Attentat in Ankara

20. Dezember 2016 08:34; Akt: 20.12.2016 13:10 Print

«Ich dachte, es sei eine Kunst-Performance»

Die Bilder zeigen die Szenen kurz nach dem Attentat auf den russischen Botschafter in einer Kunstgalerie: Der Fotograf erzählt nun, wie die Fotos entstanden.

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AP-Fotograf Burhan Ozbilici hielt kaltschnäuzig mit der Kamera drauf, als ein Attentäter bei der Eröffnung einer Kunstausstellung auf den russischen Botschafter Andrei Karlow feuerte.

«Der Anlass schien zunächst reine Routine zu sein. Als ein Mann in dunklem Anzug und Krawatte eine Pistole zog, war ich erstaunt und dachte es sei eine Kunstperformance», sagt Ozbilici nun gegenüber AP. «Doch es war eine kaltblütige Hinrichtung, die vor mir und den anderen Gästen geschah, die verängstigt in Deckung gingen.»

«Ich machte meinen Job: Fotos schiessen»

Mindestens acht Schüsse habe der Schütze abgegeben. Später wurde dieser als Mevlut Mert Altintas identifiziert. Chaos sei in der Galerie ausgebrochen, die Gäste hätten geschrien, sich unter Tischen versteckt. Ozbilici: «Ich war verängstigt und verstört, aber ich fand Deckung hinter einer Wand und machte meinen Job: Fotos schiessen.»

Der AP-Fotograf war nur an der Ausstellung, weil er auf dem Heimweg vom Büro in Ankara dachte, es sei eine gute Gelegenheit, die Beziehungen zwischen der Türkei und Russland zu illustrieren.

Als Karlow durch die Schüsse zu Boden ging, habe Ozbilici kein Blut gesehen. «Ich glaube, ihm wurde in den Rücken geschossen.» Er habe einige Augenblicke gebraucht, um zu realisieren, dass vor ihm gerade ein Mensch gestorben sei.

Unruhiger Schütze

Er habe den Schützen zwar herumfuchteln sehen, aber habe sein Motiv zunächst nicht verstanden. «Ich dachte, es sei ein tschetschenischer Rebelle. Aber die Leute sagten später, er habe etwas zu Aleppo gerufen.» Der Schütze sei unruhig und aufgewühlt gewesen, sei um den am Boden liegenden Botschafter herumgelaufen und habe auf die Bilder an der Wand eingeschlagen.

«Ich war voller Angst und dachte schon daran, dass es gefährlich werden könnte, wenn er sich in meine Richtung dreht.» Dennoch habe er mit seiner Kamera weiter draufgehalten. «Ich dachte, auch wenn ich getroffen und verletzt oder getötet werde: Ich bin Journalist. Ich muss meine Arbeit tun.»

(num)