Interview mit Assad

09. November 2012 13:57; Akt: 09.11.2012 14:06 Print

«Ich wollte gar nie Präsident werden»

Das russische Staatsfernsehen hat Baschar Assad zum Interview in Damaskus getroffen. Der syrische Staatschef teilt gegen alle Seiten aus. Bei sich selbst sieht er keine Fehler.

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Der syrische Präsident Baschar Assad im Gespräch mit der Journalistin Sophie Schewardnadse vom russischen Fernsehen. (Bild: Russia Today)

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Sophie Schewardnadse, Enkelin des langjährigen sowjetischen Aussenministers Eduard Schewardnadse, ist für den russischen TV-Sender Russia Today nach Damaskus gereist und hat dort Baschar Assad zu einem exklusiven Interview getroffen (siehe Interview in voller Länge unten). Sie erlebte den syrischen Staatschef als «gebildet» und «sehr nett». Trotzdem werde er von der Presse «völlig dämonisiert», sagte Schewardnadse später in Moskau.

Sophie Schewardnadse traf einen Präsidenten unter Druck, der aus seiner Isolation keinen Hehl machte: Mit Recep Tayyip Erdoğan habe er zuletzt im Mai 2011 gesprochen, als er dem türkischen Premierminister zur Wiederwahl gratulierte, sagte Assad. Seit Ausbruch der «Krise» habe er auch mit keinem westlichen Staatschef mehr Kontakt gehabt.

Freund und Feind

Für seinen ehemaligen Verbündeten Erdoğan hat er nur noch Verachtung übrig: Der türkische Premierminister glaube, seine politische Zukunft hänge davon ab, ob die Muslimbrüder in der Region und speziell in Syrien an die Macht kämen. «Er hält sich für den neuen osmanischen Sultan, der wie in den alten Tagen die ganze Region unter seine Schirmherrschaft bringt», sagte Assad.

Ob er denn überhaupt noch Verbündete habe, fragte ihn Schewardnadse. «Die Mehrheit der arabischen Regierungen unterstützt Syrien, aber sie wagen es nicht, das öffentlich auszusprechen», sagte Assad. Die Beziehungen zum Iran entwickelten sich «von Tag zu Tag besser». Auch das Nachbarland Irak stehe zu Syrien, weil es die Probleme aus eigener Erfahrung verstehe.

Assad machte in dem Interview keinerlei Anstalten, sich dem Druck aus dem Ausland zu beugen und abzutreten. «Ob der Präsident geht oder bleibt, entscheidet die Bevölkerung an der Urne», sagte er. Abgesehen davon habe er das Amt gar nicht angestrebt: «Ich wollte gar nie Präsident werden. Ich war damals 34 Jahre alt», sagte er. Dass auch die Syrer selbst ihn loswerden wollen, verneint er: «Wenn ein Grossteil der Welt und die eigene Bevölkerung gegen dich ist – bin ich denn Superman?»

Vergleich mit Tschetschenien

Die Verbrechen seiner Armee gegen die Zivilbevölkerung bezeichnete Assad als bedauerliche Kollateralschäden im Kampf gegen den Terrorismus und stellte einen Vergleich mit Russland an: «Vor über zehn Jahren verübten tschetschenische Terroristen Anschläge auf Zivilisten in Theatern und Schulen. Die russische Armee musste einschreiten und die Bevölkerung schützen. Nennen Sie das auch Kriegsverbrechen?», fragte er. Im übrigen sei es «unlogisch» anzunehmen, die syrische Armee könne sich auf Dauer gegen die Bevölkerung stellen. Wäre das der Fall, wäre die Armee «schon längstens auseinandergefallen».

Konkrete Fehler im eigenen Verhalten wollte Assad keine einräumen. Allerdings betonte er, jeder mache Fehler, sonst sei er kein Mensch. Manchmal sei es schwierig, in Krisenzeiten Richtig von Falsch zu unterscheiden. Erst wenn der Krieg vorbei sei, werde er über Fehler sprechen. Aus heutiger Sicht würde er alles genau gleich machen – auch die Niederschlagung der ersten Proteste im März 2011: «Die Proteste waren eine Täuschung, denn schon damals waren Militante unter den Demonstranten, die auf Zivilisten und Soldaten schossen.»

Russia Today interviewt Baschar Assad:

(Video: Russia Today)

(kri)