Julian Assange

17. Dezember 2010 16:24; Akt: 17.12.2010 18:45 Print

Journalismus oder Rache? Das ist die Frage

Die USA wollen Wikileaks vor den Richter zerren. Das geht aber nur, wenn sie beweisen, dass das Portal keinen Journalismus betreibt. Ein erster Schritt dazu ist getan.

storybild

Julian Assange (links) habe nur «Spass daran, Bastarde fertig zu machen», behauptet Rechtsexperte Kenneth L. Wainstain.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Die USA würden Julian Assange und Wikileaks am liebsten von der Erdoberfläche verschwinden lassen. Mit allen rechtlichen Mitteln wollen sie das Enthüllungsportal und seinen Gründer anklagen. So einfach wird das nicht: Ein Versuch, Assange unter dem Espionage Act von 1917 wegen Gefährdung der nationalen Sicherheit zu verurteilen, dürfte sehr schnell scheitern. Und würden sie versuchen, den Mann als «Verschwörer» darzustellen, wäre dies nach Ansicht der Medien ein Angriff auf die Pressefreiheit.

Doch die USA geben nicht auf. Nun hat sich der Rechtsexperte Kenneth L. Wainstein mit dem Thema befasst. In einem siebenseitigen Dokument, das er der US-Regierung am Donnerstag präsentierte, zeigt er mehrere Auswege auf. Grundsätzlich gehe es darum, so beginnt sein Statement, das die Zeitschrift Wired im Original veröffentlichte, die Differenzen zwischen Wikileaks und den herkömmlichen Medienorganisationen festzustellen.

Kein Journalismus, sondern...

Im Wesentlichen gebe es drei Unterschiede zwischen der Arbeit, die Wikileaks betreibt und einer journalistischen Tätigkeit. Zunächst sei es die Art der Berichterstattung: Während sich ein echter Journalist damit befasse, «relevante Informationen zu veröffentlichen, um die Öffentlichkeit zu bilden», widme sich Wikileaks nur der Entdeckung und Veröffentlichung offizieller Geheimnisse.

Wo bleibt die investigative Recherche, fragt sich Wainstein, die Journalisten betreiben, um auf sensible Informationen zu stossen? Wikileaks profitiere einzig von ihrem technischen Know-how und ermutige damit zur Veröffentlichung solcher Daten, ohne sich dabei über deren Relevanz Gedanken zu machen. Ausserdem veröffentliche ein Journalist nur die Informationen, die er als Belege für seinen Artikel benötige, während Wikileaks alles ungefiltert auf ihren Servern hinauflade.

Den Mächtigen eins auswischen

Den grössten Unterschied sieht Rechtsexperte Wainstein in der Mentalität des Betreibers von Wikileaks: Julian Assange habe selbst einmal behauptet, er habe «Spass daran, Bastarde fertig zu machen». Das beweise eindeutig, dass Wikileaks nicht am «Gemeinwohl» interessiert sei.

(kle)