Mord an Staatsanwalt

29. November 2012 14:08; Akt: 29.11.2012 14:18 Print

«Dachauer Schütze» erhält lebenslänglich

Vor knapp einem Jahr hatte ein 58-Jähriger im deutschen Dachau einen jungen Staatsanwalt im Gerichtssaal erschossen. Heute ist er zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt worden.

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Der Angeklagte Rudolf U. nahm im Krankenbett an der Verhandlung teil. (Bild: AFP)

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Der sogenannte Dachauer Todesschütze ist zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Rund elf Monate nach dem Mord an einem Staatsanwalt im Amtsgericht Dachau stellte das Landgericht München am Donnerstag zudem eine besondere Schwere der Schuld fest. Damit ist eine vorzeitige Entlassung des Mannes nach 15 Jahren kaum möglich. Das Urteil entsprach der Forderung der Staatsanwaltschaft.

Die Tat hatte sich während einer Urteilsverkündung am Dachauer Amtsgericht ereignet. Der Angeklagte Rudolf U. zog plötzlich eine Pistole, feuerte um sich und traf den Staatsanwalt Tilmann T. tödlich. Als Motiv nannte er Wut über mehrere verlorene Gerichtsverfahren.

«Kaltblütig ermordet»

«Der Angeklagte hat Tilmann T. kaltblütig ermordet», sagte der Vorsitzende Richter Martin Rieder in seiner Urteilsbegründung. Der Angeklagte habe «heimtückisch und aus niederen Beweggründen» gehandelt sowie «mit direktem Tötungsvorsatz». Die Tat habe er «von langer Hand geplant». Die Opfer seien völlig wehrlos gewesen.

Rudolf U. habe sich an der Justiz rächen wollen, von der er sich nach mehreren Gerichtsprozessen ungerecht behandelt fühlte, führte Rieder weiter aus. Aus seiner Aversion gegen die Justiz «wurde schliesslich blanker Hass». Der «rechthaberische, starrsinnige und querulatorische» Rudolf U. habe sich eine «eigene Rechtswelt» errichtet, in der er immer Recht und alle anderen «stets Unrecht hatten», führte der Richter aus. «Es war ein sinnloser Tod.» Die Tat habe «unermessliches Leid» über die Familie des jungen Staatsanwalts gebracht. T. sei «ein Zufallsopfer» gewesen, ein «Symbol» für die vom Angeklagten tief verhasste Justiz. Er habe mit dem Angeklagten zuvor nichts zu tun gehabt und sei nur zufällig an diesem Tag für die Verhandlung zuständig gewesen.

Hinweggesetzt über das Leben anderer

Rudolf U. habe sich «in krasser Eigensucht» über das Leben anderer hinweggesetzt, sagte Rieder weiter. Bei der Tat sei er voll schuldfähig gewesen. «Reue hat er nicht gezeigt», betonte der Vorsitzende Richter. Die Entschuldigung an die Angehörigen, es tue ihm «als Mensch» leid, zeige, dass er die Tat nicht wirklich bereue. Neben dem Staatsanwalt habe er auch den Amtsrichter töten wollen und zudem billigend in Kauf genommen, dass weitere Menschen in dem Gerichtssaal sterben. Der Angeklagte habe nur von seinem Plan abgelassen, weil er überwältigt worden sei. Der Amtsrichter hatte sich unter dem Richtertisch in Sicherheit bringen können. Rudolf U. wurde auch wegen dreifachen Mordversuchs verurteilt.

Ein Gutachter hatte Rudolf U. als schuldfähig beurteilt. Der beinamputierte Angeklagte, der den Prozess vom Krankenbett aus verfolgte, hatte sich in der vergangenen Woche bei der Familie des getöteten Staatsanwalts Tilmann T. entschuldigt. Die Angehörigen von T., darunter dessen Ehefrau, hatten vor Gericht ausgiebig über den Verstorbenen berichtet und ihn als warmherzigen Familienmenschen und engagierten Juristen beschrieben.

(sda)