Venezuela

21. April 2017 05:36; Akt: 21.04.2017 14:19 Print

«Bitte werft keine Bomben mehr!»

Die Proteste gegen den venezolanischen Präsidenten Nicólas Maduro gehen weiter. Beide Parteien bekämpfen sich mit allen Mitteln – ein Demonstrant macht dabei eine Ausnahme.

Keine Ruhe in Sicht: Die Proteste in Venezuela gehen weiter. Video: Tamedia/AFP
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Bei Protesten gegen Venezuelas sozialistischen Staatschef Nicólas Maduro kam es erneut zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften.

Proteste in Venezuela gehen weiter

In der Hauptstadt Caracas setzte die Nationalgarde am Donnerstag Tränengas gegen tausende Demonstranten ein. Einige von diesen warfen mit Steinen und Molotowcocktails.

Tränengas und Gummigeschosse

Auch in anderen Städten gab es Zusammenstösse. Die Opposition kündigte für Samstag weitere Proteste an. «Ich bin müde, ja, aber man muss Mut haben», sagte der 22-jährige Student Aquiles Aldarzoro, der sich an den Protesten beteiligte. «Ich bin bereit, jeden Tag auf die Strasse zu gehen, wenn es notwendig ist.»

Nach dem Einsatz von Tränengas und Gummigeschossen zogen sich die Demonstranten in Caracas weiter in den Osten der Stadt zurück. Einige junge vermummte Demonstranten blieben aber und bewarfen die Ordnungskräfte mit Steinen und Molotowcocktails, wie Journalisten der Nachrichtenagentur AFP berichteten.

Einige Demonstranten zündeten Mülleimer an, die Polizei setzte Wasserwerfer ein und liess einen Polizeihubschrauber kreisen.

Maduro belächelt nackten Demonstranten

Inmitten der Auseinandersetzungen baute sich ein nackter Demonstrant vor den Sicherheitskräften auf, der nichts als Sportschuhe und Socken trug. Er stieg auf ein gepanzertes Militärfahrzeug und rief offenbar mit Blick auf die Tränengasbomben: «Bitte werft keine Bomben mehr!»

Staatschef Maduro machte sich im venezolanischen Fernsehen über diese Szene lustig und kritisierte den Auftritt als «Show».

Weitere gewaltsame Zwischenfälle wurden aus den Städten Maracaibo, Valencia und San Cristóbal im Norden und Westen des Landes gemeldet. Als Vorsichtsmassnahme oder aus Solidarität mit den Regierungsgegnern blieben zahlreiche Hochschulen und Geschäfte am Donnerstag geschlossen.

Drei Menschen getötet

Am Mittwoch waren bei den Massenprotesten in Caracas ein 17-Jähriger und in San Cristóbal eine 23-Jährige durch Kopfschüsse getötet worden. Augenzeugen zufolge wurden die Schüsse von Mitgliedern der «colectivos», von der Regierung bewaffnete zivile Gruppen, abgegeben.

Nach Angaben der Regierung wurde zudem ein Soldat von Demonstranten getötet. Innenminister Nestor Reverol verkündete eine Festnahme im Zusammenhang mit der Tat in der Nähe von Caracas.

Grund für die Proteste

Die Regierungsgegner in dem ölreichen lateinamerikanischen Land machen Maduro für die seit langem andauernde Wirtschaftskrise verantwortlich. Sie kämpfen für ein Referendum über eine Amtsenthebung des Sozialisten, dessen Präsidentschaft regulär noch bis 2019 dauert.

Maduro sagte am Donnerstag, die Opposition habe sich nun auf verschiedenen Wegen zu einem Dialog bereit erklärt. Oppositionsführer Henrique Capriles wies dies zurück und schrieb im Kurzmitteilungsdienst Twitter, nur Neuwahlen würden einen Dialog ermöglichen.

Verlust weiterer Leben

Der gewaltsame Konflikt in Venezuela sorgt international für Besorgnis. Die Europäische Union rief am Donnerstag zur «Deeskalation» auf. UNO-Generalsekretär Antonio Guterres forderte,«dass alle Anstrengungen unternommen werden, um die Spannungen zu verringern und neue Auseinandersetzungen zu verhindern».

Neun lateinamerikanische Länder, darunter Argentinien, Brasilien und Kolumbien, kritisierten in einer gemeinsamen Erklärung «den Verlust weiterer Leben» in Venezuela.

(roy/afp)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Typhoeus am 21.04.2017 06:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tragik des Schneeballeffekts

    Bürgerkrieg ist furchtbar. Niemand vetraut dem Nachbar. Leider finden erst alle wieder nach totaler Zerstörung zusammen. Leider lernt der Mensch nicht aus der Geschichte.

