Referendum in Katalonien

01. Oktober 2017 20:20; Akt: 01.10.2017 21:23 Print

«Rajoy steht jetzt als grosser Verlierer da»

von Noah Knüsel - Unter massiver Polizeigewalt stimmten die Katalanen am 1. Oktober über die Unabhängigkeit von Spanien ab. Ein Experte schätzt die Ereignisse ein.

So hart ging die spanische Polizei beim Referendum vor. (Video: Tamedia/Marc Chéhab)
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Die Ereignisse überschlugen sich am 1. Oktober in Katalonien: Trotz massiver Polizeipräsenz wurde über ein Referendum zur Abspaltung der Region vom Zentralstaat Spanien abgestimmt. Die Regierung in Madrid hatte die Abstimmung für illegal erklärt.

Laut dem spanischen Innenministerium gab es Polizeieinsätze in rund 70 Wahllokalen, bei denen Abstimmungsmaterial beschlagnahmt werden sollte. Die Bilanz: mindestens 465 Verletzte, darunter elf Polizisten. Ob und wann Ergebnisse der Abstimmung veröffentlicht werden, ist noch unklar.

Zentralregierung hat sich verpokert

Für Spanien-Experte Walther Bernecker von der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg kommt die Gewaltwelle nicht überraschend: «Die Eskalation war vorherzusehen, weil beide Seiten nichts dagegen getan und auf ihrer Position beharrt haben.» Die Härte des Vorgehens sei stark von lokalen Gegebenheiten abhängig gewesen, sagt er: «Je nach dem war die eine oder die andere Seite aggressiver.»

Laut dem Experten hat sich die Zentralregierung verpokert: «Sie hat darauf gesetzt, dass die Regionalregierung doch noch einen Rückzieher macht. Jetzt steht Ministerpräsident Mariano Rajoy als grosser Verlierer da.» Auch in anderen Regionen des Landes herrsche Verständnis für die Katalanen. Man sei nicht für die Abspaltung Kataloniens, sondern gegen die Regierung in Madrid.

«Nun muss es zu Verhandlungen kommen»

Ob Separatistenführer Carles Puigdemont jetzt wie angekündigt die Unabhängigkeit Kataloniens ausruft, sei nicht klar, so Bernecker: «Abgesehen davon, dass Rajoy das niemals anerkennen wird, kommt es sehr auf das Abstimmungsergebnis an.» Sei dieses klar positiv, könne Puigdemont nicht anders, als die Abspaltung zu erklären.

Unabhängig davon müsse es jetzt aber zu Verhandlungen kommen. «Das wird ein schwieriger Prozess», sagt er. «Es wird Fingerspitzengefühl brauchen, das bisher keine der beiden Seiten bewiesen hat.» Das Beste wäre laut dem Experten, sowohl Rajoy als auch Puigdemont würden zurücktreten und den Platz für neue Leute frei machen, die flexiblere Positionen vertreten. «Das wird aber wohl nicht passieren», sagt er.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • PascalK2015 am 01.10.2017 20:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das ist Demokratie

    Weil es so im Gesetz steht? Wer macht die Gesetze? Das Volk bestimmt so sagt es die Demokratie. Es heisst nicht wenn es im Gesetz steht sei es unfehlbar. Lernt das endlich. Es gibt gewisse gierige Leute die Pfeifen auf die Demokratie, hier das beste Beispiel. Sonst müssen wir aufhören von Demokratie zu reden.

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  • marko 32 am 01.10.2017 20:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Polizei Gewalt

    Schrecklich diese Polizei Gewalt in Spanien

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  • Mark am 01.10.2017 20:28 Report Diesen Beitrag melden

    Aussitzen wäre manchmal besser...

    Sie hätten das besser aussitzen sollen, da in Madrid. Wenn ich nicht ganz falsch liege, wäre es nach letzten Daten etwa mit 40% angenommen worden, 60% hätten dagegen gestimmt und es wäre ein ruhiger Sonntag geworden.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Al-andalus am 02.10.2017 18:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mal sehen was von der Euphorie bleibt

    Aus Brüssel kommt ein klares Nein an Katalonien. Sie sind und werden nie Mitglied der EU werden. Der Kater folgt auf die Unabhängigkeitsparty

  • nepo am 02.10.2017 17:00 Report Diesen Beitrag melden

    Wahnsinn

    Rajoy hat fertig regiert. Der kann nicht mehr in seinem Amt verbleiben. Auf eine eigentlich friedliche Sache so brutal dreinschlagen zu lassen gegen seine eigenen Leute. Das ist eine Schande. Und zum sog. König, kann ich nur sagen, es ist nicht überall König drinn wer König genannt wird. Der hätte sich im Sinne für alle Spanier, vor die Katalanen stellen müssen und sagen bis hierher und nicht weiter. Und die EU macht einen ganz miesen Eindruck. Aber kann man von Alkoholikern an der EU Spitze etwas Gescheites erwarten? Ist ja schlimm wie Herr Juncker jeweils auftritt oder i.d. Fall eben nicht.

  • Pedro am 02.10.2017 14:45 Report Diesen Beitrag melden

    Recht und Gewalt...

    Mag sein, dass die Katalanen- friedlich-Verfassunsschutzrecht gebrochen haben. Aber-sicher ist: Spanien hat Gestern das Katalanische Volk verloren.

  • Karma am 02.10.2017 14:44 Report Diesen Beitrag melden

    Spanien

    hat ein schlechtes Karma zum einen durch das was die Spanische Aristokratie den Ureinwohnern in Südamerica angetan hat. Zum anderen durch den Franco Faschissmus der Konservativen, der anscheinend noch immer nicht überwunden ist.

    • Jörg am 02.10.2017 20:20 Report Diesen Beitrag melden

      Negative, gehässige Wahrnehmung

      Wenn Sie so auf die Geschichte schauen, kommt kein Land oder Volk gut weg.

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  • Martin am 02.10.2017 14:28 Report Diesen Beitrag melden

    Skandal

    Der eigentliche Skandal geschah nicht in Spanien, sondern in der EU. Das unerträgliche Schweigen der Kanzler-Präsidenten und Marionetten ist langsam nciht mehr zum aushalten.