Massenmörder Adam Lanza

18. Dezember 2012 09:53; Akt: 18.12.2012 12:46 Print

«Kehre ihm bloss nie den Rücken zu»

Ryan Kraft war vor zehn Jahren Babysitter von Adam Lanza – schon damals hatte der Junge eine unheimliche Aura. Zuletzt lebte er in einem fensterlosen Keller.

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Die britische «Sun» berichtet am Dienstag, 18. Dezember 2012, über den fensterlosen, bunkerähnlichen Raum, in dem Adam Lanza im Haus seiner Mutter gelebt hat. Der Täter auf einem undatierten Bild aus einem Jahrbuch der Sandy-Hook-Grundschule in Newtown, Connecticut. Ryan Kraft war vor rund zehn Jahren der Babysitter von Adam Lanza. Dessen Mutter Nancy Lanza hatte den damals 14- oder 15-Jährigen vor ihrem Sohn gewarnt: «Kehre ihm bloss nie den Rücken zu.» Dieses Bild von Adam Lanza wurde von den Strafverfolgungsbehörden veröffentlicht und von NBC News verbreitet. US-Präsident Barack Obama spricht am 16. Dezember 2012 an einer Gedenkfeier für die Opfer der Sandy-Hook-Schule den Trauernden sein Beileid aus. In seiner Rede zeigt er sich auch selbstkritisch: Die USA hätten ihre Kinder nicht ausreichend geschützt und das müsste sich nun ändern, erklärte Obama. Vor seiner Rede hat Obama die Angehörigen der 26 Todesopfer (insgesamt 27, Adam Lanzas Mutter eingerechnet) getroffen und lange mit ihnen gesprochen. Es herrscht eine bedrückende Stimmung im Saal, die Trauer um die 27 Opfer ist allgegenwärtig. Überall versuchen sich die Menschen gegenseitig Trost zu spenden. Die US-Flagge vor der Sandy-Hook-Grundschule weht wie alle Flaggen im Land auf Halbmast. Die Einwohner von Newtown warten auf den Präsidenten. Alle wollen bei der Gedenkfeier dabei sein. Decken vom Roten Kreuz helfen gegen das nasskalte Wetter. Tagelang wird in Newtown um die Opfer des Amoklaufs getrauert. Die Betroffenheit ist grenzenlos. Die Mutter des Täters, Nancy Lanza, war das erste Opfer. Sie soll eine Waffennärrin gewesen sein. Waffen waren ihr Hobby, sagte ein Bekannter. Das Bild ist zur Ikone des Dramas geworden und auf zahlreichen Zeitungs- und Onlinefronten auf der ganzen Welt erschienen. Es zeigt Jillian Soto, die per Telefon über den Tod ihrer Schwester Victoria Soto informiert wird. Die 27-jährige Victoria Soto war Lehrerin an der Sandy Hook-Grundschule. Sie hat sich heldenhaft zwischen den Täter und ihre Schüler gestellt. Sie starb im Kugelhagel. Der Amokläufer Adam Lanza mit Kameraden aus dem Techclub, einer Vereinigung technikinteressierter Schüler. Das Foto stammt aus einem Jahrbuch der Newtown Highschool. Der 20-Jährige erschoss am 14. Dezember 2012 erst seine Mutter zu Hause und danach in der Schule 20 Kinder und 6 Erwachsene. Danach tötete er sich selbst. An Mahnwachen gedenken schockierte Amerikaner der Opfer, wie hier am New Yorker Times Square. Die Kirche Saint Rose of Lima in Newtown kann nicht alle Teilnehmer einer Mahnwache fassen, einige Trauernde müssen draussen bleiben. In Hoboken, New Jersey, berichten Reporter von einem zweiten Tatort. In Hoboken lebt der ältere Bruder des Täters, der erst selbst als Todesschütze bezeichnet worden war. Ryan Lanza wurde von der Polizei zur Befragung abgeführt. US-Präsident Barack Obama wandte sich noch am selben Tag aus dem Weissen Haus an die Angehörigen der Opfer. Der Präsident, der selber zwei Töchter hat, musste sich immer wieder eine Träne aus dem Auge wischen, als er sagte: «Unsere Herzen sind gebrochen.» Dannel P. Malloy (r.), der Gouverneur von Connecticut, besucht den Tatort. In der Sandy-Hook-Grundschule in Newtown, US-Stadt Connecticut, hat am 14. Dezember 2012 ein bewaffneter Mann das Feuer auf Schüler und Lehrer eröffnet Newtown ist eine Stadt im US-Bundesstaat Connecticut. Sie liegt rund 125 Kilometer nordöstlich von New York. Die Zahl der Toten war lange Zeit unklar. In ersten Meldungen hiess es noch, ein Mensch sei ums Leben gekommen. Erst viel später wurde das eigentliche Ausmass der Katastrophe bekannt. Laut CNN wurde die Leiche des Täters auf dem Schulgelände entdeckt. Der Mann soll gegen 9.40 Uhr die Schule betreten haben - eine halbe Stunde nach Schulbeginn. In den Aufzeichnungen des Notrufs hat ein Augenzeuge berichtet, dass sich der Schütze zusammen mit Kindern in einem Schulzimmer eingeschlossen habe. Er soll mit zwei bis vier Waffen bewaffnet gewesen sein. Polizeibeamte führen die Kinder weg vom Schulgelände. Ein Polizist rennt mit zwei Frauen und einem Mädchen weg von der Schule. Die Polizei hat eine Besammlungsstelle eingerichtet, wo Eltern und Kinder zusammengeführt werden. Eine Luftaufnahme von der Sandy Hook Elementary School in Newtown. Besorgte Eltern sprechen mit Polizeibeamten. Die Polizei ist mit einem Grossaufgebot vor Ort. Auch die Umgebung der Schule wird überwacht. Die Beamten sperren alles ab, was noch genauer untersucht werden muss- etwa dieses parkierte Auto. Die Kinder stehen unter Schock, sie warten auf ihre Eltern. Glücklich diejenigen, die ihre Kinder in die Arme schliessen können.

