Zana Ramadani

09. April 2017 16:33; Akt: 09.04.2017 16:37 Print

«Muslim-Mütter erziehen Söhne zu Versagern»

Ex-Femen-Aktivistin Zana Ramadani hat einen Bestseller gelandet. Ihr Buch ist ein Plädoyer gegen falsche Toleranz gegenüber dem konservativen Islam.

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«Die Frauen sind die grössten Unterdrücker der Töchter», sagt Bestseller-Autorin Zana Ramadani. (Bild: Martin U. K. Lengemann)

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Zana Ramadani (33) wurde in Skopje geboren und kam als 7-Jährige mit ihrer Familie nach Deutschland. Die Juristin hat Anfang März ein Buch mit dem Titel «Die verschleierte Gefahr – die Macht der muslimischen Mütter und der Toleranzwahn der Deutschen» veröffentlicht. Nach einer Woche stand es bereits auf der «Spiegel»-Bestseller-Liste.

Die Muslimin bezieht im Buch dezidiert Stellung gegen den konservativen Islam, muslimische Machos und gegen deren Mütter, die bei der Erziehung versagten.

Mit dem Tod bedroht

Die Reaktionen auf das Buch sind heftig, wie sie nun in einem Interview mit der «SonntagsZeitung» sagt. Sie habe von konservativen Muslimen unzählige Drohungen erhalten. «Sie nennen mich Hure, drohen mit Vergewaltigung, Mord und seitdem ich schwanger bin, damit, mir das Kind aus dem Leib zu treten.» Natürlich habe sie Angst, aber sie versuche, sich nicht davon vereinnahmen zu lassen.

Die Reaktionen erklärt sie sich auch damit, dass sie Muslima ist. «Wäre ich Deutsche, würde man mich eine Nazi-Schlampe und eine Rassistin nennen, dieser Vorwurf kommt ja immer. Dass ich Muslima bin, macht es schwieriger und daher schlimmer. Dass ich als Frau Kritik äussere, ist das Allerschlimmste.» Sie sei gefürchtet, weil sie genau wisse, wovon sie rede.

«Jungs werden zu Prinzen erzogen»

Für gescheiterte Integration mach die Autorin vor allem auch die Mütter verantwortlich. «Die Frauen sind die grössten Unterdrücker der Töchter», sagt sie im Interview. Denn diese seien in der muslimischen Welt für die Aufrechterhaltung der Familienehre zuständig, nicht die Männer. «Die Söhne können Drogen verkaufen, gewalttätig sein, das ist alles kein Problem für die Mütter, denn dadurch nimmt die Familienehre keinen Schaden. Aber die Jungfräulichkeit der Tochter, die muss um jeden Preis erhalten werden.» Ansonsten habe die Mutter versagt und bringe Schande über die Familie.

Der «Söhnchenkult» hält Ramadani für fatal. Die Jungs würden «zu Prinzen erzogen»: «Sie werden verhätschelt, verwöhnt, bedient und damit letztlich zu Versagern erzogen. Sie scheitern, weil der Westen eine Leistungsgesellschaft ist, ihnen aber zu Hause etwas ganz anderes beigebracht wird. Sie kennen es nicht, dass etwas von ihnen verlangt wird, dass sie sich anstrengen müssen.» Wenn sie dann scheiterten, seien alle anderen Schuld: «die Lehrerin, diese ungläubige Schlampe, die dem Sohn nichts zu sagen hat, oder überhaupt die Westler, die alle Rassisten sind und den Muslimen keine Chance geben.»

Zwangsheirat drohte

Ramadani musste das am eigenen Leib erfahren. Während ihr Vater aus einer liberalen Familie stammte und sich schnell integrierte, fand ihre Mutter den Anschluss in Deutschland nicht, telefonierte stundenlang in die Heimat. «Die Werte und die Moral von dort wurden immer wichtiger für sie. Weil die Deutschen als Ungläu­bige gelten und die deutschen Frauen als Schlampen, hatte sie, je älter ich wurde desto mehr das Gefühl, mich kontrollieren zu müssen.» Weil sie ja die Familienehre beschmutzen könnte und sie dann kein albanischer Mann mehr heiraten würde.

Ihre Mutter habe irgendwann ihre Brüder einbestellt. «Ich floh am selben Abend ins Frauenhaus, weil ich befürchten musste, nach Mazedonien gebracht und verheiratet zu werden.»

«Falsche Toleranz»

Unverständlich ist für sie, wie man das Tragen des Kopftuchs, das «für Geschlechterapartheid» stehe, als Freiheitsrecht sehen könne. Für Ramadani ist der «Toleranzwahn» des Westens ein Grund für die Radikalisierung von Muslimen. «Die Politik hat den konservativen Islam jahrelang hofiert, deren Vertreter werden in jede Talkshow eingeladen.»

Moderate Stimmen dagegen würden kaum gehört. Nun hätten auch Muslime, die bis zur Jahrtausendwende kaum je eine Moschee besuchten, das Gefühl, «dass Muslim sein eine eigene Identität sei». Ramadani: «Die Toleranten unter den Muslimen werden vor lauter westlicher Toleranz den Rechten unter den Muslimen ausgeliefert.»

Ramadani politisiert heute in der CDU. Bei Femen, wo sie sich früher engagiert hatte, ist sie ausgetreten – weil die Gruppierung immer mehr «Gender-Feministinnen» angezogen habe. «Die meinen, das einzige Übel sei der westliche weisse Mann, und diesen dürfe man ungehindert kritisieren, während sie Kritik an Angehö­rigen einer fremden Kultur, die genauso frauenverachtend ist, automatisch als rassistisch bezeichnen.» Beim Feminismus gehe es aber um Menschenrechte: Man dürfe alles und alle kritisieren, die Frauenrechte mit Füssen treten würden, auch Muslime.

(daw)