Bürgermeister von Rotterdam

14. Januar 2015 21:07; Akt: 14.01.2015 21:07 Print

«Wenn es euch hier nicht gefällt, haut doch ab!»

Der Bürgermeister von Rotterdam ist Muslim und hat eine klare Botschaft an alle Islamisten: «Wenn ihr die Freiheit nicht wollt, packt eure Koffer und geht.»

Ein kurzer Ausschnitt des Interviews mit dem Bürgermeister von Rotterdam auf Youtube – mit englischen Untertiteln.

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Am 7. Januar, am Abend nach dem Anschlag auf die Satirezeitschrift «Charlie Hebdo», kocht in Ahmed Aboutaleb die Wut. Der Sozialdemokrat ist seit sechs Jahren Bürgermeister der niederländischen Stadt Rotterdam – und ein aus Marokko stammender Muslim. Als Aboutaleb der Nachrichtensendung «Nieuwsuur» zugeschaltet wird, wählt der 53-Jährige deutliche Worte.

Die Ereignisse hätten ihn tief in der Seele getroffen, so Aboutaleb in dem Interview, er sei nicht nur Bürgermeister, «sondern auch ein wütender Muslim». Es sei wichtig, dass Muslime Abstand von dieser Tat nehmen würden.

«Bringt keine unschuldigen Journalisten um»

Dann wendet sich der Politiker an die Islamisten: «Wenn ihr die Freiheit nicht wollt, packt um Himmels willen eure Koffer und geht», sagte er. «Es gibt auf der Welt vielleicht Orte, wo ihr euch wohlfühlen könnt. Seid dann auch ehrlich zu euch und bringt keine unschuldigen Journalisten um. Das ist so rückständig, das ist unbegreiflich. Verschwindet, wenn ihr in den Niederlanden mit der Art, wie wir unsere Gesellschaft leben wollen, euren Platz nicht finden könnt », zitiert «Welt.de» den Bürgermeister.

Er schliesst mit den unmissverständlichen Worten: «Wenn es euch hier nicht gefällt, wenn euch Karikaturisten nicht passen, die eine Zeitung machen, dann lasst es mich so sagen: Haut doch ab!»

«Stimme der Aufklärung»

Nicht nur in den Niederlanden stiess Aboutalebs Aufruf auf Verständnis. Boris Johnson, der Bürgermeister von London, nannte den Niederländer mit zwei Pässen in seiner Kolumne für den «Telegraph» seinen Helden und verglich ihn mit der «Stimme der Aufklärung», dem Philosophen Voltaire.

Bürgermeister Aboutaleb nahm einen Tag nach dem Anschlag an einem Gedenkmarsch auf den Strassen Rotterdams teil und verurteilte das Attentat erneut. Dieses Mal wählte er allerdings mildere Worte: «Das Schlechteste, was wir jetzt machen können, ist, die Erwartungen der Terroristen zu erfüllen und Gefühle der Rache zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen zuzulassen.»


(mlr)