Homo-Ehe und Inzest

28. Mai 2013 23:45; Akt: 29.05.2013 11:24 Print

«Wir sind von Schwulen umzingelt»

Sie kämpft verbissen gegen die Homo-Ehe in Frankreich: Seit Wochen exponiert sich die Konservative Christine Boutin mit schwulenfeindlichen Äusserungen. Sie selbst ist mit ihrem Cousin verheiratet.

«ça vous regarde» mit Boutin (YouTube)
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Das Filmfestival von Cannes hat dieses Jahr ein politisches Zeichen gesetzt. Die Goldene Palme erhielt der französische Film «La vie d’Adèle» von Regisseur Abdellatif Kechiche. Darin wird eine lesbische Beziehung thematisiert. Sogar die expliziten Sexszenen und die durchzogenen Kritiken haben die Jury nicht davon abgehalten, den Film gebührend zu würdigen.

Diese hohe Auszeichnung ist ein Statement in einem Land, das sich mit gleichgeschlechtlicher Liebe enorm schwertut. Seit Wochen gehen die konservative Opposition und die katholische Kirche gegen die Homo-Ehe auf die Strasse. Zu Tausenden protestieren sie gegen das historische Gesetz zur Einführung der Homo-Ehe, eines der zentralen Wahlversprechen des sozialistischen Staatschefs François Hollande. Das Gesetz war Ende April vom Parlament endgültig beschlossen worden. Es trat am 18. Mai in Kraft. Das Gesetz räumt Homosexuellen neben der Eheschliessung auch ein Adoptionsrecht ein.

«Invasion» von Homosexuellen

Eine dieser glühenden Gegnerinnen ist Christine Boutin, Präsidentin der Christlich-Demokratischen Partei. Die konservative Politikerin tritt für die Verteidigung der Familie und der christlichen Grundwerte ein. Für Boutin führt die gleichgeschlechtliche Liebe in die Polygamie. In einem TV-Interview wurde sie am Montag auf den Siegerfilm von Cannes angesprochen. «Was ist schon die Goldene Palme, überall, in jeder TV-Serie, in jedem Film gibt es immer mehr Schwule», meinte sie abschätzig. Dann verglich sie Homosexuelle mit Unkraut: «Schwulsein ist modern. Wir sind umzingelt von Schwulen.» Es drohe eine «Invasion» von Homosexuellen, so Boutin. «Es gibt keine Geschichte ohne eine homosexuelle Geschichte mehr. Auch hier gibt es eine Art von Sättigung.» Das französische Feuilleton ist ob dieser offenherzigen Homophobie entsetzt. Madame Boutin sei eine Schande für die französische Politik, echauffiert sich ein Kommentator von «Le Nouvel Observateur».


Das RMC-Interview mit Boutin (YouTube)

Doch auch Madame Boutin ist nicht gefeit gegen Angriffe auf ihre Privatsphäre. Ebenfalls am Montag war sie Gast in einer Diskussionsrunde der Talkshow «ça vous regarde» des Senders LCP (siehe Video oben). Ein Zuschauer befragte die Katholikin über ihre Beziehung zu ihrem Ehemann: «Madame Boutin, Sie sind ja mit Ihrem Cousin verheiratet, stört Sie Inzest unter Erwachsenen nicht, und stört es Sie nicht, wenn Sie sich in das Privatleben von Schwulen einmischen?»

Von Privatsphäre und Inzest

Tatsächlich ist Boutin seit 1967 mit ihrem Cousin ersten Grades, Louis Boutin, verheiratet. Das ist in Frankreich (und in der Schweiz) zwar legal, eine kirchliche Heirat ist allerdings nur mit einem päpstlichen Dispens möglich. Das Paar hat drei Kinder. Pikiert antwortete sie dem Mann: «Ich werde diese Frage nicht beantworten, werde nicht über meinen Cousin sprechen. Das Gesetz verbietet es nicht, dass sich Cousin und Cousine vermählen. Einzig aus religiös-moralischen Gründen könnte das Recht eingeschränkt sein. Also, Monsieur, lassen Sie mich in Ruhe mit Fragen über meinen Mann, mit dem ich seit 45 Jahren verheiratet bin.»

Doch der Zuschauer lässt nicht locker und giftelt weiter, dass sie ebenfalls die Privatsphäre der Homosexuellen in Ruhe lassen möge. Über den Inzest-Einwurf wurde Boutin wütend: «Das ist nicht akzeptabel, das ist eine Beleidigung.» Das mit ihrem Mann sei keine Inzest, das sei eine private Angelegenheit. Einen Tag später drohte sie auf Twitter, ihre Angreifer, die ihre Ehre (und Ehe) diffamierten, anzuzeigen. «Enough!», schrieb sie erzürnt und beleidigt.

