«Person of the Year»

16. Dezember 2010 16:44; Akt: 16.12.2010 17:31 Print

95 Prozent der Leser wurden überstimmt

Die «Time»-Leser wählten Wikileaks-Gründer Julian Assange zur «Person des Jahres». Dennoch wurde der Preis an Facebook-Chef Mark Zuckerberg vergeben.

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Julian Assange hatte 382 026 Stimmen von «Time»-Leser bekommen. Mark Zuckerberg nur 18 553. Trotzdem wurde er zur «Person des Jahres 2010» gekürt.

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Man könnte meinen, das Magazin «Time» sei in ähnlicher Weise geknebelt, wie es vor kurzem den Wikileaks-Anführer Julian Assange auf seinem Cover abgebildet hatte: Obwohl 382 026 Leser den Australier zur «Person des Jahres 2010» wählten, vergab die «Time»-Redaktion am Mittwoch den Titel an Facebook-Gründer Mark Zuckerberg.

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Zuckerberg habe es geschafft, «mehr als eine halbe Milliarde Menschen zu verbinden», begründete «Time»-Chefredakteur Richard Stengel die überraschende Wahl des 26-Jährigen. «Wir haben verschiedene Kriterien», versuchte sich Stengel zu rechtfertigen. Die Good News des Jahres hätten seiner Meinung nach ohnehin die 33 geretteten chilenischen Minenarbeiter abgegeben.
(Video: APTN-Video)


Wo bleibt die Glaubwürdigkeit?

Dass nur 18 553 Leser Zuckerberg als «Person des Jahres» wollten, lässt Stengel kalt. Für ihn sei Facebook das drittgrösste Land der Erde, «und es hat sicherlich mehr Informationen über seine Bürger als jede Regierung». Zuckerberg sei «ein Staatsoberhaupt im T-Shirt.»

Offenbar pfeift «Time» auf die «demokratische» Wahl seiner Benutzer und beugt sich dem Mandat des medialen Mainstreams, der seit Wochen den Wikileaks-Gründer als «digitalen Terroristen» bezeichnet.

Kein Wunder, fragt sich ein Teil der US-Gesellschaft, wieso die grossen Medienhäuser an Glaubwürdigkeit verlieren.

(kle)