IS-Gräuel

28. Juni 2017 21:17; Akt: 29.06.2017 06:53 Print

«Sie sagten ihr, sie habe gerade ihr Baby gegessen»

Die jesidische Parlamentarierin Vian Dakhil erzählt in einem Interview von den Gräueltaten des so genannten «Islamischen Staates». Ein Schicksal lässt sie in Tränen ausbrechen.

Vian Dakhil spricht über die Gräuel des IS. (Video: Tamedia/Extra News)
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Vian Dakhil ist die einzige politische Vertreterin der Jesiden im irakischen Parlament. Sie ist im ganzen Land bekannt, weil sie sich für Rechte jesidischer Frauen einsetzt und sich auch für Befreiungsaktionen von Jesiden starkmacht, die von der Terrormiliz IS entführt wurden.

Dakhil zufolge befinden sich noch immer fast 7000 Frauen und Kinder in IS-Gefangenschaft – wobei Dakhil sich gegen die Verwendung «Gefangenschaft» wehrt: «Wir dürfen sie nicht als ‹Gefangene› bezeichnen, denn Gefangene haben entsprechend den internationalen Konventionen gewisse Rechte. Diese Frauen und Kinder aber wurden vom IS entführt, sie werden von ihm gekauft und verkauft. Sie werden wie Gegenstände, nicht wie Gefangene behandelt.»

Mädchen zu Tode vergewaltigt

Anfang Juni berichtete die 43-Jährige in einem emotionalen Interview auf Extra News TV von den Gräueltaten des IS gegenüber seinen Opfern. Wie vier- bis zehnjährige Buben ihren Eltern weggenommen und zu Selbstmordattentaten gezwungen wurden. Wie ein zehnjähriges Mädchen vor den Augen des Vaters zu Tode vergewaltigt wurde. Wie Männer und männliche Teenager, die der IS nicht für seine Zwecke einsetzte, kurzerhand getötet wurden.

Als Dakhil ein weiteres Schicksal einer jesidischen Frau schildert, kann sie Tränen nicht zurückhalten: «Eine der Frauen, die wir freikaufen konnten, war drei Tage ohne Nahrung in einer Zelle festgehalten worden.» Am vierten Tag hätten IS-Kämpfer ihr eine Schüssel mit Reis und Fleisch gebracht. Die hungrige Frau habe das Essen verschlungen. «Als sie fertig war, sagten sie ihr: ‹Wir haben deinen einjährigen Sohn, den wir dir weggenommen haben, gekocht. Das ist es, was du soeben gegessen hast.›»

Dakhils Rede rüttelte die Welt auf

Ob die IS-Leute der Frau tatsächlich ihr eigenes Kind zum Essen vorgesetzt hatten oder die Frau «lediglich» quälen wollten, ist nicht klar. Beispiele von unaussprechlichen Gräueltaten des IS gegenüber angeblichen «Ungläubigen» gibt es leider unzählige.

Die jesidische Abgeordnete Dakhil wurde 2014 mit einer Rede im irakischen Parlament weltweit bekannt. Sie sagte damals: «Herr Präsident, wir werden abgeschlachtet unter dem Banner ‹Es gibt keinen Gott ausser Allah›. Unsere Frauen werden auf Sklavenmärkten verkauft, es gibt einen Völkermord an den Jesiden. Wir werden ausgerottet, unsere Religion soll vernichtet werden. Ich appelliere an Ihre menschliche Solidarität, retten Sie uns.»

Das Video der Rede, die Dakhil heftig weinend beschloss, ging um die Welt.

Dakhil machte der Welt das hoffnungslose Schicksal der Zehntausenden vom IS im Sinjar-Gebirge eingekesselten Jesiden bewusst. Die Rede sei, so heisst es, mit ausschlaggebend dafür gewesen, dass der damalige US-Präsident Barack Obama seiner Luftwaffe den Angriffsbefehl für den Norden Iraks gab.

Die bewegende Rede von Vian Dakhil von 2014

(gux)