Erdbeben auf Hawaii

05. Mai 2018 17:15; Akt: 16.05.2018 12:35 Print

«Niemand hat uns gewarnt»

Eine Leserreporterin ist derzeit mit einer Freundin auf Hawaii in den Ferien. Sie spürte das Erdbeben und war kurz vor dem Ausbruch noch auf dem Vulkan wandern.

Der Vulkan Kilauea auf Hawaii ist ausgebrochen. ((Video: Tamedia/AFP/Storyful)
Zum Thema
Fehler gesehen?

Eine Erdbebenserie hat die Menschen auf Hawaii in Angst versetzt. Beben der Stärke 5,4 und 6,9 ereigneten sich am Freitag (Ortszeit) im Abstand von nur einer Stunde – gefolgt von Dutzenden schwächeren Nachbeben, wie die US-Erdbebenwarte mitteilte.

Leserin Fabienne (27) aus der Schweiz erlebt das Geschehen vor Ort hautnah mit. Seit letztem Sonntag ist sie mit einer Freundin auf Hawaii. Das Erdbeben spürten sie beim Autofahren. «Ich musste kurz gegensteuern und fragte mich, was das wohl war. Ich dachte zuerst, es wäre der Wind», so Fabienne.

Das Zentrum des Bebens lag unweit des Vulkans Kilauea auf Big Island, der grössten Insel des Archipels im Pazifik – und nur wenige Kilometer unter der Erdoberfläche.

Erdbeben erschüttert Hawaii

«Respekt vor weiteren Erdbeben»

Der Kilauea war am Donnerstag ausgebrochen und hatte heisse Asche und glühende Lava gespuckt. 1700 Bewohner von Big Island waren zuvor auf den möglichen Ausbruch hingewiesen und vorsichtshalber zum Verlassen ihrer Wohnungen aufgefordert worden.

Bis zu Fabienne und ihrer Freundin scheint die Information jedoch nicht vorgedrungen zu sein: «Bei unseren Gastgebern brach leichte Panik aus, aber wir haben sonst niemanden über den Vulkan reden gehört, keiner hat uns gewarnt.» Fünf Stunden vor dem Ausbruch seien sie noch zu dem Vulkan gelaufen und hätten dort eindrückliche Fotos der brodelnden Lava gemacht.

Zu einem späteren Zeitpunkt hätten sie nur per Zufall in einem Walmart in Hilo mitbekommen, wie ein Mann der Kassiererin erzählte, dass er evakuiert worden sei und nun nicht mehr nach Hause könne. In Kona, wo sich die beiden Frauen derzeit befinden, würden sie vom Vulkanausbruch jedoch wenig mitbekommen.

Trotz allem wollen die Freundinnen an ihrer Reiseplanung festhalten. Einzelne Aktivitäten würden sie aber dennoch überdenken. «Eigentlich wollten wir morgen Morgen mit den Kajak aufs Meer hinaus und mit den Delfinen schwimmen gehen. Doch nun haben wir ziemlich Respekt vor weiteren Erdbeben, die einen Tsunami auslösen könnten.»

Lebensgefahr durch Schwefelgas

Ein Thema, das die Inselbewohner zusätzlich beunruhigt, ist das beim Vulkan emporsteigende Schwefelgas. Brechen die für Hawaii typischen Schildvulkane aus, kann Lava nicht nur aus dem Krater fliessen, sondern auch durch unterirdische Risse andernorts an die Oberfläche dringen. So brachen am Freitag wieder neue Bodenspalten auf, durch die glühend heisse Lava hervorquoll und kleinere Waldbrände auslöste. Der Zivilschutz warnte gar vor Lebensgefahr durch hohe Schwefelgaskonzentration in der Luft.

Die Verkehrswege auf Hawaii seien indes intakt geblieben, teilte die örtliche Transportbehörde mit. Auch das kurzzeitig verhängte Start- und Landeverbot auf dem Internationalen Flughafen sei nach Inspektion der Pisten schnell wieder aufgehoben worden. Laut dem Stromversorger Hawaii Electric Light waren durch beschädigte Leitungen 14'000 Menschen vorübergehend ohne Strom.


(kaf/sda)