Die erste Homo-Ehe soll morgen Mittwoch in der südfranzösischen Stadt Montpellier geschlossen werden. Die Behörden befürchten bei Trauungen von Schwulen und Lesben Störaktionen radikaler Gegner - Christine Boutin wahrscheinlich an vorderster Front.


ARTE-Beitrag zu «La Vie d'Adèle» (YouTube)

(kub)

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Ausgewählte Leser-Kommentare

Ich staune, wenn ich gewisse Kommentare lese. Gibt es wirklich noch Menschen, die behaupten, Homosexualität sei gewählt und könne geheilt werden? Dies gepaart mit einer ausgesprochenen Intoleranz führt mich zum Gedanken, dass ich ein Kind lieber bei homosexuellen Eltern sehen würde als bei Eltern, die solches vorleben. – Oliver L.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Roman am 29.05.2013 06:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ganz übel

    Wie heisst es doch in der Bibel? Liebe deinen Nächsten wie dich selbst, oder? Und diese Leute nennen sich Christen? Deren intolerante und bigotte Haltung erinnert eher an Faschismus.

  • Hj Müller am 29.05.2013 07:12 Report Diesen Beitrag melden

    Wir sind von homophoben umzingelt

    Früher hatte der Schwule das Problem. Er sei ja krank. Sollte sich nach Vorstellung einiger "Normalen" Therapieren lassen. Nach heutigen Erkentnissen wird die Homosexualtät auch als" Normal" betrachtet. Was wiederum bedeutet, dass die Gegner ein Problem haben und eigentlich somit nicht mehr zur "Normalität" gehören. Für diese Problem werden zur heutigen Zeit Kurse gegen Homophobie angeboten:-) Ich finde es beschämend, das die Schwulen Früher für ein Probelm herhalten mussten, dass die Anderen mit ihnen hatten. Auch die Schwarzen mussten um ihre Rechte kämpfen. Die Homos tun dies auch!

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  • Donna M. am 29.05.2013 08:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hetzjagd

    Die die gegen Homosexuelle dermassen schiessen, machen dies nur um von sich abzulenken. Denn sie sind es, meiner Erfahrung nach,meistens selbst.. Das ganze erinnert mich an eine mittelalterliche Hetzjagd. Traurige Welt!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Donna M. am 29.05.2013 08:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hetzjagd

    Die die gegen Homosexuelle dermassen schiessen, machen dies nur um von sich abzulenken. Denn sie sind es, meiner Erfahrung nach,meistens selbst.. Das ganze erinnert mich an eine mittelalterliche Hetzjagd. Traurige Welt!

  • Tim am 29.05.2013 08:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Toleranz?  

    Also mal ehrlich! Schwule und lesben kämpfen um toleranz und stehen dafür ein dass man sie so nimmt wie sie sind! Im gegenzug verurteilen sie aber menschen die schwule und lesben nicht lustig finden? Hey liebe homosexuelle da draussen.. Etwas mehr toleranz oder müssen wir heteros dafür auf die Strasse? Müssen wir dafür kämpfen dass halt jeder seine eigene meinung über homosexuelle haben darf?

  • andy am 29.05.2013 08:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Denken, dann glauben!

    Im Gesetzbuch steht zwar, dass Inzest nur zwischen Eltern und Kindern oder unter Geschwistern verboten ist. Aber ob es auch Inzest ist mit Cousins/Cousinen Kinder zu zeugen, da sie genetisch doch noch sehr eng verwandt sind, überlegen sich manche nicht, da es nicht der Definition entspricht. Bitte lasst endlich euren Menschenverstand walten und überlegt zuerst bevor ihr etwas glaubt. Nur weil es im Duden und/oder Gesetzbuch steht, ist es nicht unbedingt richtig.

  • Nina am 29.05.2013 07:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zuerst

    vor der eigenen Tür wischen. Mit Steinen auf Homos werfen, aber selber den Cousin heiraten und mit ihm noch Kinder kriegen! Beschämend!

  • Timolini am 29.05.2013 07:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schwule und Lesben sind ok aber

    Homo Ehen stören mich nicht, geht mich nicht an und interessiert mich auch nicht. Aber das sie Kinder adoptieren dürfen das stört mich gewaltig, den sie können nichts dafür das sie 2 Papas oder 2 Mütter haben, werden aber in der schule oft gehänselt. Kenne da echt genügend beispiele.