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Als Ryan Kraft am Freitagmorgen bei der Arbeit war und erste Informationen über den Täter der Tragödie von Newtown, Connecticut, bei der 20 Kinder und 7 Erwachsene starben, bekannt wurden, gefror ihm das Blut in den Adern. «Ich konnte eine Weile nichts mehr denken, dann begann ich zu zittern», erzählt der Mittzwanziger im Interview mit «CBS News». Er erkannte Adam Lanza sofort: Vor gut zehn Jahren war er sein Babysitter gewesen.

Er erinnert sich gut an den verschlossenen Jungen, auf den er in seiner Zeit als Schüler an der Sandy-Hook-Grundschule gelegentlich aufpasste: «Wann immer wir zusammen etwas unternahmen, Videospiele spielten oder mit Legosteinen etwas bauten, war Adam unglaublich darauf fokussiert. Es war, als sei er in seiner eigenen Welt.» Und er sei von Adams Mutter Nancy gewarnt worden: «Sie schärfte mir immer ein, immer ein Auge auf ihn zu werfen und ihm bloss nie den Rücken zuzukehren oder gar ins Bad zu gehen.»

«Vor 15 Jahren hätte es mich treffen können»

Nancy Lanza lebt nicht mehr. Sie war am vergangenen Freitag das erste Opfer ihres Sohnes: Er erschoss sie, wohl in ihrem Bett, bevor er sich dazu aufmachte, eines der grössten Schulmassaker zu begehen. Ryan Kraft, der nach dem College in den Süden Kaliforniens umgezogen ist, kann noch immer nicht glauben, dass der Junge, den er vor zehn Jahren hütete, zu einer solch bestialischen Tat fähig war. «Ich bin wie betäubt. Ich kann nicht glauben, dass diese schreckliche Tat dort geschah, wo ich früher zur Schule ging. Vor 15 Jahren hätte es auch mich treffen können.»

Kraft begegnete der Hilflosigkeit mit Aktivismus und startete ein Fundraising-Projekt. Mit seinem Sammelaufruf für die Opfer der Tragödie von Newtown hat er bis am Montagabend rund 90'000 Dollar zusammengebracht.

Er hauste in einem fensterlosen Keller

Derweil werden aus dem Leben des Massenmörders neue Details bekannt. Er soll in fensterlosen Räumen im Kellergeschoss im Haus seiner Mutter gelebt haben, berichtet die britische «Sun». Dort hat er sich tagelang verschanzt und in seinem Zimmer, das tapeziert mit Postern von Panzern und Waffen war, blutrünstige Videospiele wie «Call of Duty» gespielt.

