Obama an Gedenkfeier

17. Dezember 2012 07:02; Akt: 17.12.2012 10:58 Print

«Diese Tragödien müssen enden»

Die Trauer nach dem Amoklauf in Newtown mit 27 Toten ist riesig. An der Gedenkfeier für die Opfer der Sandy-Hook-Schule hat US-Präsident Barack Obama mehr Schutz für Kinder gefordert.

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Die britische «Sun» berichtet am Dienstag, 18. Dezember 2012, über den fensterlosen, bunkerähnlichen Raum, in dem Adam Lanza im Haus seiner Mutter gelebt hat. Der Täter auf einem undatierten Bild aus einem Jahrbuch der Sandy-Hook-Grundschule in Newtown, Connecticut. Ryan Kraft war vor rund zehn Jahren der Babysitter von Adam Lanza. Dessen Mutter Nancy Lanza hatte den damals 14- oder 15-Jährigen vor ihrem Sohn gewarnt: «Kehre ihm bloss nie den Rücken zu.» Dieses Bild von Adam Lanza wurde von den Strafverfolgungsbehörden veröffentlicht und von NBC News verbreitet. US-Präsident Barack Obama spricht am 16. Dezember 2012 an einer Gedenkfeier für die Opfer der Sandy-Hook-Schule den Trauernden sein Beileid aus. In seiner Rede zeigt er sich auch selbstkritisch: Die USA hätten ihre Kinder nicht ausreichend geschützt und das müsste sich nun ändern, erklärte Obama. Vor seiner Rede hat Obama die Angehörigen der 26 Todesopfer (insgesamt 27, Adam Lanzas Mutter eingerechnet) getroffen und lange mit ihnen gesprochen. Es herrscht eine bedrückende Stimmung im Saal, die Trauer um die 27 Opfer ist allgegenwärtig. Überall versuchen sich die Menschen gegenseitig Trost zu spenden. Die US-Flagge vor der Sandy-Hook-Grundschule weht wie alle Flaggen im Land auf Halbmast. Die Einwohner von Newtown warten auf den Präsidenten. Alle wollen bei der Gedenkfeier dabei sein. Decken vom Roten Kreuz helfen gegen das nasskalte Wetter. Tagelang wird in Newtown um die Opfer des Amoklaufs getrauert. Die Betroffenheit ist grenzenlos. Die Mutter des Täters, Nancy Lanza, war das erste Opfer. Sie soll eine Waffennärrin gewesen sein. Waffen waren ihr Hobby, sagte ein Bekannter. Das Bild ist zur Ikone des Dramas geworden und auf zahlreichen Zeitungs- und Onlinefronten auf der ganzen Welt erschienen. Es zeigt Jillian Soto, die per Telefon über den Tod ihrer Schwester Victoria Soto informiert wird. Die 27-jährige Victoria Soto war Lehrerin an der Sandy Hook-Grundschule. Sie hat sich heldenhaft zwischen den Täter und ihre Schüler gestellt. Sie starb im Kugelhagel. Der Amokläufer Adam Lanza mit Kameraden aus dem Techclub, einer Vereinigung technikinteressierter Schüler. Das Foto stammt aus einem Jahrbuch der Newtown Highschool. Der 20-Jährige erschoss am 14. Dezember 2012 erst seine Mutter zu Hause und danach in der Schule 20 Kinder und 6 Erwachsene. Danach tötete er sich selbst. An Mahnwachen gedenken schockierte Amerikaner der Opfer, wie hier am New Yorker Times Square. Die Kirche Saint Rose of Lima in Newtown kann nicht alle Teilnehmer einer Mahnwache fassen, einige Trauernde müssen draussen bleiben. In Hoboken, New Jersey, berichten Reporter von einem zweiten Tatort. In Hoboken lebt der ältere Bruder des Täters, der erst selbst als Todesschütze bezeichnet worden war. Ryan Lanza wurde von der Polizei zur Befragung abgeführt. US-Präsident Barack Obama wandte sich noch am selben Tag aus dem Weissen Haus an die Angehörigen der Opfer. Der Präsident, der selber zwei Töchter hat, musste sich immer wieder eine Träne aus dem Auge wischen, als er sagte: «Unsere Herzen sind gebrochen.» Dannel P. Malloy (r.), der Gouverneur von Connecticut, besucht den Tatort. In der Sandy-Hook-Grundschule in Newtown, US-Stadt Connecticut, hat am 14. Dezember 2012 ein bewaffneter Mann das Feuer auf Schüler und Lehrer eröffnet Newtown ist eine Stadt im US-Bundesstaat Connecticut. Sie liegt rund 125 Kilometer nordöstlich von New York. Die Zahl der Toten war lange Zeit unklar. In ersten Meldungen hiess es noch, ein Mensch sei ums Leben gekommen. Erst viel später wurde das eigentliche Ausmass der Katastrophe bekannt. Laut CNN wurde die Leiche des Täters auf dem Schulgelände entdeckt. Der Mann soll gegen 9.40 Uhr die Schule betreten haben - eine halbe Stunde nach Schulbeginn. In den Aufzeichnungen des Notrufs hat ein Augenzeuge berichtet, dass sich der Schütze zusammen mit Kindern in einem Schulzimmer eingeschlossen habe. Er soll mit zwei bis vier Waffen bewaffnet gewesen sein. Polizeibeamte führen die Kinder weg vom Schulgelände. Ein Polizist rennt mit zwei Frauen und einem Mädchen weg von der Schule. Die Polizei hat eine Besammlungsstelle eingerichtet, wo Eltern und Kinder zusammengeführt werden. Eine Luftaufnahme von der Sandy Hook Elementary School in Newtown. Besorgte Eltern sprechen mit Polizeibeamten. Die Polizei ist mit einem Grossaufgebot vor Ort. Auch die Umgebung der Schule wird überwacht. Die Beamten sperren alles ab, was noch genauer untersucht werden muss- etwa dieses parkierte Auto. Die Kinder stehen unter Schock, sie warten auf ihre Eltern. Glücklich diejenigen, die ihre Kinder in die Arme schliessen können.

