Wikileaks-Informant

28. November 2012 22:21; Akt: 28.11.2012 22:36 Print

Manning muss mit den Schikanen leben

Der in den USA inhaftierte Wikileaks-Informant Bradley Manning kann nicht mit einer Lockerung der Haftbedingungen rechnen. Das US-Militär lehnt Expertenvorschläge ab.

teaser image

Zum Thema
Fehler gesehen?
Fehler beheben!
Senden

In der Voranhörung zum Prozess gegen den mutmasslichen Wikileaks-Informanten Bradley Manning ist es am Mittwoch um die Haftbedingungen des ehemaligen Soldaten gegangen. Manning musste im Gefängnis offenbar verschiedene Schikanen erdulden.

Der Marineoffizier Robert Oltman, der zu Anfang mitverantwortlich für die Überwachung der Untersuchungshaft Mannings war, folgte nach eigenen Angaben nicht der Empfehlung eines Militärpsychiaters, die Haftbedingungen zu lockern.

Der Psychiater William Hoctor hatte den Verantwortlichen im Militärgefängnis Quantico bei Washington gesagt, Manning sei nicht selbstmordgefährdet und solle deshalb nicht mehr unter den höchsten Sicherheitsvorkehrungen festgehalten werden.

Oltman sagte bei einer Befragung durch Mannings Anwalt David Coombs während der Anhörung auf dem Militärstützpunkt Fort Meade in Maryland, er habe seine Entscheidung nicht auf eine einzelne Einschätzung stützen können. Zudem habe Hoctor bereits bei einem anderen Gefangenen eine entsprechende Empfehlung abgegeben, und dieser Gefangene habe sich schliesslich selbst getötet.

Von Wärtern schikaniert

Oltman berichtete zudem von Schikanen gegenüber Manning durch Mitglieder des Wachpersonals. Vorgesetzte Militärs hätten Scherze über Wächter gemacht, die Manning jeden Abend gezwungen hätten, in seiner Zelle die Unterwäsche auszuziehen, berichtete Oltman. Er selbst habe eine entsprechende Spass-E-Mail von einem Militäranwalt erhalten.

Manning war von Juli 2010 bis April 2011 im Marinestützpunkt Quantico im US-Bundesstaat Virginia inhaftiert, danach wurde er in ein Gefängnis in Fort Leavenworth in Kansas gebracht, wo er unter weniger strengen Bedingungen einsitzt. Der 24-Jährige hat beantragt, dass die Anklagen gegen ihn wegen der Haftbedingungen in Quantico fallengelassen werden.

Manning wird vorgeworfen, geheime US-Militärdokumente zu den Kriegen im Irak und in Afghanistan sowie rund 260'000 vertrauliche Depeschen der US-Diplomatie an die Enthüllungswebseite Wikileaks weitergegeben zu haben.

Manning soll die geheimen Daten während seiner Stationierung im Irak von Militärrechnern heruntergeladen haben. Derzeit läuft in Fort Meade das Vorverfahren, der Prozess soll im Februar beginnen. Manning droht eine lebenslange Haftstrafe.

(sda)