Medienschau zum TV-Duell

04. September 2017 02:25; Akt: 04.09.2017 14:39 Print

«Kuschel-Atmosphäre» bis «Was erlauben Strunz?»

Das TV-Duell von Angela Merkel und Martin Schulz sorgt im Netz für viel Diskussion – jedoch nicht über ernsthafte Themen. Einer der vier Moderatoren steht im Fokus.

Bildstrecke im Grossformat »
Freundlicher Start: Die Bundeskanzlerin und CDU-Vorsitzende Angela Merkel und der SPD-Kanzlerkandidat und SPD-Vorsitzende Martin Schulz vermögen im einzigen TV-Duell nicht überzeugen. (3. September 2018) Auch einer der vier Moderatoren hat während des TV-Duells viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen: Claus Strunz sorgt für Aufreger im Netz, insbesondere auf Twitter. (3. September 2017) Nach einer ZDF-Schnellumfrage setzte sich Merkel mit 33 Prozent Zustimmung durch. Auch in einer Umfrage von «Focus» sehen die Leser die Bundeskanzlerin als Siegerin. Das TV-Duell als Ganzes vermag aber nicht richtig zu überzeugen. Zu viel Einigkeit, zu wenig Angriff ist in der Medienlandschaft der Grundtenor. Gemäss SRF-Kommentator hätte der Herausforderer die Kanzlerin mehr angreifen müssen. Gar von «Kuschel-Atmosphäre» spricht der Kommentarschreiber der «Berliner Morgenpost». Und wer kuschelt, kann nicht verlieren – zumindest formuliert auch die «Frankfurter Allgemeine» den Ausgang des Duells für beide Kandidaten positiv. «Unterhaltsamer und ein bisschen härter als gedacht», beurteilt der «Spiegel»-Analyst gnädig das TV-Duell. «Die Süddeutsche» äussert sich dafür mit klaren Worten: Das Aufeinandertreffen haben beide Kandidaten verpatzt. «Bild» gibt gleich mehrere Urteile – darunter auch das von Moderator Günther Jauch – ab. «RTL» stellte mit Chefredaktor Peter Klöppel einen der vier Moderatoren des TV-Duells und gibt sich danach lieber volksnah und überlässt den Zuschauern die Beurteilung. Vor allem über Twitter haben diese ihre Kritik, ihren Unmut, ihre sarkastischen und zynischen Kommentare abgegeben. Moderiert wurde die Diskussion von Sandra Maischberger, Claus Strunz, Maybrit Illner und Peter Klöppel (v.l.n.r.). Anhänger der SPD haben sich vor den Adlershof-Filmstudios, in denen sich das TV-Duell abspielte, zu einer Kundgebung versammelt. Auch Anhänger der CDU haben sich vor den TV-Studios eingefunden. Im Pressecenter mischten sich Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen, Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen Armin Laschet und David McAllister, Mitglied der EU-Parlaments unter das Publikum. An verschiedenen Orten, hier in Dresden, verfolgte man in Deutschland den heiss erwarteten Schlagabtausch der beiden Kanzlerkandidaten. Die SPD organisierte selbst auch Public Viewings, hier in Düsseldorf. Aber auch in den meisten deutschen Bars konnte man das Duell verfolgen, hier in Köln. An einem Ort erhielt die Kanzlerin durch einen herunterhängenden Kronleuchter gar ein «Krönchen» aufgesetzt.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Moderator Claus Strunz hat während des TV-Duells von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) mit ihrem SPD-Herausforderer Martin Schulz wegen Patzern im Netz viel Häme geerntet. Bis zum Ende der Sendung gab es auf Twitter mehrere Tausend Nachrichten zum Sat.1-Moderator.

Schon am Anfang der Live-Übertragung musste sich Strunz von Schulz korrigieren lassen: Er hatte den SPD-Chef mit einer Flüchtlingsaussage verkürzt zitiert. Später fragte Strunz Kanzlerin Merkel und Schulz, ob sie es gut fänden, dass die Fussball-WM 2022 in Katar stattfindet. «Echt jetzt, Strunz fragt wirklich nach der WM in Katar?», schrieb Linke-Parteichef Bernd Riexinger auf Twitter.

Ein anderer Twitter-Nutzer teilte ein kurzes Video des legendären Ausrasters des früheren Bayern-Trainers Giovanni Trapattoni, der 1997 an die Adresse seines damaligen Spielers Thomas Strunz zeterte: «Was erlauben Strunz?»

Ironisch kommentierte Satiriker Jan Böhmermann: «Ich guck nur wegen Claus Strunz. #TVDuell». Der TV-Mann hat das Duell in mehreren Tweets verarbeitet oder es zumindest versucht:

«Das deutsche TV-Duell mitanzusehen war die deprimierendste politische Erfahrung meines Lebens. Und ich habe über den Brexit berichtet», beklagt sich etwa Jeremy Cliffe, Berlin-Korrespondent von «The Economist».

