Toter russischer Exilant war sich sicher

14. März 2018 17:01; Akt: 14.03.2018 17:01 Print

«Ich stehe auf Putins Abschussliste»

Nikolai Gluschkow befürchtete bereits vor Jahren, dass es der Kreml auf ihn abgesehen habe. Nur er sei noch übrig, sagte er 2013 in einem Interview.

Nikolai Gluschkow wurde am späten Montagabend tot aufgefunden. (Video: Tamedia/AFP)
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Der russische Exilant, dessen Leiche in seinem Haus in London aufgefunden wurde, hat seinen Tod offenbar vorausgeahnt. Bereits im Jahr 2013 ging Nikolai Gluschkow davon aus, dass er «auf Putins Abschussliste» stehe, berichtet die «Daily Mail». Damals vor fünf Jahren starb Gluschkows Chef, der Kreml-Kritiker Boris Beresowski.

Seine Tochter fand den 68-jährigen Gluschkow am späten Montagabend mit «Strangulierungsspuren» am Hals, wie die russische Zeitung «Kommersant» schrieb. Er soll im Badezimmer gelegen haben – mit einem Schal um den Hals gewickelt.

«Ich sehe keinen, der übrig ist, ausser mir»

Seine Befürchtungen äusserte der russische Dissident in einem Interview mit dem «Guardian» im März 2013. Damals vermutete er weiter, dass sowohl der Oligarch Boris Beresowski als auch der 2006 mit Polonium vergiftete Geheimdienstler Alexander Litwinenko Opfer des Kremls geworden waren. «Ich sehe keinen, der übrig ist, ausser mir», sagte er der Zeitung.

Gluschkow kam 2004 in Russland wegen Veruntreuung in Haft. Später gab er zu Protokoll, man habe ihn wissen lassen, er werde auf dem Weg ins Gericht sterben: «Mir wurde gesagt, wie es passiert. Ich sollte von einem Lastwagen überfahren werden», zitiert ihn die «Daily Mail». Im Jahr 2009 kam Gluschkow frei, 2010 erhielt er politisches Asyl in Grossbritannien. Vor einem Jahr wurde er erneut in Russland in Abwesenheit zu einer Gefängnisstrafe von acht Jahren verurteilt. In den 1990er-Jahren war Gluschkow Vizedirektor der Fluglinie Aeroflot.

Den Ermittlern zufolge gibt es bei Gluschkows Tod bislang keine Verbindung zum Fall Skripal.

(mlr)