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US-Präsident Barack Obama hat den Angehörigen der Opfer des Amoklaufs an einer Grundschule in Connecticut sein Mitgefühl ausgesprochen. An einer Trauerfeier in Newtown forderte Obama entschlossenes Handeln gegen die Waffengewalt.

In einer ebenso bewegenden wie kraftvollen Rede sagte Obama am Sonntagabend (Ortszeit), es sei das vierte Mal in seiner Präsidentschaft, dass er nach einer Massenschiesserei in eine trauernde Gemeinde komme, um Trost zu spenden. «Wir können das nicht mehr tolerieren. Diese Tragödien müssen enden», sagte Obama vor den trauernden Angehörigen und Gemeindemitgliedern.

Der Präsident kündigte zwar nicht direkt Schritte zu einer Verschärfung von Waffengesetzen an. Aber er versprach, in den kommenden Wochen werde er die Macht seines Amtes nutzen, um gemeinsam mit der Polizei, Psychologen, Eltern und Lehrern darüber zu beraten, wie solche Tragödien wie in Newtown zu verhindern seien.

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(Video: Reuters)

«Wir tun nicht genug»

Der Präsident, selbst Vater von zwei Töchtern, sagte, es sei die erste Pflicht der Gesellschaft, ihre Kinder zu schützen. Er stellte die Frage, ob die USA als Nation wirklich diese Pflicht erfüllten. «Die Antwort ist nein. Wir tun nicht genug.»

Obama räumte ein, dass «kein einziges Gesetz oder Bündel von Gesetzen Böses ausrotten kann». Aber das sei keine Entschuldigung für Untätigkeit. «Ganz sicher können wir es besser machen als bisher.» Es gebe keine andere Wahl.

Die Familien seien in ihrer Trauer nicht allein, versicherte Obama. Menschen im ganzen Land weinten mit ihnen und beteten für sie. Er wisse jedoch, dass Worte die Trauer nicht lindern könnten. Zum Schluss seiner Rede verlas er die Vornamen der 26 Opfer. «Gott hat sie alle nach Hause gerufen», sagte er.

Vor der Trauerfeier hatte der Präsident sich unter Ausschluss der Öffentlichkeit mit Familien der Opfer und den Rettungskräften getroffen. Dem Gouverneur von Connecticut, Dannel Malloy, sagte Obama, Freitag sei der schwierigste Tag seiner Präsidentschaft gewesen.
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Obamas Rede in Newtown (Quelle: CNN)

Motiv weiter unklar

Ein 20-Jähriger hatte am vergangenen Freitag in einer Grundschule in Newton 20 Kinder im Alter von 6 und 7 Jahren sowie 6 Erwachsene erschossen, bevor er sich selbst tötete. Auch seine Mutter wurde erschossen in ihrem Wohnhaus aufgefunden.

Die Polizei in Newton hatte am Sonntag zugeben müssen, dass das Motiv des Täters weiter im Dunkeln liegt. Wie Paul Vance von der Staatspolizei in Connecticut mitteilte, gab der Täter Hunderte von Schüssen ab - und hatte noch mehrere hundert Schuss Munition, als er sich selbst tötete.

