Wikileaks

14. Dezember 2010 13:52; Akt: 14.12.2010 20:11 Print

Richter müssen in 48 Stunden entscheiden

Julian Assange soll gegen Kaution freikommen. Doch Schweden fechtet das Urteil an. Der Ball liegt nun wieder bei den Richtern, die innert 48 Stunden entscheiden müssen.

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Pressefotografen versuchen vor der Anhörung ein Foto von Julian Assange zu ergattern. (Bild: Keystone)

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Die Londoner Justiz will Wikileaks-Gründer Julian Assange gegen Hinterlegung einer Kaution von 200 000 Pfund (knapp 309 000 Franken) auf freien Fuss setzen. Zur Kaution hinzu kommen weitere 40 000 Pfund (rund 61 800 Franken) an zusätzlichen Sicherheiten. Zudem muss der 39-Jährige seinen Pass abgeben, eine Ausgangssperre einhalten und eine elektronische Fussfessel tragen. Assange muss sich auch jeden Tag um 18.00 Uhr Ortszeit auf einem Polizeiposten zeigen.

Da aber die schwedische Justiz Berufung gegen die Freilassung Assanges eingelegt hat, bleibt dieser vorläufig in Haft. Der High Court hat nun 48 Stunden Zeit, über die Berufung zu entscheiden. Bis Donnerstagabend gegen 18 Uhr sollte Klarheit herrschen.

Die Erleichterung von Assange sei bereits verflogen, sagte sein Anwalt Mark Stephens und bezeichnete das Vorgehen der schwedischen Staatsanwaltschaft als «bedauerlich». «Dies wird immer mehr zu einem Schauprozess», sagte Stephens vor Gericht in der britischen Hauptstadt.

Riesige Unterstützung

Unterstützer des Australiers und der von ihm gegründeten Internetplattform zur Enthüllung von Geheimdokumenten hatten sich vor dem Gebäude versammelt und die Entscheidung des Richters zunächst mit lautem Jubel begrüsst.

Julian Assange hatte das Gericht am Dienstag um 14.12 Uhr Ortszeit betreten. Der Saal war zum Bersten gefüllt. Der Richter erlaubte gar Stehplätze. Wegen des grossen Medieninteresses wurden erstmals auch Twitter-Berichte direkt aus der Verhandlung zugelassen. Im Saal verfolgten auch Prominente wie Jemimah Kahn, Bianca Jagger und Fatima Bhutto, die Nichte der ermordeten pakistanischen Politikerin Benazir Bhutto, die Verhandlung.

Assange soll in Schweden wegen der mutmasslichen Vergewaltigung zweier Frauen befragt werden. Er hat die Vorwürfe zurückgewiesen und von einer Intrige gesprochen. Die australische Rundfunkgesellschaft Seven Network berichtete unter Berufung auf Assanges Mutter Christine am Dienstag, der 39-Jährige halte an seinen Überzeugungen und Idealen trotz aller Schwierigkeiten fest.

Der nächste Gerichtstermin für Assange steht am 11. Januar 2011 an.

(jcg/rub/ap)