«Mehr Parallelslalom als Duell»

Das Format des TV-Duells im Bundestagswahlkampf hat sich aus Sicht eines Medienwissenschaftlers in seiner jetzigen Form überholt. Die Sendung sei leblos und frei von jeder Überraschung gewesen. Fast alle wichtigen Zukunftsfragen, vor denen Deutschland stehe, seien ausgeklammert worden. «Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, dass das Format TV-Duell an Haupt und Gliedern reformiert werden muss, dann wurde er in diesem Jahr endgültig geliefert», Bernd Gäbler, Professor für Journalistik aus Bielefeld, der Nachrichtenagentur dpa. «Die Sendung war mehr Parallelslalom als Duell», so Gäbler. «In diesem Nebeneinander demonstrierten die Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihr Herausforderer Martin Schulz inhaltlich eigentlich nur, dass eine grosse Koalition jederzeit wieder möglich ist.»

Der Journalistik-Professor kritisierte auch die Moderatoren der vier Sender ARD, ZDF, RTL und Sat 1: «Die viel zu zahlreichen Moderatoren traten in einen Überbietungswettbewerb, beide Politiker ausschliesslich mit Fragen zu traktieren, wie sie von rechts gestellt werden ... Der Wähler, um den es ja angeblich gehen soll, schaute im wahrsten Sinne des Wortes in die Röhre», sagte der Medienwissenschaftler. Er sei in die Rolle eines ungefragten Zuschauers gedrängt gewesen. «Der Appell an die übertragenden Sender kann nur lauten: So nicht noch einmal!»

(foa/sda)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Expat am 04.09.2017 06:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Keine Auswahl

    Keinen Deut besser als die Auswahl zwischen Clinton und Trump. Ich könnte jedenfalls keine/n wählen. Merkel stürzt Europa in ein Asylchaos und Schulz will dass Europa noch stärkeren Einfluss auf alle Bürger nimmt. Beides ist schlecht für Alle Europäer.

    einklappen einklappen
  • Jack am 04.09.2017 05:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Super Wahl!!

    Weiter weiter ins Verderben!!! Das Chaos bleibt alles beim Alten!!

    einklappen einklappen
  • susi am 04.09.2017 06:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Deutschland Europa

    Bis es knallt. In Deutschland leben über eine Million Familien in Armut. Auch die Rentner lässt man im Stich. Sah gestern noch nach dem TV Auftritt von Beiden eine Dokumentation über die Bevölkerung in Deutschland. Schulen sind Abbruch reif, Brücken sind Einsturzgefahren ausgesetzt. Ich kenne persönlich eine Rentnerin, die mit 200 Euro den ganzen Monat leben muss. Auch Deutschland verpulvert die Steuergelder lieber ins Ausland und fürs Asylwesen , das eigene Volk darf nur zahlen, genau wie in unserem Land. Auch in Europa wird sich das Volk auflehnen, bald gibt es Aufstände.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Markus Wegmann am 05.09.2017 14:38 Report Diesen Beitrag melden

    Populismus

    Wenn die grossen Parteien so verdrehen damit sie möglichst viel Stimmen gewinnen, hat keine mehr ein Profil und es schafft Platz für Gruppierungen am Rande. AfD ist nicht populistisch, sondern die Folge des Populismus. Man sieht ja, egal was man wählt, es bleibt gleich .........

  • Nase Voll am 05.09.2017 02:21 Report Diesen Beitrag melden

    Schlimme Zeiten stehen an...

    Das schlimmste was Europa passieren konnte war Merkels Wahl zur Bundeskanzlerin. Sie will weiter regieren? Dann wird die Katastrophe nicht aufzuhalten sein. Das kann doch nach solchen verheerenden Fehlentscheidungen für Deutschland und ganz Europa nicht ihr und des deutschen Volkes Wille sein. Die deutsche Mentalität hat schon im zweiten Weltkrieg bis zum bitteren Ende an ihrem Untergang mitgearbeitet. Damals konnte Deutschland ihre Infrastruktur nach dem grossen Erwachen wieder aufbauen und neu beginnen, was aber nach der Kulturvernichtung und den Parallelgesellschaften nicht mehr möglich ist

    • Jasmin am 05.09.2017 08:46 Report Diesen Beitrag melden

      Auch Nase voll - von Leuten wie Euch

      Und Du gehörst dann zu den ersten, die mit der Fackel in der Hand dem Anführer hinterher laufen.

    einklappen einklappen
  • John Wayne am 04.09.2017 21:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kuschel-Duell

    Frau Merkel und Herr Schulz, waren zu 99% gleicher Meinung. Das war kein Duell!

    • Klaus am 05.09.2017 10:30 Report Diesen Beitrag melden

      alles schon gehabt

      Genau wie damals in der DDR , Schulz wurde ja sogar mit 100% Zustimmung zum Kanzlerkandidat gekührt da würde ein Erich Honecker vor Neid erblassen. Eine abgekartete Schmierenkomödie das Ganze da kann man nur fassungslos den Kopf schütteln . Man kann nur hoffen das die Deutschen diesen Schwindel durchschauen und es keinen Grossangelegten Wahlbetrug gibt.

    einklappen einklappen
  • ;) am 04.09.2017 21:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ein Witz...

    Da kommt mir immer ein Teil, eines Liedes in den Sinn: "People talking without speaking.. People hearing without listening..."

  • Pirmin Müller am 04.09.2017 20:00 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht frei

    Egal wer gewinnt. Deutschland und alle anderen 'demokratischen' Länder sind nicht frei.