Bereits am Samstag hatte der zuständige Gerichtsmediziner mitgeteilt, dass die getöteten 12 Mädchen und 8 Jungen, 5 Lehrerinnen und eine Schulpsychologin je bis zu 11 Mal von Kugeln getroffen worden seien.

Der Sender NBC berichtete unter Berufung auf Polizeikreise, der Täter habe zuerst in Newtown seine Mutter erschossen und sei dann in deren Auto zur Schule gefahren. Um das dortige Sicherheitssystem zu umgehen, habe er ein Fenster zertrümmert und sei dann ins Gebäude geklettert.

Zunächst seien die Rektorin und die Schulpsychologin auf einem Flur erschossen worden. Danach habe der Schütze in zwei Klassenzimmern alle Menschen erschossen, die er darin vorfand.

(pre/aeg/sda/dapd)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Jessica Sánchez am 17.12.2012 08:29 Report Diesen Beitrag melden

    ein Toter zu viel...

    Ja Obama das ist richtig. Jedes getötete Kind in Palästina und jedes getötete Kind im Irak und Afghanisten durch Killerdrohnen ist ein totes Kind zu viel! Oder meinen sie blos nur die Amerikanischen Kinder? Ich sehe keinen Unterschied! Jedes getötete Kind ist ein Toter zu viel!!!

    einklappen einklappen
  • Urs Vals am 17.12.2012 09:56 Report Diesen Beitrag melden

    Kinderschutz

    Dann hoffen wir mal, er meint auch die Kinder in den von den USA besetzten Ländern.

  • phil bender am 17.12.2012 11:12 Report Diesen Beitrag melden

    nichts wird sich ändern!

    ich lebte selbst 10 jahre in den usa und kann mehr oder weniger sagen, wie dieses grosse land tickt. so seltsam es klingt, aber die mehrheit der amerikanern wollen ein liberales waffengesetz, berufen sich auf uralte selbstbestimmungsrechte seit der gründungszeit. niemand will auf seine schusswaffe zu hause zum eigenschutz verzichten und zudem gab es schon so viele amokläufe und nie änderte sich was, so wird sich auch hier nichts ändern, das sind grosse töne, die obama spuckt, aber er wird an der waffenlobby und mehrheit der us-bürger scheitern.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Lissa am 17.12.2012 15:05 Report Diesen Beitrag melden

    Was macht die USA nur falsch..?

    ...es gibt schliesslich viele Länder mit schärferen Waffengesetzen, oder solche, die Waffenbesitz verbieten. Da gibt es kaum Amokläufe etc. Aber in den USA schon. Was mchen sie nur falsch..? Aufwachen!

  • Steve am 17.12.2012 14:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gesetz 

    Ein Waffengesetz,, würde nichts ändern respektive bringen. Warum? Weil in Europa, Ländern mit strikten Waffengesetzen, schon Amokläufe stattgefunden haben. Einer, der diesen Willen und fanatismus hat um zu töten,wird es machen. Da ändert nichts an einem Gesetz. Darüber hinaus,zirkulieren in den USA, soviele Waffen in privatem Besitz, dass es mit einem "Gesetz" nicht getan ist, von Heute auf Morgen,,, es gibt nur den Schein, was moralisch richtiges getan zu haben, aber faktisch, bleibt die Gefahr eines Amoklaufs bestehen, und die werden wir tragischerweise immer wieder erleben in Zukunft.

  • Heinz Mögli am 17.12.2012 12:46 Report Diesen Beitrag melden

    Leere Versprechen

    Er verspricht immer nur und tut nichts. Wieviele Kinder sterben alle Tage im Irak in Afghanistan durch Amerikaner ? Auch traurig. Die USA der Wilde Westen es wird sich nie etwas daran ändern.

  • Rösli Köhl am 17.12.2012 11:48 Report Diesen Beitrag melden

    Jetzt beginnt wieder die Diskussion...

    ...über Waffen. Wann endlich beginnt eine Diskussion über Psychopharmaka? Es fällt auf, dass fast alle Täter mit Drogen ruhiggestellt wurden, das kann kaum ein Zufall sein...

  • iKut am 17.12.2012 11:45 Report Diesen Beitrag melden

    Ansichtssache

    Klar ist das schwerstens zu verurteilen, mein Beileid für die Opfer. Es ist einfach die Waffenlobby zu verurteilen etc. aber es muss ja einen psychologischen oder durch andere beeinflussten hintergrund in der Entwicklung gegeben haben dass einer zu sowas fähig wird oder??? Mobbing usw muss genauso unterbunden werden wie die Waffenverbreitung sebst!!! der hätte zwar nur 4-5 erwischt, doch er hätte es genausogut mit einem Messer machen können oder mit dem Auto Amok laufen wenn alle in der Pause sind etc