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  • S.Weber am 21.04.2017 06:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Rechtssystem

    Wir sollten aufhören zu jammern über unser Rechtssystem und dankbar sein, besonders wenn wir solche Nachrichten erhalten.

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  • S.V. am 21.04.2017 07:02 Report Diesen Beitrag melden

    Tragisch...

    Ich wusste es... Sobald Chàvez stirbt, geht es nicht mehr lange und Venezuela steht am Rande eines Krieges... Schade...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Hildi am 21.04.2017 13:24 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht nur reden, helfen!!!

    Die UNO und die anderen lateinamerikanischen Länder sollen nicht nur reden und aufrufen, sondern handeln und HELFEN, den beginnenden Krieg zu stoppen und MENSCHENLEBEN retten!! So vorbildlich, wie es in Gambia ablief. Wäre Senegal nicht mit Militär in Gambia einmaschiert, allein um das Land vor den Jammehtreuen Militärs zu sichern und hätten nicht einige andere Präsidenden umliegender Länder mit Jammeh dem Diktator verhandelt, wäre er vermutlich trotz Abwahl jetzt noch dort und es wäre bestimmt Blut vergossen worden.

  • MadChengi am 21.04.2017 12:04 Report Diesen Beitrag melden

    Postkolonialerbe Phase X

    Traurig und tragisch, was mit den Menschen in diesem reichen, eigentlich paradiesischen Landes gemacht wird! - Da liegen die Adern Südamerikas realpolitisch offen und blutend....

  • MadChengi am 21.04.2017 10:29 Report Diesen Beitrag melden

    Oel Oel Oel

    Das Land mit einem der grössten Oelvorkommen der Welt befindet sich nicht unter Kontrolle der USA & des IWF, sowas lässt gewissen Leuten in Washington einfach keine Ruhe...und damit wird Venezuela niemals zur Ruhe kommen, bis die "Richtige Regierung" and der Macht ist und das Land nach Business as usual ausgequetscht werden kann!

    • Sarawak am 21.04.2017 11:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @MadChengi

      So ein Quatsch Die USA hat mit Maduro und hatte mit Chavez nichts gemeinsam, ausser das Amerikanische Raffinerien das Benzin und den Diesel produzieren, welcher in Venezuela Verbraucht wird. Dafür bekommen sie keinen roten Rappen, müssen Crude Oil als Zahlung nehmen. Bolivars will ja keiner mehr, die Regierung könnte auch nicht zahlen. An der Misere des einst wohlhabendsten Landes in Südamerika ist einzig und allein der Sozialismus von Hugo Chavez Schuld. Jetzt ist es eine sozialistische Linksdiktatur wie es im Bilderbuch steht.

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  • Alpöhi am 21.04.2017 10:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Linkspopulisten

    Wenn ich höre, dass wegen eines Parteitages der AfD bis zu 50'000 Demonstranten erwartet werden und Köln abgeriegelt wird, frage ich mich schon, wie es in Europa weitergehen soll. Merken diese Linksradikalen nicht, dass sie genau so handeln, was sie eigentlich verurteilen? Wahrscheinlich wird es wegen solchen Chaoten wieder viele verletzte der 4'000 Polizisten und enormen Sachschaden geben.

    • F. Iresale am 21.04.2017 12:30 Report Diesen Beitrag melden

      Die Welt ist am Ar...

      Völlig korrekt, ist leider so und ist auch von den Politikern so gewollt, sonst würden sie diese Chaoten nicht auch noch mit Geld unterstützen. Das wird erst wieder besser, wenn sich die Leute selber dagegen zu wehren beginnen, womit wir wieder beim Thema Bürgerkrieg wären. All zu lange kanns nicht mehr dauern, wetten?

    • John Free am 21.04.2017 13:25 Report Diesen Beitrag melden

      Belehrung

      Nur zu - Ich bin bereit - Auf der Seite der linken (menschlichen) Seite! Seht ihr nicht dass die rechte Fremdenhass und Angst aufbaut? Ist ein alle zusammen nicht besser als ein jeder gegen Jeden? Denk mal darüber nach! Es gibt nicht nur Länder und Grenzen - Wir alle leben auf der gleichen Erde und sind auch wenn ihr es nicht wahrhaben wollt, alles Menschen! Deshalb kann uns auch nicht egal sein was in anderen Ländern passiert!

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  • Markus Nieb am 21.04.2017 09:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Organisiert

    Wie in der Ukraine, stecken auch da die Amis dahinter! Ein weiterer Staatsstreich! Gefällt dir eine Regierung nicht, zettle einen Aufstand an, bis das Land im Chaos versinkt.

    • Sarawak am 21.04.2017 11:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Markus Nieb

      Urteilen Sie bitte nicht über etwas wovon sie keine Ahnung haben.

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