittwoch in der Botschaft in London verbracht, wo er um politisches Asyl bat. Ecuadors Aussenminister Ricardo Patiño verkündete noch am Abend, die Regierung in Quito werde den Antrag prüfen.

Die britischen Behörden sehen in dem Schritt von Assange dagegen einen Bruch seiner Arrestauflagen. Der Wikileaks-Gründer war nur unter strengen Bedingungen aus der Auslieferungshaft entlassen worden - unter anderem muss er sich täglich bei der Polizei melden und eine elektronische Fussfessel tragen. «Er ist für die Verletzung der Auflagen zu verhaften», sagte eine Sprecherin der Londoner Polizei. Zunächst sei Assange aber «ausserhalb der Reichweite» der britischen Behörden, sagte eine Sprecherin des Aussenministeriums. Ecuador habe Grossbritannien offiziell informiert. Diplomaten beider Länder stünden in Kontakt.

Vorwürfe - doch keine Klage

Der 40 Jahre alte Australier soll auf der Grundlage eines von der schwedischen Staatsanwaltschaft erwirkten, EU-weiten Haftbefehls nach Schweden ausgeliefert werden. Assange wird von zwei Schwedinnen sexuelle Nötigung und Vergewaltigung bei Kontakten im Sommer 2010 vorgeworfen. Eine Anklage existiert jedoch nicht. Assange bestreitet die Vorwürfe vehement und sieht politische Motive dahinter. Er hat den juristischen Instanzenweg gegen seine Auslieferung in Grossbritannien erfolglos ausgeschöpft.

Unklar ist, ob es zwischen der Regierung von Ecuador und Assange irgendwelche Absprachen bezüglich eines Asylantrages gegeben hat. Ecuador hatte Assange bereits im Herbst 2010 in das südamerikanische Land eingeladen. Jedoch hatte die Regierung damals deutlich gemacht, es handle sich nicht um ein Asylangebot.

Swan: So viel Hilfe wie möglich

In einer Erklärung macht der 40 Jahre alte Australier deutlich, er werde politisch verfolgt und sein Heimatland habe ihn im Stich gelassen. Der amtierende australische Premierminister Wayne Swan sagte dagegen: «Wir werden so viel Hilfestellung wie möglich anbieten, wie wir es für jeden australischen Bürger im Ausland tun.»

Assange machte geltend, er werde verfolgt, weil er Informationen veröffentlicht habe, die die Mächtigen kompromittierten, weil er die Wahrheit publiziert und damit Korruption und ernste Menschenrechtsverletzungen in aller Welt enthüllt habe. Seine Internetplattform Wikileaks hatte Tausende diplomatische Depeschen mit teils brisanten Inhalten veröffentlicht.

In Schweden löste der Asylantrag Überraschung und Verwunderung aus. Der Anwalt der beiden Frauen, Claes Borgström, meinte im Radio, der Asylantrag werde die Auslieferung möglicherweise hinauszögern, aber nicht verhindern.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • AMrk am 20.06.2012 14:04 Report Diesen Beitrag melden

    Alles eine Farce

    Es ist doch klar das Assange den mächtigen ein Dorn im Auge ist, weil er die Wahrheit ausspricht. Der Vorwurf aus Schweden ist ein Witz und genau dazu da um ihn hinter gittern verschwinden zu lassen...

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  • Büezer am 20.06.2012 19:31 Report Diesen Beitrag melden

    Haftbefehl ohne Anklage

    Die Sache ist schon einige Zeit her - wieso existiert immer noch ein Haftbefehl wenn gar keine Anklage erhoben wurde/wird? Ist Europa schon dritte Welt?

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  • Herr Frage am 20.06.2012 20:06 Report Diesen Beitrag melden

    Würden wir...

    Ob die Schweiz Asyl geben würde....?

Die neusten Leser-Kommentare

  • Zürcher Zeit am 21.06.2012 14:10 Report Diesen Beitrag melden

    WAHRHEIT ZU WAHR?????

    Da hört man allerhand, nur nicht die Wahrheit! Wenn Julian Assange was gesagt hat was nicht stimmt, sollte doch für die USA kein Problem sein die Beweise aufzubringen! England sollte nicht den Pudel für die USA spielen. Ist Assagne Schwede oder nicht? Wenn er Schwede ist, ab nach Schweden und dieses Seilziehen sollte nur zwischen Schweden und den USA geschehen. Oder muss man annehmen dass die Wahrheit zu wahr für die USA ist und einige hochrangige Politiker rote Köpfe kriegen???

  • Dari2 am 21.06.2012 03:10 Report Diesen Beitrag melden

    Im Notfall das einzige Gesetz!

    Das eigene Leben schützen. Zu dieser Erkenntnis ist dieser superintelligente, mutige, die Wahrheit aufdeckende Märtyrer jetzt gekommen. Bei geschütztem GV geht es um dasselbe Thema: Das eigene Leben schützen. Perfider Geheimdienst oder hat Assange nicht auf die Vorboten gehört? Die Wahrheit oder die nächste Erkenntnis: Wir sind unlimitierte, spirituelle Wesen! Hüben und drüben. Alles begrenzende beruht auf Denkfehler. Selbstlimitation. Also befreie dich, Julian, ich wünsche dir alles Liebe + Gute dabei! Auf dass du dich selbst liebst - trotz allem - wie wir alle tun sollten!

  • A. Huber am 20.06.2012 22:36 Report Diesen Beitrag melden

    Ecuador?

    Wieso beantragt er in Ecuador Asyl? Die Schweiz wäre doch vorteilhafter: Gratisflug, Unterkunft, Kleider und Krankenkasse, Zahnarzt, Sozialhilfe und mindestens 1400 Tage bis das Asylverfahren durch wäre. Da wäre dann alles andere schon fast verjährt ... .

  • der Mechaniker am 20.06.2012 22:23 Report Diesen Beitrag melden

    Helden, sind Helden wenn...?

    Mit seinen Enthüllungen, könnte man zahlreiche US Politiker in Den Haag anklagen, wegen Kriegsverbrechen und verbrechen gegen die Menschlichkeit. Er ist im Osten ein Held, aber im Westen der Gejagte. Schweden darf ihn nicht an die USA ausliefern, auf keinen Fall. Ansonsten wäre es ein Verrat an Europa. Ein Verrat an die UN. Die Vergewaltigungsvorwürfe sind ein anderes Thema.

  • Paula Fehr am 20.06.2012 21:21 Report Diesen Beitrag melden

    Lasst ihn nach Ecuador gehen

    Wenn Obama Schweden sagt, dass er Assange will, dann liefert das brave Schweden den Mann auch aus. Wer will schon mit den USA Krieg?! Nie im Leben würde ich noch einmal in die USA. In diesem Land musst du jeden Tag damit rechnen, dass du auf brutale Art von der Polizei zu Unrecht verhaftet wirst. Was natürlich auch in der Schweiz vorkommt, aber zum Glück nicht Alltag ist, wie in Amerika. Obama hat mich und Millionen andere nur enttäuscht. Ein hoher IQ bedeutet eben doch nichts.