Das englische Revolverblatt zitiert einen Sanitärinstallateur, der regelmässig im Haus von Nancy Lanza arbeitete: «Es war ein wunderschönes Haus. Adam lebte aber im Keller – wie zuvor schon sein Bruder. Ich fand das immer ein bisschen merkwürdig.» Lanza habe sich den Keller sauber und schön eingerichtet. «Er hatte mehrere Computer, ein Badezimmer, Bett und Pult und einen TV. Aber es gab keine Fenster.»

Besonders irritierend war für den Arbeiter, dass die Lanza-Brüder Militärnarren waren: «Sie hatten ein riesiges Poster mit jedem Panzer, der jemals hergestellt wurde. Und sie konnten dir alles über die Waffen aus den 40er-, 50er- und 60er-Jahren erzählen, die sie nie selber gesehen hatten.» Diese hätten sie aus Spielen wie «Call Of Duty» gekannt. «Ich mache die Spiele nicht dafür verantwortlich, was passiert ist.» Aber seine beängstigende Waffenkenntnis habe Adam von diesen Games gehabt.

(jam)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • angedras am 18.12.2012 10:24 Report Diesen Beitrag melden

    Wiederholung...

    ....die Menschen versuchen krampfhaft, einen Schuldigen zu suchen...damit das Schreckliche geschehen verarbeitet werden kann...nur...es hilft nicht... es ist...wie es ist...nämmlich absolut abartig, und tragisch..und das für uns alle in unvorstellbarem Masse!! Die Mutter des Täters lebt nicht mehr...einfach daher die Schulduuweisung....mit Schuldzuweisungen wird nichts besser... Ich kann mich dem Kommentar von Luis nur anschliessen!

  • Ueli Leutwyler am 18.12.2012 10:06 Report Diesen Beitrag melden

    War Games - muss das sein....

    Dem Sanitärinstallateur gebe ich 100% recht, diese Videospiel ''War Games'' zeigen nur, und das sehr brutal, wie man Leute umbringt aber kein Spiel zeigt wie man Leben rettet. ..?

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  • Mill E. Tair am 18.12.2012 14:46 Report Diesen Beitrag melden

    Killer und Fussballprofis

    Games wie "Call of Duty" fördern höchstens das Interesse am Militär, macht einem aber noch lange nicht zum Killer. FIFA hat mich auch nicht zum Fussballprofi gemacht.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Brumm am 18.12.2012 18:56 Report Diesen Beitrag melden

    Laaaaangweilig

    War doch jedem klar dass noch das böööse Killergame ins Spiel kommt.

  • A.M. am 18.12.2012 17:13 Report Diesen Beitrag melden

    Meinung

    Ich weis schon, was als nächstes passieren wird -_- ...

  • Leni am 18.12.2012 15:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Eltern in der Verantwortung

    Mein Freund ist ein Gamer der allerersten Generation. Er hat sie alle gespielt: Battlefield,COD usw... Trotzdem ist er nie gewalttätig geworden. Warum? Weil er etwas hat,was heutzutage wohl nicht mehr in ist:Eltern,die ihrer Aufsichtspflicht nachgekommen sind...

  • ciaba am 18.12.2012 15:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Dummer, dummer Junge

    CoD hat rein gar nichts mit dem zu tun. Ich spiel es selbst sehr oft, hab aber keine Ahnung von den Waffen... Man lernt sowas auch nicht in einem Game.

  • Reto B. am 18.12.2012 15:10 Report Diesen Beitrag melden

    25 Millionen mal

    Wurde das verkauft. Also alle, die wirklich denken, dass Videogames sowas auslösen können, viel Spass beim In-die -Hosen-machen. Wohl jeder 2. Jugendliche in der Schweiz hat schon Egoshooter gespielt.

    • Dr. Who am 18.12.2012 17:23 Report Diesen Beitrag melden

      Zu wenig

      25 Millionen ist bei CoD ziemlich untertrieben. Ausser du beziehst dich nur auf einen der Teile. Zählst du alle CoD Teile für jede Plattform zu zahlen, darfst du die Zahl um mindestens weitere 75 Millionen erweitern. Dazu kommen dann noch ähnliche Spiele welche auch einen Grossteil des Marktes ausmachen. Deine Schätzung mit jeder 2. Jugendliche ist wahrscheinlich auch eher knapp gerechnet, ich würde behaupten mind. 80% der männlichen Jugendlichen.

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