Münchner Sicherheitskonferenz

17. Februar 2017 16:24; Akt: 17.02.2017 16:24 Print

«Einen Israeli nicht neben einen Iraner stellen»

Pence kommt, Mattis auch, Merkel sowieso. Am Flughafen München spielt man Tetris, in der Stadt warten 4000 Polizisten und 16'000 Tassen Kaffee. Es ist Münchner Sicherheitskonferenz.

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Die neue US-Regierung steht im Mittelpunkt der 53. Münchner Sicherheitskonferenz. Zum Auftakt der Konferenz am Freitag werden US-Verteidigungsminister James Mattis und die deutsche Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) vor dem mit Dutzenden Regierungschefs und Ministern hochkarätig besetzten Forum sprechen. Erstmals wird auch Vizepräsident Mike Pence die US-Sicherheitspolitik unter dem neuen Präsidenten Donald Trump vorstellen. Pence spricht am Samstag, womöglich wird er auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) treffen.

Am Flughafen München wird wegen den mit der Konferenz einhergehenden rund 200 zusätzlichen Flugbewegungen derweil «Tetris gespielt», wie die «Süddeutsche Zeitung» schreibt. Die Mitarbeiter dort müssen Parkplätze für die Flugzeuge der vielen Staatschefs finden – und zwar so, dass diese Maschinen im Notfall gleich abheben können. Gleichzeitig müssen diplomatische Feinheiten auch hier berücksichtigt werden. «Wir wissen, dass wir einen Israeli nicht neben einen Iraner stellen», sagt der Leiter der zentralen Verkehrsteuerung vom Flughafen und meint damit natürlich die Maschinen.

Bundespolizei bewacht Secret-Service-Agenten

Alles und alle unter Dach und Fach zu bringen, dahinter steckt eine logistische Meisterleistung. Allein die USA, die traditionell mit eine Reihe Begleitflugzeuge anfliegen, bringen eigene Autos, verplombte Kerosin-Tankfahrzeuge und in riesigen Paletten verpackte Kommunikationstechnik für den Vizepräsidenten mit. Dazu kommen die vielen Secret-Service-Agenten, die die US-Maschinen bewachen. Da diese Waffen tragen, werden sie wiederum von der deutschen Bundespolizei bewacht. Vorschrift ist Vorschrift.

Doch nicht nur der Flughafen, auch die Stadt selbst wird für die drei Tage alljährlich in den Strudel rund um die Sicherheitskonferenz gerissen: Im Einsatz sind drei Sprengstoffhunde und um die 4000 Polizisten. Sie kontrollieren in der Innenstadt über 1100 Kanaldeckel, Stromverteiler und Parkscheinautomaten, wie die «Münchner Abendzeitung» schreibt. Bis zu 600 Sperrgitter werden dort aufgestellt, ebenso 950 zusätzliche Halteverbote eingerichtet. Trams werden in dieser Zeit umgeleitet.

Vom Keller bis zur Terrasse, vom Hummer zur Weisswurst

Das Zentrum der Konferenz ist jeweils das Luxushotel Bayerischer Hof, das die Veranstalter der Sicherheitskonferenz – sie ist privat organisiert und keine offizielle Regierungsveranstaltung – vom Keller bis zur Dachterrasse komplett mieten. Im Hotel selber wohnen nur die Spitzenpolitiker. Ihre Begleiter und das Sicherheitspersonal wohnen anderswo. Im Bayerischen Hof sind die 940 Hotelmitarbeiter und Köche längst am Rotieren: Jeden Tag bereiten sie 1500 unterschiedliche Mahlzeiten zu, vom Hummer bis zur Weisswurst. Für die drei Tage sind 7000 Flaschen Mineralwasser, 1600 Säfte, 4500 Softgetränke, 16'000 Tassen Kaffee, 2000 Flaschen Bier und 650 Flaschen Wein einkalkuliert.

Thematisch gehts es an der diesjährigen Konferenz um die Zukunft der transatlantischen Beziehungen und der Nato nach der Wahl von Donald Trump, um die EU-Zusammenarbeit im Bereich der Sicherheits- und Verteidigungspolitik, um die Beziehungen zu Russland, um den Krieg in Syrien, die Sicherheitslage in Ostasien und um den Umgang mit «Information Warfare».

Am Samstag wird es, auch das hat Tradition, eine grosse Gegen-Demonstration zur Sicherheitskonferenz geben.

(gux)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • NT am 17.02.2017 16:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zu viel Aufwand..

    Es gibt genug unbewohnte Inseln. Wieso treffen sie sich nicht irgendwo dort, ohne zu kommunizieren wo genau. Dann könnten sie sich die ganze Sicherheit sparen und somit auch eine Menge Kosten.

    einklappen einklappen
  • rocky53 am 17.02.2017 16:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    theater

    ein solches theater,danach grosses gerede,aber nirgens erfolg oder veränderung.

  • Chris am 17.02.2017 16:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das geht auch einfacher

    Diese riesigen Sicherheitsvorkehrungen sind nicht angemessen. Die Kosten für die Polizei geht bestimmt in die Millionen. Das Geld sollte lieber investiert werden, um den Allgemeinbürgern mehr Sicherheit zu bieten.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Alter Sack am 18.02.2017 10:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kindergarten

    Wenn es dann noch darauf ankommt wer neben wem Sitzt, dann ist das nur ein grosser Kindergarten und keine Konferenz.

  • markus am 17.02.2017 19:37 Report Diesen Beitrag melden

    Auf Kosten der Steuerzahler

    Sollte verboten werden solcher Quatsch. Skype täte es wohl auch.

  • Gewaltig am 17.02.2017 19:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Riesenvogel war auch in ZH

    Kleine Klarstellung: eine russische Antonow 225, es gibt nur eine die fliegt, also DIE russische Antonow 225.

  • Bettina am 17.02.2017 17:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die An-225 ist...

    ...nicht russisch sondern ukrainisch

  • FlarX00 am 17.02.2017 17:51 Report Diesen Beitrag melden

    10 Jahre

    Vor 10 Jahren hielt Putin seine historische Rede an der Münchener Sicherheitskonferenz. Wär mal Zeit, das mal wieder Revue passieren zu lassen.